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Fumetto in Luzern

Special guest am Fumetto 2002 ist der US-amerikanische Journalist und Comics-Künstler Joe Sacco, bekannt für seine Palästina-Reportagen.

(www.fumetto.ch)

Vom 13. - 21. April geht in Luzern das 11. Comix-Festival Fumetto über die Bühne. Eine Gelegenheit, sich mit dem Fumetto in der Schweiz auseinanderzusetzen.

Die Schweiz, vor allem der deutschsprachige Teil, ist kein besonders fruchtbarer Boden für Comics der gehobenen Art, von kommerziellen Erzeugnissen einmal abgesehen. Vor allem im Vergleich mit Frankreich, wo der Comic als Kunstform anerkannt ist. Oder mit Italien, wo Kultfiguren wie Lorenzo Mattotti oder Andrea Pazienza herkommen.

Und doch hat auch die Schweiz einem Liebhaberpublikum etwas zu bieten sowie all Jenen mit einem künstlerischen Hintergrund, die sich für Comics interessieren. Dies beweist das Luzerner Fumetto-Festival, das dem einheimischen Comics-Schaffen und bekannten Exponenten der internationalen Szene seit 11 Jahren Raum bietet.

Zwischen Ehrengästen und jungen Hoffnungsträgern

Stargast dieses Jahr ist der US-amerikanische Zeichner Charles Burns, ein Meister des nüchternen, dunklen Strichs. Eine Retrospektive seines Werks ist gegenwärtig im Hotel Löwengraben in Luzern zu bewundern. Während der Künstler selbst, gemäss Festival-Tradition, einen Kurs an der Kunsthochschule leitet. "Einen Kurs, der bei vielen Comic-Profis auf Interesse stösst", betont Sabine Witkowski vom Organisationsteam.

Zum ersten Mal in seiner Geschichte gibt es bei Fumetto 2002 auch einen "Special Guest", und zwar Joe Sacco, der mit seinen Comics-Reportagen aus Palästina (1992-1996) und Bosnien ("Safe Area Goradze", 2000) dem Medium neue Impulse gab. "Eine Gelegenheit zu beweisen, dass der Comic nicht bloss dazu dient, das Zwerchfell anzuregen", bemerkt Sabine Witkowski. Und ein Festival-Augenblick, wo man sich unwillkürlich direkt mit der internationalen Aktualität konfrontiert sieht.

Neben der internationalen Szene will Fumetto auch jungen Schweizer Talenten die Möglichkeit bieten, ihr Werk zu zeigen. Dieses Jahr ist das Zürcher Frauen-Trio Mickry dran, begleitet von FLX, GRRR und Marc Divo.

"Es handelt sich hier um ganz junge Künstler aus dem Squatter-Umfeld", erzählt Sabine, "Die jungen Frauen sind 22 bis 23 Jahre alt. Für uns ist es immer ein besonderes Gefühl, mit wenig bekannten Kunstschaffenden zusammenzuarbeiten, ohne recht zu wissen, was dabei heraus kommt.". Im vorliegenden Fall hat sich eine Installation ergeben mit einem Titel, der zum ganzen Programm wird: "Hello Shitty World!" (zu sehen im Kunstpanorama)

Andere Schweizer in Luzern sind der Lausanner Philippe Becquelin, alias Mix & Remix, Karikaturist bei L'Hebdo, und die Zeichner Thomas Ott, Andy Kamber und Andreas Gefe. (Nähere Einzelheiten sind aus dem im Internet publizierten Festival-Programm ersichtlich)

Die Schweiz als Comics-Land ?

Das Luzerner Fumetto-Festival (neben dem Schweizer Comic-Event in Sierre) verschafft somit einen Überblick über das helvetische Comics-Panorama, ein im Ausland recht wenig bekanntes Panorama, das sich zudem mit nicht immer leichten Bedingungen herumschlagen muss. Ferner sind da zahlreiche regionale Unterschiede, oft entlang der Sprachgrenze zwischen Deutschschweiz und Romandie, aber nicht immer.

"In der Schweiz ist es schwierig, wenn nicht sogar unmöglich, von Comics zu leben", meint Sabine Witkowski. Es gibt gewisse Ausnahmen. Einigen Künstlern ist es gelungen, sich auf dem französischen Markt zu etablieren. Aber im allgemeinen ist die Situation in dieser Hinsicht nicht rosig.

Dazu kommt, so Witkowski, dass die Schweiz keine Ausbildung als Comics-Zeichner kennt. "Viele Zeichner sind Autodidakten. So auch ein bekannter Künstler wie Enrico Marini". Eine Tatsache, die es noch schwieriger macht, mit den Zeichnern, die aus der grossen französischen Tradition stammen, zu konkurrieren.

Jedoch hat der Comic in der Romandie eine eigene, anerkannte Position, gerade durch den Einfluss Frankreichs. Ein Beispiel: Die Lausanner Stadtbibliothek - dieses Jahr Gast am Fumetto-Festival - hat in den vergangenen 30 Jahren eine Comics-Sammlung mit 25'000 öffentlich zugänglichen und 80'000 archivierten Werken angelegt. Das ist weltweit die zweitgrösste solche Kollektion nach der Sammlung im französischen Angoûleme.

Demgegenüber fehlt der Deutschschweiz das "Hinterland" einer solchen Comics-Tradition. Ein Mangel, der jedoch nicht unbedingt negative Auswirkungen auf die Arbeit der Zeichner zu haben braucht. "Die frankophonen Künstler sind traditionalistischer", unterstreicht Sabine Witkowski. "Ich sage dies nicht im Sinn eines Werturteils. Es geht einfach darum, dass sie sich mit der Tradition auseinandersetzen müssen. Die Deutschschweizer Comics-Künstler sind sehr viel radikaler."

Und langsam aber sicher nehmen auch die Printmedien vom Deutschschweizer Comic Notiz, bemerkt Sabine weiter. Ein Publikum, das weniger aus eingefleischten Comics-Konsumenten als aus Kunstfreunden besteht - wie beim Fumetto.

Andrea Tognina

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