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MÜNCHEN (awp international) - Jochem Heizmann ist ein König ohne Reich - noch. Ab Oktober wird der Volkswagen-Manager, bisher Produktionsvorstand bei VW, das neu geschaffene Ressort "Nutzfahrzeuge" übernehmen. Bisher findet sich in der künftigen Sparte aber nur der schwedische Lastwagenbauer Scania , an dem VW rund 70 Prozent der Stimmrechte hält; das eigene und einzige Geschäft mit schweren LKW in Südamerika hat Volkswagen im vergangenen Jahr an einen Konkurrenten der Schweden verkauft, an MAN . Doch die Tochter blieb quasi in der Familie, denn VW ist an MAN mit knapp 30 Prozent beteiligt. Doch die Bande könnten enger werden.
Seit langem wird über die Pläne von VW- und MAN-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch spekuliert. Der VW-Patriarch wolle unter dem Dach von VW eine Lastwagenholding errichten, aufgebaut aus Scania und MAN, heisst es immer wieder. Analyst Roman Mathyssek von IHS Automotive hält dies für eine wahrscheinliche Lösung. "Es macht Sinn, die beiden Hersteller langfristig zu verzahnen." Auf Heizmann kommt dabei keine leichte Aufgabe zu: Er soll bei den ehemals tief verfeindeten Konkurrenten die enge Zusammenarbeit durchsetzen.
Auch bei den Lastwagen soll laufen, was VW bei Autos bereits macht: Die Nutzung von Baukästen mit gleichen Teilen von der Plattform über Getriebe, Motoren bis zu Kleinteilen. "Das Lkw- Geschäft ist ein entscheidender Bestandteil der Wachstumsstrategie des Volkswagen Konzerns", sagte VW-Chef Martin Winterkorn. Im Scania- Aufsichtsrat sitzt Heizmann bereits an der Seite von Winterkorn. In der Branche erwarten viele Beobachter, dass Volkswagen seine MAN- Anteile auf gut 50 Prozent aufstocken könnte. Nach dem spektakulären Ringen um die Macht bei Porsche könnte VW sein Reich weiter ausbauen.
Piëch selbst war es, der die Zahl zwölf in seiner üblichen Art "ganz beiläufig" ins Gespräch gebracht hat. Ein Dutzend sei leichter zu merken als zehn, sagte Piëch am Rande der IAA im vorigen Jahr und kündigte damit indirekt weiteres Expansionsstreben der Wolfsburger an. Neun Marken gehören bisher dazu, Porsche soll 2011 als zehnte eingegliedert werden, beim japanischen Kleinwagen- und Motorradbauer Suzuki ist VW mit 20 Prozent eingestiegen. Fehlen noch die Schwerlaster. Piëch ist bereits 73 Jahre alt und hat ein grosses Ziel: Ein riesiges Autoimperium mit allem, was auf Strassen fahren kann.
Schätzungen zufolge könnte VW eine Aufstockung bei MAN rund zwei Milliarden Euro kosten. Die Kasse jedenfalls ist gut gefüllt: Seine Barreserve erhöhte Volkswagen im ersten Halbjahr 2010 um mehr als fünf Milliarden auf 17,5 Milliarden Euro. VW will bis 2018 Toyota überholen und zum grössten Autobauer der Welt aufsteigen.
Beim Thema MAN und Scania gibt sich VW zugeknöpft. In Arbeitsgruppen werde die technische Zusammenarbeit bei Achsen, Schaltgetrieben und Komponenten für Hybrid-Antriebe geprüft, sagte zuletzt Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch. Und ansonsten: "Wir haben keine Eile".
Auch bei MAN hält man sich öffentlich zurück. Die Zusammenarbeit werde nur technisch sein, betonte Vorstandschef Georg Pachta- Reyhofen. Zuvor allerdings hatte Piëch den Druck erhöht. Auf der MAN- Hauptversammlung forderte der Chefaufseher zum Erstaunen des Managements nachdrücklich ein enges Zusammenrücken von MAN und Scania. Enorme Synergien gebe es da zu heben.
Die Einsparungen könnten die Hersteller gut brauchen. Die Krise war für die Lkw-Branche noch katastrophaler als für die Autokollegen. Zwar erholen sich die Märkte, aber langsamer als bei den Pkw.
Doch das Verhältnis zu Scania ist schwierig - spätestens seit die Münchner vergeblich versuchten, die Schweden zu übernehmen. Treibende Kraft war der ehemalige Scania-Manager und damalige MAN-Chef Håkan Samuelsson, der Ende 2009 den Konzern verliess. Kritiker mutmassten, Piëch habe bei Samuelssons Rückzug nicht nur wegen der Affäre nachgeholfen, sondern auch weil der Schwede auf der Eigenständigkeit von MAN beharrt habe. Das wies Piëch zurück, fügte jedoch an: "Ich kann aber sagen, dass das Schicksal da etwas geholfen hat."/sbr/emt/dct/DP/nl

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