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(neu: Bilanzzahlen 2010 der Deutschen Börse)
FRANKFURT/NEW YORK (awp international) - Frankfurt und New York schmieden die grösste Börse der Welt. Am Dienstag beschlossen die Kontrollgremien die Fusion von Deutscher Börse und NYSE Euronext . Bis zum Jahresende soll das Geschäft unter Dach und Fach sein. Wie die neue Mega-Börse heissen soll, ist noch unklar.
In einer gemeinsamen Pressekonferenz in Frankfurt bemühten sich die Chefs von Deutscher Börse und NYSE Euronext, Reto Francioni und Duncan Niederauer, Sorgen zu zerstreuen, einer der Finanzplätze könnte unter die Räder kommen. "Es ist ein Zusammenschluss und keine Übernahme", betonte Niederauer.
Die Fusion stärke beide Partner im Wettbewerb mit alternativen Handelsplattformen, erleichtere die Erschliessung des asiatischen Marktes und spare Kosten. "Wir gehen davon aus, dass wir bis zum dritten Jahr 300 Millionen Euro Kosten einsparen und 100 Millionen Euro Erlössynergien erzielen werden", rechnete Niederauer vor. Francioni sagte: "Asien ist einer der zentralen Märkte für uns, den wir gemeinsam viel besser angehen können."
'KEINER WIRD DEN ANDEREN DOMINIEREN'
Die Aktionäre der nach Börsenwert gewichtigeren Frankfurter Börse werden wie erwartet 60 Prozent am neuen gemeinsamen Unternehmen halten, das seinen rechtlichen Sitz in den Niederlanden findet. Die Zentralen sollen in Frankfurt und New York bleiben. Die deutsche Seite bekommt 10 der 17 Posten im Verwaltungsrat. Dafür stellen die New Yorker mit Niederauer den ersten Konzernchef. Deutsche-Börse-Chef Francioni wird Vorsitzender des Verwaltungsrats.
"Keiner wird den anderen dominieren: Europa nicht die USA, die USA nicht Europa", stellte der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Börse, Manfred Gentz, klar. Francioni sprach von einer "Win-win- Situation für beide Unternehmen", die also für beide Vorteile hat. Niederauer nannte den Zusammenschluss einen "historischen Schritt": "Diese Fusion bringt uns in die führende Position bei der Innovation der Branche."
DEUTSCHE BÖRSE MIT JAHRESZAHLEN 2010
Die Partner bringen gehörigen Wert mit: Die Deutsche Börse verdiente im vergangenen Jahr - bereinigt um Nettoabschreibungen in Höhe von 223,5 Millionen Euro in Zusammenhang der 2007 zugekauften US-Aktienoptionsbörse ISE - 721,5 Millionen Dollar, wie sie am Abend nach der Konferenz mitteilte. Die NYSE Euronext kam auf 548 Millionen Dollar Überschuss (405,9 Mio Euro). Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) stieg im Jahresvergleich um 5 Prozent auf 1,091 Milliarden Euro. Die Umsatzerlöse stiegen um 2 Prozent auf 2,106 Milliarden Euro, während die Gesamtkosten, bereinigt um die ISE-Wertminderung und Kosten für Effizienzprogramme, auf 1,147 Milliarden Euro sanken. Damit unterboten die Frankfurter erneut ihre Kostenprognose, die zuletzt bei 1,150 Milliarden Euro gelegen hatte.
Bedeutsamer als das Zahlenwerk des abgelaufenen Jahres sind laut Analyst Manfred Jaisfeld von der National-Bank in Essen aber die laufenden Fusionsverhandlungen der Deutschen Börse mit der NYSE Euronext. Die beiden Börsenbetreiber hatten am Mittwoch vergangener Woche überraschend über "fortgeschrittene Fusionsgespräche" informiert und dabei die wichtigsten Eckpunkte festgelegt. Arbeitstitel für die Dachgesellschaft ist "The Premier Global Exchange Group". In den nächsten Monaten will das Management einen Namen finden. "Das ist eine emotionale Frage", sagte Niederauer. "Es wird auf jeden Fall nicht "Big Börse" sein." Vor allem US-Politiker pochen auf eine Betonung New Yorks als Symbol des amerikanischen Kapitalismus.
Bereits 2008 hatte die beiden Börsenbetreiber einen Anlauf zu einer Fusion genommen, waren aber gescheitert. Im Frühjahr 2009 hatte es erneut Berichte über angeblich weit fortgeschrittene Gespräche gegeben. Der zunehmende Wettbewerb zwingt die Konzerne nun zum Bündeln ihrer Kräfte. Erst in der vergangenen Woche hatten die Börsen in London und Toronto ihren Zusammenschluss angekündigt.
AKTIONÄRE UND AUFSICHTSBEHÖRDEN MÜSSEN NOCH ZUSTIMMEN
Aktionäre und Aufsichtsbehörden müssen der Fusion noch zustimmen. Die hessische Börsenaufsicht kündigte eine genaue Prüfung an. "Ich werde mich im weiteren Fusionsprozess jenseits der rein aufsichtsrechtlichen Prüfung für die Interessen des Finanzplatzes Frankfurt einsetzen", liess Hessens Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP) mitteilen. Analyst Constantin Rohrbach von der NordLB sagte: "Entscheidend wird die Frage sein, ob die Kartellbehörden zustimmen werden. Im Grunde dürften sie den Zusammenschluss der Optionsbörsen nicht genehmigen."
Lutz Raettig, Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt und Vorsitzender des Frankfurter Börsenrates, mahnte, die Deutsche Börse müsse ihre "Vernetzung und effizienten Schnittstellen am Finanzplatz Frankfurt" behalten. Dies müsse "glaubhaft in der neuen Unternehmenssatzung verankert" werden.
Möglich ist, dass eine konkurrierende Börse ein Gegenangebot vorlegt und die Börsenfusion Frankfurt-New York torpediert. Am Montag und Dienstag hatten Gerüchte über eine Offerte der Chicago Mercantile Exchange (CME) die Runde gemacht. Allerdings signalisierte die CME, dass sie eher auf Wachstum aus eigener Kraft setzt./ck/ben/das/he
- Von Claudia Kahlmeier, dpa-AFX, Jörn Bender und Daniel Schnettler, dpa -

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