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Formel-1-Träume: Ein Schweizer Grand-Prix

Impressionen vom Grand Prix Bern. Undatiert.

(Keystone)

Bis in die 1950-er Jahre war die Schweiz Austragungsort wichtiger Formel-1-Rennen. Doch nach einem schweren Unfall in Frankreich wurde die langjährige Tradition abgebrochen.

Inzwischen gibt es Gelüste auf eine Neuauflage. Utopie oder gute Gelegenheit?

Kaum zu glauben: Ab den 30er-Jahren des 20.Jahrhunderts war die Schweiz ein wahres Paradies für Formel-1-Fans. Zwischen 1939 und 1955 gab es viele, international anerkannte Autorennen. "Der Hauptsitz war Bremgarten nahe Bern", erinnert sich Adriano Cimarosti, 40 Jahre lang Redaktor der "Automobil Revue".

1955 ereignete sich jedoch im französischen Le Mans ein schwerer Unfall, bei dem 80 Personen ums Leben kamen. Dies gab den Gegnern von Autorennen Auftrieb. Und ihre Opposition hatte Erfolg. 1958 wurde das Verbot für Autorennen im Strassenverkehrsgesetz fest geschrieben.

Doch die Zeiten haben sich gewandelt. Früher wurden die Rennen auf öffentlichen Strassen ausgetragen, Sicherheitsvorkehrungen existierten praktisch nicht. Häufig erfassten Unfälle die Zuschauer am Strassenrand. "Heute ist die Sicherheit garantiert, seit 10 Jahren gab es keine tödlichen Unfälle mehr", meint Cimarosti.

Traum vom Neustart

Mit der Professionalisierung der Formel 1 haben wirtschaftliche Argumente an Bedeutung gewonnen. Genau aus diesem Grund ist auch in der Schweiz das Interesse neu erwacht, Formel-1-Autorennen wieder zuzulassen. Wirtschaft und Autosport sollen im Schweizer Grand Prix zusammen finden.

Treibende Kraft für die High-Tech-Autorennen ist der umtriebige Aargauer SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner. Er hat eine parlamentarische Initiative eingereicht, in der er die grossen wirtschaftlichen Vorteile von Formel-1-Rennen rühmt. Das eidgenössische Parlament muss sich mit seiner Initiative beschäftigen, die das 50 Jahre alte Verbot für Autorennen aufheben will.

Gemäss Giezendanner kann der "Rennzirkus" für eine ganze Region zum interessanten Geschäft werden. Abklärungen im europäischen Ausland hätten ergeben, dass eine moderne Rennstrecke einer Region 1400 bis 2500 Arbeitsplätze bringt. Die Wertschöpfung einer Formel-1-Rennstrecke könnte pro Jahr von 40 bis 70 Mio. Franken reichen.

Da der Rundkurs nur einmal im Jahr für Formel-1-Rennen genutzt werde, könnten in den anderen Zeiten die Kurse von Auto- und Nutzfahrzeugherstellern für Testzwecke gemietet werden. Die Formel 1 könnte der nationalen Automobilindustrie Impulse verleihen und als Werbeträger für den Tourismus dienen.

Interlaken winkt ab

Der Vorschlag scheint verlockend. Viele Formel-1-Fans sind jetzt schon begeistert. "Es ist Zeit für einen Wechsel", war in einer Sportzeitschrift zu Lesen. Doch der Weg zu einer Formel-1-Strecke ist lang und steinig. Es braucht Geld, Platz und vor allem eine Bevölkerung, die mit einem solchen Projekt einverstanden ist.

In Interlaken gäbe es Platz für einen Parcours auf einem ehemaligen Militärflugplatz. Doch die zuständigen Behörden im Berner Oberland haben bereits dankend abgewinkt. 100 Tage pro Jahr, und vor allem am Wochenende, wäre ein solcher Autorennkurs in Betrieb.

Im Raum Interlaken befürchtet man viel Lärm und Gestank. Denn Autosportfreunde sind nicht gerade als besonders engagierte Umweltschützer bekannt. Den Beteuerungen von Initiant Giezendanner, dass die Zuschauer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen, will niemand so recht glauben.

In anderen Lokalitäten verhält es sich kaum anders. Der Zürcher SP-Nationalrat Andreas Gross appelliert daher an die Vernunft: "Für jede Aktivität braucht es einen geeigneten Platz: Eine Formel-1-Veranstaltung in Interlaken wäre wie eine Hochseeregatta mit Alinghi auf dem Brienzer-See."

Nach Meinung von Gross gibt es in der dicht besiedelten Schweiz heute praktisch keinen Spielraum zum Bau eines entsprechenden Kurses. Denn überall würden Anwohner mit Sicherheit Einspruch erheben.

Unsicherer Ausgang

Doch vom Bau kann noch gar keine Rede sein. Zuerst muss die parlamentarische Hürde genommen werden. Die Initiative Giezendanner ist zwar von 60 Parlamentariern unterzeichnet worden. Doch alles deutet darauf hin, dass sich wenige weitere Abgeordnete für den Vorschlag erwärmen werden.

Die beiden Kammern müssten eigentlich nur einen Artikel aus dem Strassenverkehrsgesetz streichen. Um ein konkretes Projekt müssten sich Private kümmern. Das Votum im Parlament wäre sozusagen nur ein Zeichen des guten Willens gegenüber einer Sportart, welche die Öffentlichkeit spaltet.

Für Autosportexperten Cimarosti ist die Verwirklichung einer Formel-1-Rings für die Schweiz – realistisch betrachtet - in weiter Ferne. "Europa mit seinen Werbeeinschränkungen, insbesondere im Tabakbereich, bietet heute keine optimalen Voraussetzungen mehr. Schwellenländer wie Brasilien oder China hätten eher die Nase vorn."

Auch könne die Anzahl der Formel-1-Rennen nicht ständig erhöht werden. Cimarosti: "Die Auto-Rennställe verbringen heute schon etliche Monate mit Umziehen."

swissinfo, Daniele Papacella
(Übertragung aus dem Italienischen: Gerhard Lob)

Fakten

Es ist bis heute unklar, ob ein geschlossener Ring für Autorennen ausserhalb des öffentlichen Strassennetzes gebaut werden darf.
Um Klarheit zu schaffen und Formel-1-Rennen grundsätzlich wieder zuzulassen, reichte SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner eine parlamentarische Initiative ein, die von rund 60 Parlamentariern unterzeichnet wurde.

Infobox Ende

In Kürze

Seit den 50er-Jahren sind Autorennen in der Schweiz verboten.

Das nach einem verheerenden Rennunfall in Frankreich revidierte Strassenverkehrsgesetz anerkennt Ausnahmen, insofern die Sicherheit gewährleistet ist.

Gleichwohl hat es seither keine Rundstrecken-Rennen mehr gegeben.

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