G-8-Gipfel: Fluch oder Segen für die Schweiz?

Ein Polizist kontrolliert am 23. Mai 2003 Sicherheits-Abschrankungen In Lausanne Keystone

Die Schweiz nimmt erstmals offiziell an einem G-8-Gipfel teil. Eine gute Gelegenheit für diplomatische Kontakte.

Dieser Inhalt wurde am 28. Mai 2003 - 16:08 publiziert

Der Gipfel verpflichtet die Schweiz aber auch zu massiven, teuren Sicherheits-Massnahmen, die ihre Kapazität weit überschreiten.

Mit der Wahl Evians als Tagungsort will Frankreich jedes Sicherheits-Risiko vermeiden. Denn auf der einen Seite ist der Kurort durch Berge, auf der anderen Seite durch den See geschützt.

Gleichzeitig liegt Evian nahe an der Schweizer Grenze und unweit von Genf. So liegt es auf der Hand, dass der westliche Nachbar die Schweiz bei der Organisation des Gipfels einbezogen hat. Tatsächlich müssen Tausende von Personen untergebracht und transportiert werden.

"Es lässt sich nicht abstreiten, dass die Schweiz eine grosse Bürde zu tragen hat, weil sie für die Sicherheit des Treffens zuständig ist", sagt Daniel Warner, stellvertretende Direktor des Instituts für Internationale Studien in Genf gegenüber swissinfo.

Schweiz darf erstmals dabei sein

"Aber es ergeben sich zweifellos auch Vorteile für die Schweiz, weil sie ins Zentrum des Geschehens rückt", betont Warner.

So wurde Bundespräsident Pascal Couchepin zusammen mit 12 anderen Staatschefs zu einer erweiterten Gesprächsrunde am ersten Tag des dreitägigen Gipfels geladen.

Die Gruppe der acht besteht aus den USA, Kanada, Frankreich, Deutschland, Grossbritannien, Italien, Japan und Russland.

Viele Globalisierungsgegner erwartet

Ursprünglich war jedoch nicht vorgesehen, dass die allfällige Protest-Kundgebungen auf Schweizer Boden stattfinden sollten. Doch die Bundesbehörden hatten die Rechnung ohne die Westschweizer Globalisierungs-Gegner gemacht.

Natürlich lassen sich diese die Gelegenheit nicht entgehen, vor Ort gegen die Globalisierung zu protestieren. Erwartet werden am Wochenende Zehntausende, wenn nicht Hunderttausende Demonstranten.

Die Behörden haben entsprechende Massnahmen getroffen: 18'000 Ordnungshüter werden auf der französischen Seite für Ruhe sorgen, auf Schweizer Seite werden es rund 10'000 Polizisten und Armee-Angehörige sein.

Beide Seite haben zudem Anti-Terror-Massnahmen eingeleitet. Dazu gehören einsatzbereite Kampfflugzeuge zum Abschuss nicht-autorisierter Flugzeuge im gesperrten Luftraum über dem Genfersee.

Deutsche Hilfe

Des weiteren werden die Schweizer Behörden durch 1'000 deutsche Polizisten verstärkt, die in erster Linie den Genfer Flughafen Cointrin sichern sollen. Die meisten der erwarteten Staatsoberhäupter werden dort ankommen und dann per Helikopter weiter nach Evian transportiert.

Laut Jean-Christophe Sauterel, Sprecher der Waadtländer Kantonspolizei, ist die Schweiz gerüstet für allfällige gewalttätige Ausschreitungen.

"Es ist sehr wichtig für das Image der Schweiz, dass alles gut läuft. Und deshalb unternehmen wir jede Anstrengung für einen reibungslosen Ablauf", so Sauterel.

Auf die Barrikaden

Trotz dieser Bemühungen herrscht in der Genfersee-Region grosse Unsicherheit. Viele Genfer befürchten ähnliche Ausschreitungen wie am G-8-Gipfel in Genua vor zwei Jahren.

