Gefährliches Liberia

Brutaler und unübersichtlicher Bürgerkrieg im afrikanischen Liberia. Keystone

Die im liberianischen Bürgerkrieg am Samstag verschleppten zwei Schweizer sind wieder frei.

Dieser Inhalt wurde am 09. Juni 2003 - 21:08 publiziert

Bei den Kämpfen um Monrovia war auch Honorarkonsul Jürg Landolt vorübergehend verschleppt worden. Französische Soldaten haben rund 500 Ausländer in Sicherheit gebracht.

Dies teilte das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) mit. Das EDA hatte allerdings noch keine Informationen über die Hintergründe.

Die Ehefrau Landolts befindet sich derzeit in der Schweiz und wurde über eine Kontaktperson in Monrovia über die Situation ihres Mannes informiert. Die Stadt sei wegen anhaltender Schiessereien unsicher. Nach Angaben von Frau Landolt befindet sich ihr Mann an einen Ort nördlich von Monrovia.

EDA: Hintergründe unklar

Ob die Gruppe entführt worden war, konnte Berset Kohen nicht bestätigen. Erste Priorität habe nun die Sicherheit.

Nach Angaben aus Landolts Bekanntenkreis verschleppten Rebellen den 39-jährigen Honorarkonsul, der zugleich Direktor der Brauerei Monrovia Breweries Inc. ist, zusammen mit dem 40-jährigen Schweizer Braumeister. Der Vorfall ereignete sich am Samstag Nachmitttag bei den Kämpfen um die Hauptstadt Monrovia.

Nach EDA-Angaben befanden sich zudem eine mit einem Schweizer verheiratete Liberianerin und ihre zwei Kinder sowie ein Brite unter der betroffenen Gruppe. Meldungen über eine entführte Österreicherin erwiesen sich nach Informationen der Behörden in Wien als falsch.

Aus dem britischen Aussenministerium verlautete, dass auch mit Vertretern der Rebellengruppe Vereinigte Liberianer für Versöhnung und Demokratie (LURD) Kontakte aufgenommen worden seien.

Tagelang versteckt

Um das strategisch wichtige Brauereigelände tobten seit Tagen heftige Kämpfe zwischen Rebellen der Bewegung LURD und den Regierungstruppen von Staatschef Charles Taylor.

Landolt versteckte sich seit Donnerstag auf dem Gelände vor den Rebellen. Am Freitag sei er von den Guerillas entdeckt und ausgeraubt worden, hiess es aus seinem Bekanntenkreis. Anschliessend habe er in ein anderes Versteck flüchten können.

IKRK evakuiert Mitarbeiter

Bis Montagnachmittag wurden mehrere hundert Europäer, Amerikaner und andere Ausländer mit französischen Helikoptern aus Monrovia ausgeflogen. Die Hauptstadt wurde weiter von Rebellen belagert.

Rund 120 Europäer, darunter knapp 10 Schweizer und UNO-Mitarbeiter, hatten sich vor den neuen Kämpfen in die EU-Vertretung geflüchtet.

Nach UNO-Angaben sind wegen der Kämpfe fast drei Viertel des Landes unzugänglich, so dass sich auch die Arbeit für Hilfsorganisationen verschlechtert. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) ist noch mit 8 der sonst 23 Mitarbeiter vor Ort, 15 IKRK-Mitarbeitende wurden bereits am Donnerstag evakuiert.

Rund 100'000 Menschen sind nach Schätzungen der UNO aus Auffanglagern im Westen von Monrovia geflohen. Die drei Millionen Einwohner Liberias erreiche praktisch keine internationale Hilfe mehr, sagte ein UNO-Sprecher.

Im westafrikanischen Liberia versuchen LURD-Rebellen seit vier Jahren, den gewählten Staatschef und ehemaligen Kriegsfürsten Charles Taylor zu stürzen. In den letzten Tagen sind zehntausende Einwohner der Hauptstadt Monrovia vor den Kämpfen geflüchtet. Die USA zogen die meisten Diplomaten aus dem Land ab.

swissinfo und Agenturen

Fakten

Die Rebellenbewegung LURD hatte am Sonntag Präsident Charles Taylor aufgefordert, innerhalb von 72 Stunden zurückzutreten. Am Montag standen die Rebellen nur noch 7 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt.

End of insertion

In Kürze

- Überwiegend Europäer und Amerikaner, rund 500 Menschen, sind am Montag aus Monrovia von französischen Soldaten mit Hubschraubern auf ein Transportschiff der Marine gebracht worden.
- Rund 60 Soldaten sicherten die Evakuierungsaktion.
- Der westafrikanische Staat Liberia zählt eine Bevölkerung von 3 Millionen. Momentan ist keine internationale Hilfe möglich.
- Auch die 29 UNO-Helfer verlassen das Land umgehend, sagte Fred Eckhard, der Sprecher von UN-Generalsekretär Kofi Annan.
- Taylor wird seit vergangener Woche mit internationalem Haftbefehl gesucht.

End of insertion

Fakten

Die Rebellenbewegung LURD hatte am Sonntag Präsident Charles Taylor aufgefordert, innerhalb von 72 Stunden zurückzutreten. Am Montag standen die Rebellen nur noch 7 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt.

End of insertion

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

Diesen Artikel teilen