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Für Wirtschaftsmann Gerber schliesst sich der Kreis

Jean-Daniel Gerber steht seit 30 Jahren im Dienste der Eidgenossenschaft.

(Keystone Archive)

Ab dem 1. April ist Jean-Daniel Gerber neuer Leiter des Staatssekretariats für Wirtschaft (seco).

Sowohl die Wirtschaft wie auch Gewerkschaften und Parteien reagierten erfreut auf den Transfer des BFF-Chefs. Er hat jedoch nichts zu tun mit der Wahl des Populisten Christoph Blocher zum Bundesrat.

Der 57-jährige Direktor des Bundesamtes für Flüchtlinge (BFF) wird damit zum Nachfolger von seco-Chef David Syz. Auf die öffentliche Ausschreibung der Stelle waren 22 Bewerbungen eingegangen.

Ausschlaggebend für die Wahl Gerbers waren laut Wirtschaftsminister Joseph Deiss dessen Kompetenz in Wirtschaftsfragen, seine internationale Erfahrung und seine Vertrautheit mit Politik und Verwaltung.

Gleich reorganisieren

Hauptaufgabe des neuen Staatssekretärs werde es sein, die internationale Wirtschaftsaussenpolitik der Schweiz mitzugestalten, sagte Deiss. Er erwarte von Gerber, dass er das 1999 von Bundesrat Pascal Couchepin geschaffene Mammut-Amt mit elf Direktionen reorganisiere.

Das seco besteht seither aus den Direktionen für Aussenwirtschaft, Binnenwirtschaft, Arbeit und Wirtschaftspolitik. Es soll zum kundenorientierten Partner der Wirtschaft ausgebaut werden und eine konstruktive Zusammenarbeit mit den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) und den Sozialpartnern pflegen, so Deiss.

Gerber sieht es als seine Hauptaufgabe an, die Rahmenbedingungen für ein qualitatives Wirtschaftswachstum mitzugestalten, die bilateralen Verhandlungen mit der EU weiterzuführen und der Wirtschaft den Zugang zu den ausländischen Märkten zu sichern. Er werde sich auch für die Integration der Schwellenländer in die Weltwirtschaft einsetzen, sagte er vor den Medien.

International geschulter Wirtschaftsmann

Der zweisprachig aufgewachsene Gerber studierte Volkswirtschaft an der Universität Bern. In seiner 30-jährigen Laufbahn im Dienste der Eidgenossenschaft war er schweizerischer Vertreter bei der Welthandelsorganisation (WTO) und Chef des Dienstes für Entwicklungsländer im seco.

Danach leitete er den Wirtschafts- und Finanzdienst in der schweizerischen Botschaft in Washington. 1993 bis 1997 wirkte er als erster Schweizer Exekutivdirektor in der Weltbankgruppe, wo er die Interessen der Schweiz, Polens und der zentralasiatischen Republiken der früheren Sowjetunion vertrat.

Seit November 1997 ist Gerber Direktor des Bundesamtes für Flüchtlinge (BFF) im Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement (EJPD). Der neue Staatssekretär ist verheiratet und Vater zweier Kinder. Sein Vorgänger Syz kehrt nach vier Jahren im seco in die Privatwirtschaft zurück.

Kein Zusammenhang mit Wahl Blochers

Gerber will in der verbleibenden Amtszeit als BFF-Direktor den neuen Chef des EJPD, Bundesrat Christoph Blocher, in die hängigen Dossiers einführen. Den Entscheid, auf das Staatssekretariat für Wirtschaft zu aspirieren, habe er vor der Bundesratswahl vom 10. Dezember 2003 gefällt, betonte Gerber.

Er verlasse das BFF nach sechs Jahren mit einer gewissen Nostalgie. Die schwierigen Probleme im humanitären Bereich seien nur in Zusammenarbeit mit einem Team zu lösen. Das BFF brauche eine weitsichtige Führung mit einer "integrativen Persönlichkeit" an deren Spitze.

Wirtschaft und Gewerkschaften erfreut

Vertreter aus der Wirtschaft und die Gewerkschaften begrüssen die Nominierung Gerbers an die seco-Spitze.

"Gerber verfügt über die nötigen Qualifikationen, um dieses wichtige Amt richtig zu führen", sagte Rudolf Ramsauer, Direktor des Wirtschaftsdachverbandes economiesuisse, gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

Die Wirtschaftskreise könnten auf die breite Erfahrung Gerbers in der Aussenwirtschaftspolitik und als Verhandlungsleiter zählen.

Ähnlich positiv tönt es bei den Gewerkschaften: "Das ist eine gute und logische Wahl", sagte Serge Gaillard, geschäftsführender Sekretär des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB). Dank seiner Berufserfahrung kenne Gerber die beiden Arbeitsfelder Aussenhandelspolitik und Arbeitsmarktpolitik bestens.

Parteien zufrieden

Auch die Parteien sind mit der Wahl zufrieden: "Gerber ist mit seinen politischen Anschauungen nicht weit von der freisinnigen Linie entfernt», sagte FDP-Pressesprecher Christian Weber. Zudem habe Gerber bewiesen, dass er ein solches Amt führen könne.

Laut der Christlichdemokratischen Volkspartei (CVP) hat Gerber alle erforderlichen Qualitäten für den neuen Posten. Er habe das Vertrauen von Wirtschaftskreisen und habe bewiesen, dass er ein Bundesamt führen könne, sagte CVP-Pressesprecherin Beatrice Wertli.

Die Sozialdemokratische Partei (SP) begrüsse die Wahl von Gerber, sagte ihr Pressesprecher Jean-Philippe Jeannerat: "Wir erwarten von Gerber, dass er eine aktivere Wirtschaftspolitik betreibt. Priorität muss dabei der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit und für volle Beschäftigung haben."

Für die Grünen ist der Wechsel "eine interessante Ausgangslage". Sie hoffen, dass Gerber sein Wissen als BFF-Direktor einbringe, sagte Hubert Zurkinden, Generalsekretär der Grünen.

Die Schweizerische Volkspartei (SVP) nehme keine Stellung zur Bestimmung von Bundesamtschefs, sagte ihr Pressesprecher Yves Bichsel. Dazu sei der Vorsteher des betroffenen Departements, respektive der Bundesrat, zuständig.

swissinfo und Agenturen

Fakten

Die wichtigsten Leistungsbereiche des seco:
Direktion für Arbeit
Standortförderung
Entwicklungszusammen-arbeit
Welthandel
Integrationsbüro
Querschnittsbereiche: Wirtschaftspolitische Grundlagen, Länderpolitik und Fachbereiche

Infobox Ende

In Kürze

Jean-Daniel Gerber heisst der neue Direktor des Staatssekretariats für Wirtschaft (seco). Zur Zeit leitet Gerber das Bundesamt für Flüchtlinge (BFF).

Der Entscheid, für diesen Posten zu aspirieren, sei schon vor den Bundesratswahlen gefallen. Sein Transfer habe daher nichts mit der Wahl Christoph Blochers zum Vorsteher des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements (EJPD) zu tun.

Das seco beschreibt sich selber als "Kompetenzzentrum des Bundes für alle Kernfragen der Wirtschaftspolitik." Ziel des seco sei es, "ordnungs- und wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen zu schaffen, damit sich die Wirtschaft zum Wohle aller entwickelt".

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