Viele Unternehmen, Geschäfte, Ämter, Poststellen und Schulen bleiben während des Gipfels geschlossen. Einzelne Geschäfte wollen sich zusätzlich verbarrikadieren.

Zudem haben die Genfer Behörden beschlossen, die "internationale Zone" mit dem UNO-Gebäude und der Welthandels-Organisation WTO abzuriegeln.

Inzwischen wurden auch verschiedene Grenzübergänge zwischen Frankreich und der Schweiz geschlossen. Nur noch autorisierte Personen können sich an diesen Orten frei bewegen.

Wichtige Gelegenheit für die Schweiz

Laut Livio Zanolari, Sprecher des Aussenministeriums, wurden die diplomatischen Beziehungen zwischen Frankreich und der Schweiz in den letzten Monaten durch die intensive Zusammenarbeit gestärkt.

"Frankreich ist für uns ein sehr wichtiger Partner und Nachbar, auch weil es in der internationalen Politik eine wichtige Rolle spielt", betont Zanolari gegenüber swissinfo.

Er glaubt auch daran, dass sich daraus für die Schweiz eine einzigartige Gelegenheit ergibt für diplomatische Kontakte mit den G-8-Teilnehmern und anderen Staatshäuptern.

Schweiz lädt auch ein

So beherbergt die Schweiz während des Gipfels zahlreiche Staatschefs aus Entwicklungsländern. Dazu gehören auch afrikanische Länder, die NEPAD-Mitglieder sind, also zur Initiative "New Partnership for Africa's Development" gehören.

Die NEPAD-Mitglieder nehmen an einer erweiterten Gesprächsrunde im Rahmen des G-8-Gipfels am Sonntag teil.

Regierungsvertreter aus Algerien, Brasilien, China, Ägypten, Indien, Malaysia, Mexiko, Marokko, Nigeria, Saudi Arabien, Senegal und Südafrika nehmen zudem am Sonntag an einem offiziellen Staatsdiner in Lausanne teil. Dabei sollen auch bilaterale Gespräche stattfinden. Gastgeber ist Bundespräsident Psacal Couchepin.

"Wir werden Staatshäupter auf Schweizer Boden haben, Bundespräsident Couchepin wird diese treffen", so Zanolari. "Auch andere Mitglieder der Schweizer Regierung werden dabei sein und sich mit ihren ausländischen Kollegen treffen. Der G-8-Gipfel stellt also für die Schweiz eine einzigartige Gelegenheit dar."

swissinfo, Frédéric Burnand und Anna Nelson

(Übertragung von Elvira Wiegers)

Fakten

Die erste Veranstaltung dieser Art fand 1975 als kleine exklusive Gesprächsrunde im französischen Rambouillet statt.
Die Gruppe der acht besteht aus USA, Kanada, Italien, Frankreich, Deutschland, Grossbritannien, Japan und Russland.
Die erste grosse Demonstration gegen einen G-8-Gipfel fand 1998 in England statt, wo 80'000 Personen demonstrierten.
Gastgeber Frankreich hat zudem folgende afrikanische Länder eingeladen: Ägypten, Algerien, Nigeria, Senegal und Südafrika. Diese sind Mitglieder der "New Partnership for African Development" (NEPAD).
Dazu kommen Mexiko, China, Brasilien, Malaysia, Indien, Saudi-Arabien und die Schweiz.

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In Kürze

Die Schweiz nimmt erstmals an einem G-8-Gipfel teil.
Sie beherbergt während des Gipfels zahlreiche Regierungsvertreter aus Entwicklungsländern.
Diese werden am Wochenende an einem grossen Staatsdinner in Lausanne teilnehmen, zu dem Bundespräsident Pascal Couchepin geladen hat.
Zwischen 30'000 und 100'000 Globalisierungs-Gegner werden in Lausanne und Genf erwartet.

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