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Feintool 2008/09: Umsatzeinbruch und deutlicher Verlust - keine Dividende (AF)

Dieser Inhalt wurde am 08. Dezember 2009 - 16:40 publiziert

Zürich (awp/sda) - Nach dem Rekord im Vorjahr hat die Krise der Autoindustrie der Feintool-Gruppe den schlimmsten Absturz der Geschichte beschert. Unter dem Strich musste das Industrieunternehmen im Geschäftsjahr 2008/09 einen Verlust von 67,5 Mio CHF hinnehmen.
Im Vorjahr hatte Feintool noch einen Gewinn von 20,1 Mio CHF erzielt. Auch operativ rutschte das Unternehmen in die roten Zahlen: Der Betriebsverlust (EBIT) betrug 58,7 Mio CHF, wie Feintool am Dienstag bekannt gab. Vor einem Jahr hatte die in der Feinschneide- und Umformtechnologie tätige Gruppe noch einen Betriebsgewinn von 33,9 Mio CHF erwirtschaftet. Auf eine Dividende soll nun verzichtet werden.
Die schwierige Lage auf den internationalen Automobilmärkten habe sich unmittelbar in den Zahlen niedergeschlagen. Weltweit sei im Jahre 2009 die Autoproduktion um rund ein Fünftel eingebrochen, sagte Feintool-Verwaltungsratspräsident Alexander von Witzleben an der Bilanzmedienkonferenz in Zürich. Das sei der stärkste Rückgang seit über 50 Jahren.
In der Folge sackte der Feintool-Umsatz - wie bereits früher bekannt gegeben - um 35% auf 370 Mio CHF ab. Die Abwrackprämie in Deutschland und anderen Ländern habe den Markt verzerrt, weil sie die Nachfrage nach verbrauchsgünstigen Kleinwagen angekurbelt habe.
70% der Feintool-Teile würden aber für teurere Fahrzeuge wie etwa von Mercedes oder BMW geliefert, erklärte Witzleben. Die auf Feintool-Anlagen hergestellten Teile kommen in der Autoindustrie beispielsweise bei Sitzverstellungen, Bremsen und Getrieben zur Anwendung.
"Wir konnten von der Abwrackprämie nicht profitieren und mussten unsere Kapazitäten auf die nierigeren Verkaufsniveaus der teureren Fahrzeuge anpassen", sagte Witzleben.
Der Umsatzeinbruch habe das Feintool-Ergebnis um 72,3 Mio CHF nach unten gerissen, sagte der neue Finanzchef Thomas Bögli. Zudem seien einmalige Kosten von 40 Mio CHF angefallen.
Der grösste Brocken davon seien die Schliessungskosten von 20,6 Mio CHF für die defizitäre Mühlemann AG in Biberist. Damit gibt Feintool die unrentable Produktion von Kunststoff-Verbundkomponenten auf. Zudem werde auch der Standort Aarberg per Ende Jahr geschlossen, was Kosten von rund 5 Mio CHF verursache, sagte Bögli.
Diese Einbrüche beim Ergebnis hätten auch durch Kosteneinsparungen von knapp 20 Mio CHF und durch eine geringere Steuerlast nicht aufgefangen werden können. Um die Kosten zu senken, baut Feintool im Jahre 2009 rund 450 Stellen ab. Damit sinke die Zahl der Mitarbeiter um 25 bis 30%.
Daneben habe Feintool Kurzarbeit von durchschnittlich 30% eingeführt sowie den Mitarbeitern Lohnverzichte, Zwangsurlaub und Frühpensionierungen verordnet, sagte Witzleben. Mit all den Massnahmen brauche man rund 100 bis 150 Mio CHF weniger Umsatz, um die operative Gewinnschwelle zu erreichen.
So weit dürfte Feintool im laufenden Geschäftsjahr noch nicht kommen. Beim operativen Ergebnis dürfte nochmals ein Verlust von 1 Mio bis 5 Mio CHF anfallen, sagte Bögli. Insgesamt rechne die Gruppe mit einem Umsatz von 340 bis 350 Mio CHF. Dies wäre bereits wieder etwas mehr als im Vorjahr, wenn man den Umsatz der geschlossenen Kunststoffsparte von rund 40 Mio CHF herausrechnet.
Eine gewisse Zuversicht erhält der neue CEO Heinz Loosli von der Entwicklung in den einzelnen Segmenten. Im wichtigsten Bereich Fineblanking/Forming "verzeichnen wir zusätzliche Aufträge ausserhalb der Planung", erklärte er. Es seien konkrete Bestellungen da oder stünden kurz vor dem Vertragsabschluss.
Im neu zu bildenden Geschäftsbereich System Parts, er entsteht durch die Aufteilung von Fineblanking/Forming in die zwei neuen Bereiche Fineblanking Technology und System Parts, werden im Durchschnitt bessere Umsätze als im Vorjahr erwartet.
An der Börse gaben Feintool bis am Nachmittag 1,7% nach. Die tiefroten Zahlen stellten für die Analysten keine Überraschung dar, nachdem im September eine entsprechende Prognose abgegeben wurde.
cf

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