Für einen Misserfolg sieht Ludovic Magnin keinen Grund

Ludovic Magnin im Bundesligaspiel VFB Stuttgart gegen Karlsruherr SC am 23.02.2008. Keystone

Ludovic Magnin ist kein Ballkünstler, der den Gegner auf einem Taschentuch austricksen kann. Trotzdem hat der Schweizer Fussballprofi einen Transferwert von rund 3,5 Millionen Euro. Was ihn besonders stark macht, sind sein eiserner Wille und die unerschöpfliche Energie.

Dieser Inhalt wurde am 05. März 2008 - 12:22 publiziert

Wenn seine Mannschaft in Rückstand liegt, dann kann Ludovic Magnin das Blatt noch wenden. Mit wie viel Herz und Seele er jeweils bei der Sache ist, das lässt er manchmal nicht nur den Gegner spüren, sondern auch den Schiedsrichter.

swissinfo: Mit Ihren Wutausbrüchen auf dem Spielfeld werden Sie von den Unparteiischen immer wieder verwarnt. Können Sie Ihr Temperament nicht besser zügeln?

Ludovic Magnin: Es stimmt, dass ich wegen meines Mundwerks mehr gelbe Karten bekomme als wegen der Fouls, die ich begehe. Auf dem Platz bin ich extravertiert und mache den Mund auf. Wenn ich das nicht tun könnte, wäre meine Leistung nicht die gleiche.

swissinfo: Fast immer bleibt es bei der Verwarnung. Vom Platz gestellt, werden Sie fast nie. Erkennen Sie die Toleranzgrenzen der Schiedsrichter?

L.M.: Wenn ich mit dem Schiedsrichter schimpfe und meine Wut ausdrücke, benütze ich Worte, die man sagen darf. In Deutschland habe ich noch keine rote Karte gesehen. In der Schweiz musste ich zweimal vom Platz gehen, wegen eines sogenannten Notbremse-Fouls.

swissinfo: Auf dem Trainingsplatz zeigen Sie auch Ihre heitere Seite. Da hört man Sie auch lachen und Sprüche klopfen. Sie scheinen viel Spass zu haben in Ihrem Beruf?

L.M.: Als ich verletzt war, stundenlang Intervall-Übungen machen musste, nur noch auf dem Fahrrad sitzen statt Fussball spielen konnte, hatte ich keinen Spass. Und heute Morgen, beim Konditionstest, da hat auch keiner gelacht. Spass habe ich, wenn ich spiele und gewinne. Ohne Spass erreicht man nichts im Fussball.

swissinfo: Wenn Ihre Mannschaft in Rückstand gerät, dann lassen Sie den Kopf nicht hängen. Im Gegenteil, dann drehen Sie erst recht auf. Woher nehmen Sie diese Motivation?

L.M.: Wenn man die Chance hat, auf diesem Niveau zu spielen, vor so vielen Zuschauern sein Land zu repräsentieren, ist das für mich Motivation genug. Ich bin stolz, dass die Leute sagen, ich könne eine ganze Mannschaft mitreissen. Das habe ich meinem Talent, aber auch meinem Willen zu verdanken. Vieles läuft im Fussball über den Kopf. Wenn man im Kopf nicht bodenständig ist, dann klappt es auch mit den Füssen nicht.

swissinfo: Woran liegt es denn, dass Sie trotz vieler Erfolge immer Bodenhaftung haben? Werden Sie als Fussballprofi auch mental geschult?

L.M. : Ich bin kein Fan von Sportpsychologie und solchen Sachen. Ich hatte nicht von Beginn an Erfolg, sondern musste hart dafür kämpfen, Schritt für Schritt. Die Kunst im Fussball ist es auch, nach gehabten Erfolgen abschalten zu können und sich für ein neues Ziel zu motivieren.

swissinfo: Erfolgsverwöhnte Spieler für immer neue Ziele zu motivieren, das gehört zum Kerngeschäft des Trainers. Ist es auch eine Stärke des Schweizer Nationalcoachs?

L.M.: An seinen Erfolgen gemessen, ist Köbi Kuhn der beste Nationalcoach aller Zeiten. Er hat viele Qualitäten. Als ich 2000 in die Nationalmannschaft kam, herrschte eine ganz andere Stimmung als heute. Kuhn hat es geschafft, eine Superstimmung aufzubauen. Aber auch in der schlechten Phase, als wir einige Freundschaftsspiele verloren, blieb er ruhig und schenkte uns das Vertrauen – das ist eine Kunst.

swissinfo: Was beherrscht Köbi Kuhn nicht so gut?

L.M.: Vor ein paar Jahren hätte ich gesagt, Französisch zu sprechen, aber das hat er jetzt auch gelernt.

swissinfo: Nicht nur Köbi Kuhn, auch Sie haben in Ihrer Karriere schon einige Träume wahr werden lassen. Ihr jüngster Traum handelt vom Europameister-Titel. Träumen Sie nur davon oder glauben Sie auch daran?

L.M.: Natürlich glaube ich daran. In entscheidenden Situationen haben wir in letzter Zeit gegen keine grosse Fussballnation verloren. Wir haben ausgezeichnete Spieler und ich sehe keinen Grund, weshalb wir keinen Erfolg haben sollen. Wenn das Volk hinter uns steht, treten wir mit 12-13 Spielern an, und dann wird es schwierig sein, uns zu schlagen.

swissinfo-Interview: Peter Siegenthaler, Stuttgart

Ludovic Magnin privat

Jahrgang 1979, 1m 85 gross, 76 kg schwer.

Aufgewachsen in Echallens im Kanton Waadt, in einer "Fussball verrückten Familie". Der Vater spielte in einem 1. Liga-Verein und die Mutter im Frauenteam des Dorfes.

Ludovic Magnin hat die Ausbildung zum Grundschullehrer mit einem Diplom abgeschlossen.

Er ist mit Chantale verheiratet und hat zwei Söhne, Nicos (geb. 2002), und Thierry (geb. 2006).

Die Familie Magnin wohnt seit mehr als zwei Jahren am Stadtrand von Stuttgart.

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Ludovic Magnin beruflich

1998 bis 2000 beim FC Yverdon Sport.

2000 bis 2001 beim FC Lugano.

2002 bis 2006 bei Werder Bremen: 2004 Deutscher Meister und Pokalsieger.

Seit 2006 beim VfB Stuttgart: 2007 Deutscher Meister
Transferwert 3,5 Mio Euro.

Seit 2000 Stammspieler der Schweizer Nationalmannschaft. An der EM 2006 erzielte er beim 1:1 gegen Frankreich den Ausgleichstreffer.

Spitzname "Magnator".

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