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Freude an der Sprache Bern ist überall… und der Horizont ist weit



Das Musiker- und Autorenkollektiv "Bern ist überall" will den "Röstigraben" durchrütteln.

Das Musiker- und Autorenkollektiv "Bern ist überall" will den "Röstigraben" durchrütteln.

(bernistueberall.ch)

Eine Autoren- und Musikergruppe sieht sich als Spiegelbild einer multikulturellen Schweiz. Ein- bis zweimal pro Monat tritt sie auf verschiedenen Schweizer Bühnen auf. Ihr Trumpf? "Sprachliches Können, das die Vielfalt belebt".

Bern ist überall. In diesen drei Wörtern stecken keine expansionistischen Absichten. Hinter dieser ungewöhnlichen Bezeichnung verbirgt sich eine Gruppe von fünfzehn Schweizer Autoren, Autorinnen, Musikern und Musikerinnen (Deutschschweizer, Westschweizer und ein Rätoromane), die beschlossen hat, den "Röstigraben" zu überwinden und Sprachgrenzen leichtfüssig zu überschreiten.

"Bern ist überall"

Die Gruppe entstand 2003 in Luzern und zählt 15 Mitglieder: Schriftsteller, Schriftstellerinnen, Theater- und Drehbuchautoren und –autorinnen, Musiker und Musikerinnen.

Drei Mitglieder sind französischsprachig: Laurence Boissier, Noëlle Revaz und Antoine Jaccoud. Sieben sind deutschsprachig: Ariane von Graffenried, Stefanie Grob, Pedro Lenz, Gerhart Meister, Michael Stauffer, Guy Krneta und Beat Sterchi. Ein rätoromanischer Schriftsteller: Arno Camenisch. Drei Musiker und eine Musikerin: Christian Brantschen, Margrit Rieben, Michael Pfeuti und Adi Blum.

Die Gruppe tritt unregelmässig auf, ein bis zweimal im Monat in verschiedenen Regionen der Schweiz. Jeder Auftritt ist vom Inhalt her einmalig.

Die 15 Mitglieder sind nicht immer alle auf der Bühne. Die Konstellation variiert von einem Auftritt zum andern. Die häufigste Formation ist jene mit drei Autoren und einem Musiker.

Jeder Autor liest seinen eigenen Text. Gewisse Texte werden zusammen mit der Musik auf einer CD veröffentlicht.

Kommende Vorstellungen: 8. Januar 2016 in Renens (Waadt), 29. Januar in Baar (Zug), 4. Februar in Bolligen (Bern).

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Seit rund zehn Jahren tritt die Gruppe nun schon auf verschiedenen Schweizer Bühnen mit "Lese-Performances" auf. Darunter versteht man Auftritte, an denen die Autoren ihre Texte lesen und von Livemusik begleitet werden. Ein Gespräch mit dem Mitglied Antoine Jaccoud, Theater- und Drehbuchautor aus der Waadt, soll uns die Gruppe näher bringen.

swissinfo.ch: Bern ist überall. Woher stammt diese surrealistische Bezeichnung?

Antoine Jaccoud: Am Anfang stand die Begegnung zwischen einigen Berner Autoren und Musikern. Sie entschieden sich, gemeinsam das "Spoken Word" zu pflegen, eine Gattung der darstellenden Kunst, wo ein Text vor Publikum vorgetragen und musikalisch begleitet wird.

Seit der Gründung 2003 hat sich "Bern ist überall" diesem Genre verschrieben, das Wurzeln im traditionellen deutschen Kabarett hat. Die Gruppe fügte den Auftritten eine lokale Note hinzu, indem die Darbietungen durch verschiedene Schweizer Dialekte angereichert werden, darunter Surselvisch, gesprochen von Arno Camenisch [rätoromanischer Schriftsteller, der alle vier Landessprachen beherrscht].

Mit der Zeit benutzten wir in unseren Vorstellungen Fremdsprachen, die einige von uns beherrschen. Pedro Lenz zum Beispiel, der grosse Berner Autor, spricht Spanisch. Und Laurence Boissier, Genfer Performance-Künstlerin und Autorin, spricht Walisisch. Wie Sie sehen, ist "Bern überall"!

swissinfo.ch: Sie mögen den weiten Horizont, das ist es, oder?

