Gegen unsinnige Transporte von Abfall

Ein Preis zur Strafe - der "rote Teufelsstein". Keystone

Die Alpen-Initiative hat die Verbrennungsanlage in Trimmis mit dem "Roten Teufelsstein" bedacht, dem Preis für besonders unsinnige Abfalltransporte.

Dieser Inhalt wurde am 14. November 2005 - 14:00 publiziert

Die Organisation wehrt sich gegen den Import von Abfällen in die Schweiz und fordert eine bessere Koordination bei der Abfallverbrennung.

Es gebe zu viele unsinnige Abfalltransporte in der Schweiz, erklärten Vertreter der Alpen-Initiative am Montag vor den Medien. Als Beispiel führten sie die von Süddeutschland in die Verbrennungsanlage (KVA) in Trimmis transportierten 10'000 Tonnen Kehricht an.

Umgekehrt schicke der Kanton Graubünden über 20'000 Tonnen Siedlungsabfälle in die Verbrennungsanlage nach Niederurnen im Glarnerland, erklärte Stefan Ograbek, Erstunterzeichner der Alpen-Initiative im Kanton Graubünden.

Weiteres Beispiel sei der Kanton Tessin, der mehr als 110'000 Tonnen Siedlungsabfälle pro Jahr in Zürcher und Thurgauer Verbrennungsanlagen exportiere.

Die Tessiner Abfälle machten ein bisschen mehr als 1% der Gesamtmenge aus, die in den Containern durch den Gotthard transportiert würden, so Ograbek weiter.

80'000 Abfall importiert

Der Import von Siedlungsabfällen nehme ein beängstigendes Ausmass an, erklärte Georges Darbellay, Westschweizer Koordinator der Alpen-Initiative.

Im vergangenen Jahr importierte die Schweiz 80'000 Tonnen solcher Abfälle, was einer Zunahme um 25% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die 200'000-Tonnen-Grenze werde wahrscheinlich noch in diesem Jahr überschritten.

Der Hauptgrund liege darin, dass in den Abfall-Verbrennungsanlagen in Deutschland eine Unterkapazität herrsche, die bis mindestens bis 2008/2009 anhalten werde. Aber auch eine Überkapazität und mangelnde Koordination in der Schweiz trügen zum Anstieg der Müllimporte bei.

Engere Zusammenarbeit

Um unsinnige Abfall-Transporte zu verhindern, braucht es laut Alpen-Initiative eine gesamtschweizerische Abfallpolitik und eine bessere Koordination zur Nutzung der Verbrennungs-Kapazitäten.

Es sei grundsätzlich unsinnig, Hausmüll über Hunderte von Kilometern zur Entsorgung zu karren, so Darbellay weiter. Die Zunahme des Verkehrs bedeute nämlich auch mehr Lärm und mehr Abgase.

Wenn dies aber unvermeidlich sei, müsse der Abfall wenigstens per Bahn transportiert werden. Zudem müssten in die wirtschaftlichen Berechnungen die Umweltkosten einbezogen werden.

Ein unbegehrter Preis

Im Kampf gegen unsinnige Abfalltransporte überreichte die Alpen-Initiative am Montag der KVA Trimmis den "Roten Teufelsstein" für besonders unsinnige Transporte.

Mitverantwortlich seien unter anderem aber auch der Abfallverband Oberengadin, der Abfallverband Surselva, der Zürcher Abfallverbrennungs-Verbund und das Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL). Der Teufelsstein wurde bereits zum vierten Mal vergeben.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Umweltschützer und Linke aus den Bergkantonen gründeten 1989 den Verein "Alpen-Initiative".

Sie lancierten die Volksinitiative "zum Schutz des Alpengebietes vor dem Transitverkehr", die 1994 angenommen wurde.

Für so genannte "Unsinns-Transporte" verlieh die Alpen-Initiative 2002 erstmals den "Roten Teufelsstein".

Preisträger waren Migros und Coop, die Schlagrahm bis 2000 km weit fahren lassen, um ihn in Dosen abzufüllen.

Wegen ihrer weltweiten Wasser-Vermarktung erhielt 2003 Nestlé Waters den Teufellsstein.

2005 geht der Preis an die KVA Trimmis und an verschiedene Mitverantwortliche, unter anderen das BUWAL.

End of insertion

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

Diesen Artikel teilen