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Flugbetrieb in der Schweiz wieder aufgenommen

Nach einer tagelangen Zwangspause dürfen in Zürich wieder Flugzeuge starten. Keystone

Die Luftraumsperre über der Schweiz ist aufgehoben. Kurz nach 8 Uhr ist die erste Maschine vom Flughafen Zürich gestartet. Infolge verstärkter Aktivitäten des isländischen Vulkans haben Polen, Ungarn, Norwegen und England ihre Luftraumfreigaben bereits wieder aufgehoben.

Dieser Inhalt wurde am 20. April 2010 - 08:40 publiziert

Der Schweizer Entscheid fiel nach der Auswertung von vier Testflügen, wie Daniel Göring, der Sprecher des Bundesamts für Zivilluftfahrt sagte.

Am Montagnachmittag liessen die Fluggesellschaft Swiss einen Airbus A319 und die Schweizer Luftwaffe einen Tiger, einen Super-Puma-Heli sowie einen Pilatus-Porter zu Testzwecken in den Himmel steigen.

"Es geht darum, neue Informationen im gesamten Schweizer Luftraum zu sammeln", hielt Göring fest. Aufgrund der breiteren Datenbasis wurde am späten Abend dann entschieden, dass der Schweizer Luftraum wieder freigegeben werden kann.

Das BAZL behält die Entwicklungen über dem Schweizer Himmel aber weiter im Auge: So müssen die Airlines über durchgeführte Flüge Bericht erstatten. Damit solle die Datenbasis erweitert werden, begründet das BAZL diese Massnahme.

Auch die Swiss fliegt wieder. Ab 10 Uhr heben die ersten Maschinen aus der Schweiz ab, wie Swiss-Sprecher Jürg Dinner gegenüber der Nachrichtenagentur SDA mitteilte.

Die Swiss rechne damit, dass bereits am Dienstag ein "Grossteil" der Flüge durchgeführt werden könne.

Schrittweise Aufhebung

Zuvor hatte EU-Verkehrskommissar Siim Kallas in Brüssel bekannt gegeben, dass der Luftraum über Europa ab Dienstagmorgen 8 Uhr teilweise wieder geöffnet werden solle.

"Ab 08.00 Uhr werden wir wieder mehr Flugzeuge am Himmel sehen", sagte Kallas im Anschluss an eine Videokonferenz der EU-Verkehrsminister, an der auch der Schweizer Verkehrsminister Moritz Leuenberger teilnahm.

Wolke "überschattet" Brüsseler-Treffen

Bundesrat Moritz Leuenberger war am Montag in Brüssel mit EU-Verkehrskommissar Siim Kallas zusammengetroffen. Hauptgesprächs-Thema waren aus aktuellem Anlass die Aschewolke und deren Folgen für den Flugverkehr.

Nach dem Treffen hatte sich der Schweizer Verkehrsminister dafür ausgesprochen, dass gewisse Korridore ab Dienstag wieder für den Luftverkehr über Europa frei gegeben werden sollten.

Die Swiss musste allein am Montag rund 400 Flüge mit rund 42'000 Buchungen stornieren. Seit den ersten Flugraum-Sperrungen in Europa am vergangenen Donnerstag waren bei der Schweizer Fluggesellschaft rund 170'000 Buchungen betroffen.

Auf den drei grossen Schweizer Flughäfen Zürich, Genf und Basel-Mulhouse fielen am Montag weit über 1000 Flüge aus.

Weil viele Flugreisende auf die Bahn auswichen, war es am Wochenende zu einem Grossandrang auf Bahnhöfen gekommen. Dieser ging am Montag deutlich zurück.

Die Situation im internationalen Verkehr hat sich nach Angaben der SBB inzwischen beruhigt. Viele Züge wurden doppelt geführt.

Hohe Verluste für die Airlines

Die Fluggesellschaften verlieren laut dem internationalen Luftfahrtverband (IATA) jeden Tag 250 Millionen Dollar wegen der Flugverbote. Hinzu kämen weitere Ausgaben, etwa für die Entschädigung von Passagieren.

Das sind grössere Schäden, als sie in der Folge der Terroranschläge vom 11. September 2001 entstanden.

Der lahmgelegte Flugverkehr in weiten Teilen Europas belastet auch die Tourismusbranche. Bei Tourismusunternehmen wie Kuoni brachen die Börsenkurse ein. Einzelne Reiseveranstalter erstatten gestrandeten Kunden die Kosten zurück.

Die Flugsperre beeinträchtigte auch den Warentransport, vor allem von Asien nach Europa.

Die Versorgung mit Nahrungsmitteln ist zwar gesichert. Doch gewisse per Luftfracht transportierte Produkte wie grüner Spargel, frische Fische oder Blumen werden knapp, vermelden die Grossverteiler Migros und Coop.

swissinfo.ch und Agenturen

Gefährliche Teilchen

Forscher des Schweizer Paul Scherrer Instituts (PSI) haben einen Schritt gemacht, um die Gefährlichkeit der Vulkan-Aschewolken für die Flugzeuge zu berechnen.

Mit ihrem Umrechnungsfaktor lässt sich aus Laser-Messungen berechnen, wie hoch die Konzentration der gefährlichen Teilchen in der Wolke ist.

Laut Urs Baltensperger, Leiter des Labors für Atmosphären-Chemie beim PSI, ist die Masse der Aschepartikel in der Luft die entscheidende Grösse, um zu errechnen, wie gefährlich eine Asche-Wolke für Flugzeuge werden kann.

Gefährlich für Flugzeuge sind kleinste Teilchen, so genannte Vulkanaerosole.

Die in der Aschewolke aus Island enthaltenen Teilchen breiten sich in hoher Konzentration vor allem in Europa aus.

Davon betroffen sind Turbinenflugzeuge, da diese Aerosole durch die Hitze in den Triebwerken schmelzen und zu Glasablagerungen führen können. Dadurch kann es zu Fehlfunktionen kommen.

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Eyafjallajökull

Der Eyjafjallajökull vor der Südküste Islands ist der fünftgrösste Gletscher auf der Atlantikinsel. Er birgt einen Vulkan im Untergrund und liegt 125 Kilometer östlich der Hauptstadt Reykjavik. Er erreicht eine Höhe von 1666 Metern.

Der zum vierten Mal seit der Besiedlung Islands aktive Vulkan unter dem Gletscher hat, wie bei Vulkangletschern in Island üblich, keinen eigenen Namen.

"Jökull" ist das isländische Wort für letscher. "Eyjafjalla" bedeutet "Insel-Berge".

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