A.J.: Sagen wir so: Für uns ist keine Sprache wichtiger als die andere. Wir wollen jede Hierarchisierung vermeiden, denn sobald man anfängt, Hierarchien zu errichten, stellt sich unweigerlich die Identitätsfrage. Und gerade diese Frage steht nicht im Zentrum unseres Anliegens.

swissinfo.ch: Sie sagen, dass Sie die kulturelle Durchmischung in der Schweiz fördern möchten. Die meisten der Vorstellungen fanden jedoch in der Deutschschweiz statt. Es gibt weniger Präsenz in der Romandie und gar keine im Tessin. Wie erklären Sie sich das?

A.J.: Das Tessin ist in der Tat unser Schwachpunkt. Doch man muss auch anerkennen, dass die Gruppe, in der sich Seelenverwandte gefunden haben, Französischsprachige und den Rätoromanen Arno Camenisch aufgenommen hat, aber leider niemanden aus der italienischsprachigen Schweiz. Abgesehen davon verfügen viele unter uns über Sprachkompetenzen, welche die Vielfalt beleben.

Es ist richtig, dass unsere Auftritte in der Romandie eher rar waren – aus ästhetischen und ökonomischen Gründen. Dem Publikum in der Westschweiz waren die "Spoken Word"-Darbietungen nicht so bekannt, die Nachfrage war folglich eher schwach und die Programmgestalter zögerlich. Bei unseren Auftritten auf den Westschweizer Bühnen beschränken wir uns normalerweise auf drei bis vier Personen, denn in einer grösseren Formation kosten wir mehr, das ist klar.

swissinfo.ch: Am vergangenen 3. Dezember spielten sie im Théâtre de Vidy-Lausanne, und zwar mit 13 Leuten auf der Bühne. War das eine Ausnahme für die Westschweiz?

A.J.: Ja. Das Theater Vidy hat die Mittel und sein Direktor Vincent Baudriller den Mut, etwas Neues anzupacken. Dazu muss man sagen, dass wir bis dahin noch nie auf einer so wichtigen, etablierten Schweizer Bühne aufgetreten sind.

swissinfo.ch: Als Schriftsteller seid Ihr untereinander doch sehr unterschiedlich. Wie stimmt Ihr Eure Texte aufeinander ab?

A.J.: Jeder von uns hat seine Themen, das ist richtig, alle werden respektiert. Damit will ich sagen, dass es in der kollektiven Arbeit keine Verwässerung der behandelten Themen gibt.

Jedem seine Eigenheit: Pedro Lenz mit seinen Figuren aus dem Volk; Guy Krneta, auch er ein Berner Autor, mit seiner Vision des Zusammenlebens in der Schweiz; ich mit meinem Katastrophenblick auf die Gefahren, die unsere Gesellschaften bedrohen, usw. Kurz, wir bleiben hybrid, auch hier.

swissinfo.ch: Und welche Rolle spielt die Musik?

A.J.: Sie gibt dem Text den Drive und die Würze. Ich selber habe in der Gruppe gelernt, mit dem Ohr zu schreiben, das heisst, ich lasse meinem Begleitmusiker Raum für die Töne. Wir müssen uns zusammenfinden.

swissinfo.ch: Die Gruppe tritt nächstens in Renens (Kanton Waadt) anlässlich einer CD-Taufe auf. Was heisst das nun genau?

A.J.: Vor zwei Jahren habe ich der Gruppe eine "Operation Suisse Romande" vorgeschlagen. Das Ziel war, eine CD in einer Gemeinde der Romandie aufzunehmen, die den Deutschschweizern der Gruppe nicht bekannt ist.

Dabei fiel die Wahl auf Renens. Wir haben in Privatunterkünften gewohnt. Die Gemeinde wurde so zum "narrativen Material" der CD, welche die Eindrücke der Mitglieder der Gruppe über das Gesehene und Erlebte wiedergibt.

Ein Teil dieser Eindrücke wurde vor Ort aufgenommen, in einem Studio des Freizeitzentrums in der Waadtländer Agglomeration. Die CD wird nächstens erscheinen. Am 8. Januar wird sie auf der Bühne mit einer Live-Band (noch einmal) aufgeführt. Dies wird unsere ganz eigene Plattentaufe sein!


(Übertragen aus dem Französischen von Christine Fuhrer)

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