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Freisinn von eigener Basis desavouiert

Nicht immer halten sich die Stimmenden an die Vorgaben jener Partei, mit der sie sympathisieren. (Bild: Imagepoint)

Die Freisinnig-Demokratische Partei (FDP) ist bei der Abstimmung über das Familienzulagengesetz vom 26. November von ihrer Basis im Stich gelassen worden.

Gemäss einer Vox-Analyse gab es beim zweiten Abstimmungsthema, dem Osthilfegesetz, einen tiefen Graben zwischen der Schweizerischen Volkspartei (SVP) und den anderen bürgerlichen Parteien.

67% der Sympathisanten der Freisinnig-Demokratischen Partei (FDP) stimmten laut Vox-Analyse am 26. November 2006 Ja für die Familienzulagen - und stellten sich damit gegen die Nein-Parole ihrer Partei.

Demgegenüber folgte die Anhängerschaft der Sozialdemokratischen Partei (SP) fast geschlossen der Ja-Parole ihrer Partei, heisst es in der veröffentlichten Vox- Analyse der letzten Eidgenössischen Volksabstimmung.

Bei der Christlichdemokratischen Volkspartei (CVP) und der Schweizerischen Volkspartei (SVP) gab es bei den Familienzulagen eine erhebliche Zahl von Abweichlern: 29% der CVP-Anhänger stimmten Nein, 42% der SVP-Sympatisanten Ja. Sie stellten sich damit gegen die Parolen ihrer Parteien.

Bei dem Urnengang waren das Osthilfegesetz mit über 53% und das Familienzulagengesetz mit 68% Ja angenommen worden.

Wunsch nach einheitlichem System

Die Vorlage wurde von allen Gesellschaftsschichten angenommen. Allerdings waren Personen mit tieferer Schulbindung skeptischer als Gutausgebildete, und Ledige waren positiver eingestellt als Verheiratete.

Bei den Befürwortern stand der Wunsch nach einem einheitlichen System der Familienzulagen im Vordergrund. Die Gegner argwöhnten, dass die Falschen von den Zahlungen profitieren würden - gut situierte oder ausländische Familien.

Wie beim Familienzulagengesetz spielte auch beim Entscheid über das Osthilfegesetz (mit der umstrittenen "Kohäsionsmilliarde") der Rechts-Links-Gegensatz eine starke Rolle.

Euro-Graben wächst wieder

Die Parteien-Anhänger folgten weitgehend den Parolen ihrer Parteien. Der Graben zwischen der euro-skeptischen SVP und den anderen bürgerlichen Parteien werde tiefer, urteilt die Vox-Studie.

Die massive Pro-Kampagne der Wirtschaft sei "nicht ohne Wirkung geblieben". Je später jemand seinen Entscheid fasste, desto eher fiel er zu Gunsten einer Annahme der Vorlage aus.

Allgemein betrachteten die Befragten das Osthilfegesetz als die weniger wichtige Vorlage.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Seit 1977 werden in der Schweiz in den zwei bis drei Wochen nach jeder Volksabstimmung die so genannten Vox-Umfragen mit einer repräsentativen Stichprobe von zirka 1000 stimmberechtigten Personen durchgeführt (700 Personen bis 1987).

Die Vox-Umfragen werden finanziell von verschiedenen öffentlichen und privaten Institutionen getragen und von einem privaten Forschungsinstitut (gfs.bern) und drei politikwissenschaftlichen Universitätsinstituten (Bern, Genf, Zürich) in Partnerschaft durchgeführt.

Für die jüngste Vox-Analyse wurden 1013 Stimmberechtigte während den zwei Wochen nach der Abstimmung befragt.

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