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Freude bei der UEFA, beunruhigte Stadionbetreiber

Die Betreiber des Stade de Suisse in Bern erwarten die Euro 2008 mit gemischten Gefühlen.

(Keystone)

Die in der Schweiz und Österreich stattfindende Euro 2008 dürfte für den europäischen Fussballverband UEFA zum bisher lukrativsten Turnier werden.

Während sich der Verband auf einen Gewinn von rund 1 Mrd. Franken freut, wären die Stadionbetreiber schon froh, wenn sie keine roten Zahlen schreiben müssten.

Die Fussball-Europameisterschaft in der Schweiz und in Österreich soll für den europäischen Fussballverband UEFA zum lukrativsten Turnier aller Zeiten werden. Der Veranstalter erwartet 45% mehr Einnahmen als 2004 in Portugal.

2,08 Mrd. Franken soll das Turnier vom Juni 2008 in die Kassen der UEFA spülen. 1992 in Schweden musste sich die UEFA mit 68 Mio. Franken bescheiden, seither gehts steil bergauf. Hauptgrund sind die stark steigenden Einnahmen durch die TV-Übertragungen.

Die Hälfte der Einnahmen - etwa eine Milliarde Franken - verwendet die UEFA zur Begleichung der Turnierkosten (etwa Stadionmieten, Sicherheits- und Marketingausgaben, Zahlungen an die acht Austragungsstädte, Personalkosten). In diesem Betrag sind auch die Prämien an die teilnehmenden Mannschaften enthalten.

Damit bleibt immer noch eine Milliarde als operativer Gewinn. Damit will die UEFA Entwicklungsprojekte in sämtlichen 53 Mitgliedsverbänden finanzieren - vom Stadionbau über die Juniorenförderung bis zum Frauenfussball.

Kein Goldesel für die Stadionbetreiber

Die EURO 2008 ist also für die UEFA ein Goldesel. Die Stadionbetreiber sind jedoch schon froh, wenn sie keine Verluste schreiben.

Stefan Niedermaier, Geschäftsleiter des Berner Stade de Suisse, freut sich auf die EURO: "Ich wünsche mir ein friedliches Fussballfest, das unser Stadion in aller Welt bekannt macht."

Millionen TV-Zuschauer sollen Zeuge werden, wenn auf dem legendären Wankdorf-Grund wieder Fussballgeschichte geschrieben wird.

Niedermaier ist stolz, dass das drittgrösste Sport-Event der Welt auch in "seinem" Stadion stattfindet. Die Sicherheitsfragen bereiten ihm keine schlaflosen Nächte. Und doch hat er einen Alptraum: "Dass wir mit der EURO am Schluss Geld verlieren."

Die Befürchtung ist berechtigt, denn die UEFA EURO 2008 SA als Veranstalterin ist eine anspruchsvolle Mieterin. Zwar zahlt sie nebst einer Stadionmiete auch eine Entschädigung für Sicherheitsaufwendungen und - wenn man mit dem Vermieter zufrieden ist - einen "leistungsabhängigen Bonus".

So wurde es in den Verträgen geregelt, die 2004 mit den Stadionbetreibern abgeschlossen wurden. Doch die Details wurden erst danach ausgehandelt. "Die Forderungen trafen tröpfchenweise ein", klagte jüngst der Präsident der Genfer Stadionstiftung, Jean-Pierre Carera.

Viele Wünsche

Und die Wunschliste wurde immer länger. Mit dem Resultat, dass die Anforderungen in den Bereichen Sicherheit, VIP und Medien weit höher sind als etwa bei den WM-Qualifikationsspielen der Schweiz gegen Frankreich und die Türkei.

Ein Beispiel: Das Stade de Suisse verfügt über 128 Medienplätze, erweiterbar auf 256. Für die EURO werden aber 500 Medienplätze verlangt, wobei alle bisherigen Plätze zu eng sind und deshalb weg müssen. Allein diese Aktion verschlingt etwa 130'000 Franken.

Schwarze Null als Ziel

Alles in allem verursacht die Wunschliste der EURO-Organisatoren Kosten in Millionenhöhe. Wer letztlich wie viel zahlt, ist offen - die Verhandlungen laufen. Basler und Berner dürften froh sein, wenn sie im Juni eine "schwarze Null" schreiben.

"Die EURO ist für uns sicher nicht lukrativ", beteuert Monika Huser, Kommunikationsmitarbeiterin von Basel United. Wie ihre Kollegen in Bern hofft sie, dass sich die EURO wenigstens imagemässig auszahlt.

Steuergelder für die Umrüstung

Anders ist die Lage in Zürich und Genf, wo Steuergelder im Spiel sind. Die Zürcher Zuständigen äussern sich nicht über ihren Vertrag mit der UEFA, weisen aber darauf hin, dass das Volk 2005 nicht nur 110 Mio Franken für den Neubau des Letzigrunds sprach, sondern auch 11,3 Mio. für die Umrüstung im Hinblick auf die EURO.

Genervt ob der ständigen Kostensteigerungen sind unterdessen die Genfer Politiker. Stiftungspräsident Carera musste auf Druck der Regierung zurücktreten, nachdem die Umbauarbeiten mit Blick auf die EURO von 3,6 auf 14,6 Mio. Franken angewachsen waren.

swissinfo und Christian Zingg, sda

Euro 2008

Die Schweiz und Österreich sind als Koorganisatoren des Fussball-Ereignisses vom 7. bis zum 29. Juni 2008 automatisch qualifiziert.

Die 31 Spiele werden in 4 Schweizer Städten ausgetragen (Basel, Bern, Genf, Zürich) und in 4 österreichischen (Innsbruck, Klagenfurt, Salzburg und Wien). Das Finalspiel findet am 29. Juni in Wien statt. Die Schweiz spielt ihre Qualifikationsmatches in Basel.

Die Kosten für die Schweiz werden auf 182,1 Mio. Franken geschätzt. Der Beitrag des Bundes beläuft sich auf 82,78 Mio. Franken.

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