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Finale im Karstadt Bieterrennen: Berggruen präsentiert Designer

Dieser Inhalt wurde am 26. Mai 2010 - 17:03 publiziert

ESSEN (awp international) - Kurz vor dem Finale des Bieterrennens um die insolvente Warenhauskette Karstadt haben sich die Kontrahenten am Mittwoch in Stellung gebracht. Während der Finanzinvestor Triton seine Absicht bekräftigte, zur bevorstehenden Sitzung des Gläubigerausschusses am Freitag ein Angebot vorzulegen, präsentierte der Investor Nicolas Berggruen mit dem US-Designer Max Azria einen weiteren Partner. Unklar ist immer noch, ob der mehrheitlich zu Goldman Sachs gehörende Immobilienfonds und Karstadt-Vermieter Highstreet sich mit einem eigenen Angebot an der Konkurrenz beteiligen will.
Zu weiteren Einzelheiten des Engagements des Designers wie etwa einer finanziellen Beteiligung wollte Berggruen-Sprecher Wolfgang Weber-Thedy keine Stellung nehmen. Geplant sei eine langfristige Partnerschaft, in der die Designkette mit Hauptsitz in den USA eine "strategische Aufgabe" bei der Neupositionierung des Karstadt Modeangebots übernehmen werde.
In Deutschland sei Max Azria bereits mit seiner Marke "BCBG" mit sechs eigenen Läden und vier weiteren Verkaufsstellen vertreten. Weltweit vertreibe die BCBG Max Azria Group mit 20 Marken Damenmode und Accessoires in 1200 eigenen Läden. Für das Engagement bei Karstadt sei die Marke "Manoukian" vorgesehen. Die Einführung dieser Marke an zunächst 14 Karstadt-Standorten sei jedoch auch unabhängig vom Ausgang des Bieterrennens geplant.
In ersten Gesprächen mit der Gewerkschaft Verdi habe der Investor Berggruen Zweifel über sein Engagement ausräumen können. "Wir waren Anfangs skeptisch", sagte eine Sprecherin der Gewerkschaft. Berggruen habe "sehr glaubhaft" versichert, dass sie Karstadt-Beschäftigten in den vergangenen Jahren einen ausreichenden Beitrag zur Rettung des Unternehmens geleistet hätten. Ein genaues Konzept, wie Berggruen Karstadt retten wolle, habe die Gewerkschaft aber noch nicht vorgelegt bekommen. Finanzielle Zugeständnisse fordert Berggruen dagegen von den Karstadt-Vermietern.
Anders als Berggruen hat der zweite Karstadt-Investor Triton weitere Lohnzugeständnisse gefordert und damit die Fronten zu Verdi verhärtet. Weitere Gespräche mit Triton gibt es laut Gewerkschaft derzeit nicht.
In seiner Sitzung am kommenden Freitag soll der Gläubigerausschuss über die Angebote entscheiden. Mit am Tisch sitzen wird auch der Karstadt-Vermieter Highstreet, der nicht nur möglicher Bieter, sondern auch einer der Hauptgläubigern des insolventen Unternehmens ist. Das Gremium trifft sich Freitagvormittag und hat dann theoretisch bis Mitternacht Zeit, eine Entscheidung zu fällen. Die Gläubigerversammlung hat aber auch die Möglichkeit, die Frist noch mal nach hinten zu schieben. Gebe es am Freitag noch weiteren Klärungsbedarf, dann werde Verdi auf eine Verlängerung dringen, sagte die Sprecherin.
Nach der derzeitigen Planung will das Essener Amtsgericht am kommenden Montag abschliessend über den Insolvenzplan beschliessen. Bis zur Entscheidung des Gerichts muss ein Investor feststehen. Auch die noch ausstehenden Willenserklärungen von elf Kommunen zu den genauen Bedingungen ihres Steuerverzichts müssen bis dahin vorliegen./uk/she/fn

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