Führungswechsel bei der Rentenanstalt

Rolf Dörig (links im Bild) ersetzt Roland Chlapowski (rechts) als CEO der Rentenanstalt. swissinfo.ch

Roland Chlapowski muss seinen Platz an der Spitze der Rentenanstalt dem Credit-Suisse-Manager Dörig überlassen.

Dieser Inhalt wurde am 06. November 2002 - 11:55 publiziert

Diese Massnahme soll dazu beitragen, das Vertrauen in den angeschlagenen Versicherungs- und Finanz-Konzern wieder aufzubauen.

Chlapowskis Nachfolger, der 45-jährige Rolf Dörig, war bisher Chef für das Schweizer Firmenkunden- und Retail-Geschäft der Credit Suisse Financial Services. Die Ablösung Chlapowskis wurde am Dienstagabend an einer ausserordentlichen Sitzung in Zürich beschlossen.

"Der Verwaltungsrat ist sich bewusst, dass durch die Fehlbuchungen, aber auch durch die Debatte um die LTS AG (Long Term Strategy) Vertrauen zerstört worden ist", wird Verwaltungsratspräsident Andres F. Leuenberger im Communiqué zitiert.

Vertrauenskrise

Es sei entscheidend, dass das Vertrauen der Kundinnen und Kunden, der Kapitalgeber, aber auch der Behörden und der Öffentlichkeit in die Rentenanstalt/Swiss Life rasch wieder gestärkt werden könne.

Der Verwaltungsrat sei überzeugt, dass Rolf Dörig als neuer Konzernchef beste Voraussetzungen verfüge, diese Ziele zu erreichen.

Dörigs Nachfolger bei der Credit Suisse Financial Services wird der 49-jährige Josef Meier, wie die Bank ebenfalls am Mittwochmorgen bekannt gab.

Negativschlagzeilen

Die Rentenanstalt, der grösste Schweizer Lebensversicherer und die Nummer 8 in Europa, hat im laufenden Jahr immer wieder für negative Schlagzeilen gesorgt. Im ersten Halbjahr musste der Konzern einen Verlust von 578 Mio. Franken hinnehmen. Die Börsenbaisse nagte massiv am Eigenkapital, das auf 3,9 Mrd. Franken (per Ende Juni) einbrach.

Für rote Köpfe sorgten auch zwei Rechnungsfehler, welche die Rentenanstalt innerhalb eines Monats einräumen musste. Der Halbjahresverlust 2002 war um 192 Mio. Franken zu gering ausgewiesen worden.

Auch der Halbjahresabschluss des Vorjahres musste massiv nach unten korrigiert werden. Statt des ausgewiesenen Gewinns von 253 Mio. Franken hatte der neue Finanzchef Bruno Pfister nachträglich einen Verlust von 1 Mio. Franken bekannt geben.

Rückbesinnung

Um aus der Krise zu kommen, wurde die Strategie umgekrempelt. Die Rentenanstalt kehrt zurück zu ihren Wurzeln und konzentriert sich auf das Lebensversicherungsgeschäft in ausgewählten Märkten.

Mehrere Töchter sollen verkauft werden. Damit wendet sie sich vom Allfinanzgeschäft ab. Um zu sparen, sollen 1500 Stellen gestrichen werden.

Einen Rückschlag erlebte der Konzern allerdings im Oktober, als Paris die Übernahme des französischen Versicherungsgeschäfts von Fortis durch die Rentenanstalt blockierte.

Diskussion um Mindestzinssatz

Unter Beschuss war der grösste Schweizer Lebensversicherer in der Diskussion um den Mindestzinssatz der Beruflichen Vorsorge geraten. Der Bundesrat hatte den BVG-Zinssatz von 4 auf 3,25% gesenkt. Gewerkschaften hatten dem Versicherer dabei "Rentenklau" vorgeworfen.

Die Rentenanstalt wies die Vorwürfe zurück: Sie habe von 1985 bis 2001 mehr als 95% der Erträge im Kollektivgeschäft an die Kunden ausgeschüttet. Die Rentenanstalt habe keine Milliarden versteckt, hatte Konzernleitungs-Präsident Chlapowski im August versichert.

Der "Fall LTS"

Vor dem Hintergrund von sinkenden BVG-Renditen und hohen Konzernverlusten lösten die privaten Millionen-Gewinne von sechs Rentenanstalt-Managern über die Beteiligungsgesellschaft LTS eine Welle der Kritik aus.

Kleinaktionäre forderten Personalwechsel. Bundesrat Pascal Couchepin geisselte die Raffgier in Schweizer Konzernetagen und bezeichnete die Lage bei der Rentenanstalt als traurig. Politiker in Bern sprachen von Vertrauensverlust und bezeichneten die Vorgänge als hart an der Grenze zur Korruption.

Neben Chlapowski hatten auch Ex-Finanzchef Dominique Morax, Ex-Konzernchef Manfred Zobl sowie die Konzernleitungsmitglieder Hannes Meyer, Markus Weisskopf und Hans-Rudolf Strickler private Gelder in die LTS investiert.

Licht in die umstrittenen Vorgänge soll eine Untersuchung des Bundesamtes für Privatversicherung (BPV) bringen. Erste Ergebnisse werden in den nächsten Tagen erwartet.

Rentenanstalt nach Chefwechsel im Aufwind

Die Aktien der Rentenanstalt reagierten am Mittwoch mit einem Kurssprung auf den Rücktritt von Konzernschef Roland Chlapowski und notierten knapp 7,6 Prozent höher. Bereits am Vortag hatte der Wert kräftig zugelegt.

Händler sagten, es müsse sich nun zeigen, ob der Wechsel in der Chefetage genüge, um das Vertrauen von Kunden und Investoren wieder herzustellen. Möglicherweise hätten noch mehr Leute ihren Sessel räumen müssen, sagten Händler. "Es braucht einen reinen Tisch", so ein Händler.

swissinfo und Agenturen

Fakten

Der 51-jährige Belgier Roland Chlapowski war nur acht Monate CEO der Rentenanstalt.
Der neue Rentenanstalt-Chef, der 45-jährige Rolf Dörig, war 17 Jahre lang bei der Credit Suisse.
Die Aktien der Rentenanstalt haben in diesem Jahr 79% an Wert verloren.
Chlapowski hat den Abbau von 1500 Stellen, das sind 13% der Belegschaft, beschlossen.

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