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Fox and the City

Auf Augenhöhe mit dem Stadtfuchs. Zoologisches Museum der Universität Zürich

Der Fuchs wohnt nicht mehr auf dem Land, sondern hat die Stadt als Lebensraum erobert: Der urbane Fuchs isst lieber Pizza und Poulet als Mäuse und Beeren.

Dieser Inhalt wurde am 29. Dezember 2004 - 16:00 publiziert

Eine Ausstellung in Zürich stösst auf grosses Publikums-Interesse und will Konflikte zwischen Mensch und Fuchs vermindern.

"Schau, ist der süss", ruft ein Mädchen ihrer Freundin zu und deutet auf einen ausgestopften Fuchs, der putzig aus einem grossen Styroporblock hervorguckt. Und schon läuft sie weiter zur Hörstation, wo Fuchs-Geschichten aus den Kopfhörern kommen. "Ich habe schon einen Fuchs in echt gesehen", sagt ein Sechsjähriger in Begleitung seines Vaters stolz zum Berichterstatter.

In der Ausstellung des Zoologischen Museums der Universität Zürich stehen die jungen Besucherinnen und Besucher auf Augenhöhe mit Meister Reinecke. Die Sonderausstellung "Stadtfüchse" entführt das Publikum in den Dschungel der Grossstadt.

Forschungs-Objekt Fuchs

"Seit Anfang der 90er-Jahre ist der Stadtfuchs ein Thema, die Population in Zürich wird heute auf rund 1000 ausgewachsene Tiere geschätzt", sagt Daniel Hegglin im Gespräch mit swissinfo. Hegglin ist Wildbiologe bei der Arbeitsgemeinschaft SWILD in Zürich und hat zusammen mit seiner Kollegin Sandra Gloor die wissenschaftliche Leitung der Ausstellung inne.

"Füchse haben die Stadt als neuen Lebensraum erobert, sie kennen den Wald gar nicht mehr." Und zwar nicht nur in Zürich, sondern in den meisten Schweizer Städten und in ganz Europa.

Die Wissenschafter haben in den letzten Jahren seinen neuen Lebensraum in der Stadt Zürich unter die Lupe genommen: Die Wege des City-Fuchses haben sie mit Radio-Telemetrie nachgezeichnet, ihn mit Foto-Fallen abgelichtet, seinen Kot unter dem Mikroskop angeschaut und seine Brunftschreie auf Tonband gebannt.

Grosses Interesse

Die Ergebnisse dieser interdisziplinären Forschung werden im Museum betont kinderfreundlich und spielerisch präsentiert. "Die Ausstellung kommt sehr gut an, sehr viele Familien kommen", sagt eine Aufsichtsperson. Sie schätzt die Anzahl Besuchende auf 300 bis 400 täglich.

Durch die ganze Ausstellung ziehen sich die gemalten Fassaden einer Stadt, in der sich der Stadtfuchs immer wieder zeigt. Zum Beispiel im grossen Styroporblock, der ausgehöhlt als isolierende Schlafstätte dient (ein Originalstück, das die Forscher in einem Abfallberg fanden) oder an der Bushaltestelle, wo am Tag die Menschen warten.

Bitte nicht füttern

Die augenfälligsten Spuren, die der Zuzüger mit dem lateinischen Namen "Vulpes vulpes" den menschlichen Stadtbewohnern hinterlässt, sind zerfetzte Abfallsäcke auf der Strasse. Im Abfall des Menschen finden die Rotfüchse Schlemmereien, die den Speiseplan der Artgenossen auf dem Lande karg erscheinen lassen.

Im Museum werden die Menus verglichen: Poulet, Pommes, Pizza, Brot und Braten für den Stadtfuchs, viele Beeren, zwei Mäuse und ein Apfel für den Landfuchs.

"Wir sehen oft Füchse. Füttern würde ich sie aber nicht", sagt eine Mutter, die von der so genannten Goldküste - dem rechten Zürichseeufer - an die Ausstellung gekommen ist.

Füchse zu füttern ist auch keine gute Idee, wie Hegglin erklärt, auch wenn es weit verbreitet sei. "Über Jahrhunderte wurde der Fuchs gejagt. Die Tiere sind sehr scheu und verstecken sich."

Gefütterte Füchse hingegen würden zahm und verlören die Furcht vor dem Menschen, blieben aber Wildtiere und damit unberechenbar. "Irgendwann spazieren sie in die Wohnung rein und wollen sich ein Meerschweinchen holen. In solchen Situationen kann es zu Beiss-Unfällen kommen."

Und diese nützen dem Tier nicht: Zahme, so genannte "Beissfüchse", werden in Zürich vom Wildhüter erschossen.

Vorprogrammierte Konflikte

Das sind nicht die einzigen Probleme, die der Stadtfuchs mit sich bringt: Umgegrabene Gärten, verschleppte Schuhe oder – gerade in den Wintermonaten – ihr lautes Bellen führen zu Unmut bei vielen Personen.

Viele Menschen haben auch Angst vor dem Fuchsbandwurm. Diese Krankheit, die für den Fuchs selber kein Problem darstellt, kann beim Menschen zu schweren Leberschäden oder unbehandelt gar zum Tod führen. "Jedes Jahr kommt es in der Schweiz zu sechs bis 12 Neu-Erkrankungen", erklärt der Biologe.

Dabei sei eine flächendeckende Bekämpfung des Fuchsbandwurms durch die Entwurmung der Fuchs-Population jedoch kaum praktikabel, weil dies sehr aufwändig und teuer sei. Er betont aber, dass das Risiko einer Erkrankung durch das Waschen roher Früchte und Gemüse und das Entwurmen von Haustieren minimiert werden könne.

Im Gegensatz dazu ist Tollwut kein Grund zur Besorgnis mehr: Die Schweiz gilt seit einigen Jahren als tollwutfrei.

Stadt als Natur

"Es ist eine Illusion zu meinen, man könne den Fuchs aus der Stadt vertreiben", sagt Hegglin. Deshalb will die Ausstellung informieren. "Die Botschaft ist: Füchse sind okay, wir müssen aber wissen, wie wir die Beziehung konfliktarm halten können."

Der Stadtfuchs fasziniert darüber hinaus, wie der Jugendliche Tobias Baltis nach dem Besuch sagt: "Ich habe nicht gewusst, dass es so viele Stadtfüchse gibt. Ich werde von nun an darauf achten und freue mich, den Ersten zu sehen."

swissinfo, Philippe Kropf, Zürich

Fakten

Vor rund 15 Jahren entdeckte der Fuchs die Stadt als neuen Lebensraum.
Dies gilt für alle Schweizer Städte, aber auch für ganz Europa.
In der Stadt Zürich gibt es rund 1000 ausgewachsene Füchse.

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In Kürze

Seit der Fuchs vermehrt in der Stadt lebt, kommt es auch zu Konflikten mit den Menschen.

Aufgerissene Abfallsäcke sorgen für Unmut, und viele Menschen fürchten die Erkrankung mit dem Fuchsbandwurm.

Eine Ausstellung im Zoologischen Museum der Universität will zeigen, wie mit Meister Reinecke konfliktarm gelebt werden kann. Denn aus der Stadt vertreiben kann man die Füchse nicht, sind sich Experten einig.

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