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Gaza - das vergessene Drama

Irsaelische Bomben fallen auch auf Gaza.

(Keystone)

Die humanitäre Hilfe der Schweiz trifft in den palästinensischen Gebieten auf immer grössere Probleme und auf wachsende Armut.

Seit der Eskalation des Konflikts in Libanon sind die palästinensischen Gebiete für die Medien zum Nebenschauplatz geworden. Doch die Lage dort hat sich in den vergangenen Wochen verschlechtert.

Die Palästinenser hätten das Gefühl, völlig verlassen zu sein, weil sich die Aufmerksamkeit von Politik, Medien und humanitären Organisationen auf Libanon konzentriere, sagt der Chef des Büros der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) vor Ort, Mario Carera, gegenüber der Nachrichtenagentur SDA.

Dabei hat sich die Situation laut Carera in den palästinensischen Gebieten alles andere als verbessert: "Am schlimmsten steht es um die Versorgung mit Nahrungsmitteln und die Sicherheitslage."

In Gaza seien 60% der Einwohnerinnen und Einwohner "katastrophal schlecht" mit Nahrungsmitteln versorgt, sagt der DEZA-Verantwortliche nach einem zweitägigen Aufenthalt in Gaza.

Für zusätzliche Verunsicherung sorge, dass die israelische Armee zu Mitteln der psychologischen Kriegsführung gegriffen habe: Sie ruft seit einiger Zeit laut Carera gewisse Palästinenser zuhause an, um ihnen anzukündigen, dass ihr Haus in Kürze bombardiert werde.

Schwerwiegende Zerstörungen

Die Menschen wüssten nicht, ob sie die Warnung ernst nehmen müssten oder diese nur Panik schüren solle. "Dies steigert die Spannung aufs Äusserste", sagt Carera.

"Die israelische Armee greift den Gaza-Streifen täglich mit rund 300 Geschossen aus der Luft oder von Kriegsschiffen aus an", erzählt Karin Wenger, Nahost-Korrespondentin von verschiedenen Schweizer Zeitungen, im Gespräch mit swissinfo.

"Zudem zerstören israelische Panzer und Planierraupen Häuser, Stromkabel, aber auch Landwirtschaftsland und Bewässerungsanlagen."

Die Armut hat sich laut Wenger seit Beginn der israelischen Invasion dramatisch verschärft. "Über 170 Menschen wurden getötet, darunter sind mehr als 50 Kinder. Das ist ein klarer Verstoss gegen das humanitäre Völkerrecht."

Geld und Strom fehlen

Laut Carera haben viele Menschen keinen Lohn mehr, die Mehrheit der Geschäfte seien geschlossen und die Strassen seien nahezu ausgestorben.

Seit Israel am 28. Juni das einzige Elektrizitätswerk in Gaza zerstört hat, habe die Hälfte der Bewohner keinen Strom mehr - ausser sie verfügten über einen Generator. Dies erschwere die Lebens- und Arbeitsbedingungen enorm. Ohne Strom funktionieren auch die Trinkwasser-Pumpen nicht.

Zugang und Verteilung erschwert

Neben diesen Schwierigkeiten für die Palästinenser sind die DEZA und ihre Partnerorganisationen auch mit logistischen Problemen konfrontiert. So hatte die DEZA Anfang Juni in einer mit dem palästinensischen Gesundheitsministerium koordinierten Nothilfe-Aktion Medikamente bestellt.

Doch ein Teil der Ware könne nicht nach Gaza gebracht werden und sei an der Grenze blockiert, sagt Carera. Teilweise fehle es auch an Nachschub.

Abbrechen oder verschieben mussten die Partnerorganisationen der DEZA zudem ihre Projekte für die Wiedererrichtung von Kinderkrippen, Sozialzentren und Landwirtschaftszonen. Zement und Eisen zum Bauen fehlen oder kosten das Drei- und Vierfache von früher.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Seit der Intifada im September 2000 und besonders seit 2002 hat sich die Situation in den palästinensischen Gebieten zusehends verschlechtert.

Fast 4000 Menschen sind den Auseinandersetzungen zum Opfer gefallen. (1000 Israeli und 3000 Palästienser).

50% der Bevölkerung leiden unter der Armut.

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Fakten

Fläche Gaza: 378 km2, Westbank: 5879 km2 (1/6 der Schweiz)

Bevölkerung: 3,6 Millionen.

Bruttosozialprodukt pro Einwohner: 1307 Dollars.

Arbeitslosigkeit 2002: 33,6%

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Schweizer Hilfe

Das Programm der DEZA umfasst die Entwicklungszusammenarbeit und die humanitäre Hilfe für die palästinensische Bevölkerung in den besetzten palästinensischen Gebieten.

Im Jahr 2005 hatte die DEZA für die palästinensischen Gebiete ein Budget von 17,2 Mio. Franken zur Verfügung.

Das Gesamtbudget der Schweiz belief sich auf 29,1 Mio. Franken.

Für 2006 hat die DEZA ein Budget von 21,6 Mio. Franken vorgesehen.

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