Fliegender Nationalstolz erleidet Bruchlandung

Die Crossair ist die neue wichtige Fluggesellschaft. Sie ist im Besitz der Grossbanken UBS und Credit Suisse. Keystone

Die Swissair hat am Montag unter enormem Schuldendruck die Selbstständigkeit aufgegeben. Das Fluggeschäft geht an die Regional-Fluggesellschaft Crossair. 2'560 Arbeitsplätze gehen verloren. Der Bund beteiligt sich nicht am Crossair-Kapital.

Dieser Inhalt wurde am 01. Oktober 2001 - 23:50 publiziert

Die Swissair Group muss der Crossair zwei Drittel des Fluggeschäftes abtreten. Die Übernahme erfolgt bis zum 28. Oktober 2001. Die restlichen Konzernteile sollen verkauft oder geschlossen werden. Für SAirGroup, SAir Lines und Flightlease wurden Nachlassstundung beantragt.

Bund beteiligt sich nicht

Der Bund beteiligt sich nicht am Aktienkapital der Crossair. Die neue Luftfahrtgesellschaft könne weitestgehend ohne Bundeshilfe finanziert werden, sagte Finanzminister Kaspar Villiger nach einer dreistündigen Sondersitzung des Bundesrats. Die Regierung sei froh, dass ein ungeordneter Konkurs habe abgewendet werden können. Ebenso sei sie aus ordnungspolitischen Gründen glücklich, dass eine Bundeshilfe nicht nötig sei.

Villiger bedauerte, dass alle Bemühungen zur Sanierung der Swissair dem traditionsreichen Unternehmen keine Zukunft ermöglicht hätten. Für den Wirtschaftsstandort Schweiz sei eine eigene schweizerische Fluggesellschaft wichtig. Villiger appellierte an die soziale Gesamtverantwortung der neuen Unternehmensleitung und ihrer Partner.

Der Bundesrat erwarte zudem, dass die Swissair trotz der eingeleiteten Nachlassstundung weiter fliege, bis die neue Firma die wichtigsten Linien sicherstellen könne. Das Swissair-Debakel sei offensichtlich die Folge der früheren Unternehmensführung.

Attentate brachen Swissair das Genick

Das bittere Ende des ehemaligen Nationalstolzes ist zuletzt auf die Attentate in den USA zurückzuführen. Die angeschlagene Swissair vermochte die Folgen nicht zu verkraften. Die Kosten für den Konzern bis Ende 2002 hätten 3,1 bis 3,8 Mrd. Franken betragen.

Vor den Terroranschlägen sah Swissair-Konzernchef Mario Corti noch Chancen, die wegen Management-Fehlern in Schwierigkeiten geratene Swissair Group zu retten. Die Swissair Group hatte aber bei einem Schuldenberg von 15 Mrd. Franken und einer Eigenkapitalbasis von nur noch 2,5% unüberwindliche Liquiditäts-Probleme.

Crossair in den Händen der Banken

Die Swissair Group verkauft den beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse Group (CSG) für 260 Mio. Franken ihre 70%-Beteiligung an der Crossair. Diese geht damit als neue Auffang-Gesellschaft mit Sitz in Basel und Zürich in den Besitz der Banken.

Die Basler Gesellschaft erhält gleichzeitig von den Banken zusätzliche Betriebsmittel von maximal 500 Mio. Franken. Dazu soll ihr Aktienkapital um 350 Mio. Franken aufgestockt werden. Die Swissair erhält von den beiden Banken einen Überbrückungskredit von 250 Mio. Franken.

Nach den Worten von UBS-Präsident Marcel Ospel ging es um das Überleben der Schweizer Luftfahrt-Industrie. Die gesamten Verpflichtungen beliefen sich auf über eine Milliarde Franken. Ospel gab sich zuversichtlich, dass nach diesem klaren Schnitt auf dem Fundament der Crossair eine starke Fluggesellschaft entstehe.

Die Übernahme des Fluggeschäftes der Swissair durch die Crossair kostet 2'560 Arbeitsplätze, 1'750 davon in der Schweiz.

Die rentablen Bereiche des Unternehmens (Nuance, Swissport, Gate Goumet und SR Technics) sollen verkauft werden. Das Wann und Wie steht aber noch aus - somit ist für die Angestellten dieser Betriebe die Zukunft noch ungewiss.

Abbau der Flotte

Daneben erfolgt eine Redimensionierung der Flotte. Es werde einen Abbau von insgesamt 24 Flugzeugen in der Swissair-Flotte geben, sagte Mario Corti. Langstrecken-Destinationen würden gestrichen. Die neue Fluggesellschaft bleibe aber eine globale Airline.

Crossair übernimmt Markennamen Swissair

Der Flugebtrieb der Swissair wird vorerst beibehalten. Die Crossair kann den Markennamen Swissair benützen. Die Swissair Group kam ihren finanziellen Verpflichtungen in Frankreich und Belgien nicht nach. Die am Montag fällige Zahlung von 200 Mio. Franken an die belgische Sabena sei nicht erfolgt, sagte Corti. Auch sei kein Geld nach Frankreich geflossen. Bereits am Abend waren Klagen aus dem Ausland ein Thema.

Corti tritt aus Crossair-Verwaltungsrat zurück

Corti tritt mit sofortiger Wirkung aus dem Verwaltungsrat der Crossair zurück. Der soeben erst ernannte Chef des Fluggeschäfts der Swissair-Gruppe, Andre Dosé, legt seine Funktion ebenfalls mit sofortiger Wirkung nieder. Er bleibt jedoch CEO von Crossair.

Die Arbeitsgruppe "Rekapitalisierung der Swissair Group" um Ulrich Bremi stellt ihre Arbeit ein.

swissinfo und Agenturen

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