Gebrauch von Englisch bleibt Ansichtssache

Viele Schweizerinnen und Schweizer sprechen zwei oder mehr der vier Landessprachen. Keystone

Eine Studie, die Englisch als wichtigste Business-Sprache in der Schweiz anzweifelt, wirft Fragen auf.

Dieser Inhalt wurde am 25. Oktober 2005 - 15:35 publiziert

Das Ergebnis, Deutsch und Französisch würden häufiger angewendet als Englisch, kam für viele überraschend und widerspricht der weit verbreiteten Meinung, Englisch sei die Lingua Franca der Geschäftswelt.

Die Untersuchung der Fachhochschule Solothurn Nordwestschweiz erfolgt inmitten einer anhaltenden Debatte um die Einführung von Frühenglisch an Schweizer Schulen und den Bemühungen, den Gebrauch von Englisch in den Behörden einzuschränken.

Laut den Autoren der Studie ist Englisch in den Schweizer Unternehmen zweitrangig. Die meisten Firmen konzentrierten sich auf den Binnenhandel oder pflegten enge Beziehungen mit ihren französisch- und deutschsprachigen Nachbarn.

"Verzerrtes Bild"

Ein Artikel in der Dienstagausgabe des "Tages-Anzeigers" kritisiert nun die Untersuchung. Sie zeige ein "verzerrtes Bild" des Sprachengebrauchs in der Schweiz auf.

Gemäss dem "Tagi" machten die Autoren der Studie keinen Unterschied zwischen kleinen und mittleren Firmen. Nur gerade 11 der 2000 befragten Unternehmen weisen mehr als 500 Mitarbeitende auf, während 1063 Betriebe weniger als 20 Angestellte haben.

Aussenhandel

Rudolf Walser, Chefökonom des Wirtschaftsdachverbandes economiesuisse, zeigt sich überrascht, dass das Englische in der Geschäftswelt nicht auf Platz 1 stand.

"Das Ergebnis stimmt nicht mit dem überein, was wir in der Schweizer Wirtschaft wahrnehmen", sagt Walser gegenüber swissinfo.

"Rund 60% des Schweizer Aussenhandels läuft über kleine und mittlere Unternehmen, was ein guter Indikator für die Wichtigkeit von Englisch als Business-Sprache ist."

Die Bedeutung der englischen Sprache als Lingua Franca nehme zu, da die Schweiz den Handel mit anderen Teilen der Welt ausbaue.

Keine Überraschung

Sprachexperte Urs Dürmüller hingegen bezeichnet die Resultate der Studie als logisch und keineswegs als überraschend.

"Ausschlaggebend ist, auf welchem Sektor und mit welchen Menschen diese Unternehmen in Kontakt sind", sagt er gegenüber swissinfo.

"Für Firmen, die nicht ausgesprochen viel Kontakt mit englischsprechenden Personen pflegen, kann Englisch nicht die dominierende Sprache sein. Für sie ist Schweizerdeutsch, Hochdeutsch oder Französisch weit wichtiger", betont Dürmüller, Englisch-Dozent an der Universität Bern.

Landessprachen

Sowohl Dürmüller wie auch Walser vertreten die Meinung, dass Englisch gleichzeitig mit mindestens einer weiteren Landessprache erlernt werden sollte.

"In der vielsprachigen Schweizer Gesellschaft werden verschiedene Sprachen benutzt. Es muss garantiert sein, dass junge Leute diese Sprachen lernen", so Dürmüller.

"Sie müssen Hochdeutsch und Französisch lernen, müssen aber auch Englisch anwenden können."

Englisch keine Bedrohung

Die Ausbreitung der englischen Sprache in der Schweiz erachtet er nicht als Bedrohung. "Würden alle Schweizer Englisch sprechen, gäbe es vielleicht bessere Kontakte unter den Sprachgemeinschaften", erklärt Dürmüller.

"Betrachtet man die Sache etwas näher, wird klar, dass ein englischer Dialog zwischen einer französisch- und einer deutschsprachigen Person selten über banale Sätze hinausgeht, die in der Musik, in Filmen oder im Internet aufgelesen wurden."

"Ohne Englisch gibt es keinen Dialog zwischen den Schweizern, mit Englisch alleine würde der Dialog jedoch äusserst oberflächlich sein."

swissinfo

Fakten

Die vier Landessprachen der Schweiz:

Deutsch (63,7%), Französisch (20,4%), Italienisch (6,5%), Rhätoromanisch (0,5%).

Englisch wird von jüngeren, urbanen Generationen sowie als Business-Sprache verwendet.

Laut einer Studie wird Englisch als Business-Sprache aber weniger häufig gebraucht als bisher angenommen.

Englisch oder eine zweite Landessprache als erste Fremdsprache in der Schule: Eine politische Dauerdebatte in der Schweiz.

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