Geiseldrama im Istanbuler Swissôtel unblutig beendet

Eine Mutter verlässt mit ihrem Kind das Swissôtel nach dem Ende der Geiselnahme. Keystone

Das Geiseldrama im Luxus-Hotel Swissôtel in Istanbul ist am Montag (23.04.) nach knapp zwölf Stunden friedlich zu Ende gegangen. Das Schweizer Aussenministerium bestätigte, dass alle rund 30 Geiseln - darunter mehrere Schweizerinnen und Schweizer - freigelassen wurden. Die 13 pro- tschetschenischen Geiselnehmer ergaben sich und wurden festgenommen.

Dieser Inhalt wurde am 23. April 2001 - 14:36 publiziert

Eine Geiselnahme in einem Istanbuler Luxushotel ist am Montag unblutig zu Ende gegangen. Die bewaffneten Geiselnehmer liessen die Menschen in ihrer Gewalt nach fast zwölf Stunden frei und ergaben sich der Polizei. Nach offiziellen Angaben wurden 13 Personen festgenommen, verletzt wurde niemand. Der türkische Innenminister Sadettin Tantan sagte, er habe nicht mit den Geiselnehmern verhandelt, sondern sie zum Aufgeben überredet.

Swissair-Crew unter den Geiseln

Unter den Geiseln befanden sich mehrere Schweizerinnen und Schweizer sowie neun Besatzungsmitglieder der Fluggesellschaft Swissair. Der Schweizer Generalkonsul Klaus Bucher sei vor Ort und spreche mit den Geiseln, sagte Ernst Steinmann vom Schweizer Konsulat in Istanbul. Steinmann sagte, die Geiseln seien gut behandelt worden. Einige Schweizer Geiseln hätten ihren Arbeitgeber anrufen dürfen.

Rund 60 Gäste und 40 Hotelangestellte konnten fliehen, zumeist über die Feuerleitern. Insgesamt hielten sich zum Zeitpunkt der Geiselnahme rund 600 Gäste in dem Hotel auf, von denen viele die Vorfälle nicht bemerkten. Ein Hotelgast erklärte, er habe die ganze Zeit geschlafen. Es war nicht klar, wie die Geiselnehmer die Metalldetektoren am Eingang passieren konnten, über die jedes Luxushotel in Istanbul verfügt.

Hotel am Sonntagabend gestürmt

Die Männer hatten das Swissotel am späten Sonntagabend mit automatischen Waffen gestürmt und mindestens 30 Menschen als Geiseln genommen. Der Gouverneur der Stadt, Erol Cakir, erklärte, die Geiselnehmer hätten politische Forderungen gestellt. Die Männer standen offenbar den tschetschenischen Rebellen nahe. In einer schriftlichen Stellungnahme forderten die Geiselnehmer das Ende der russischen Militäraktion in Tschetschenien. Sie hätten jedoch nicht die Absicht, Blut zu vergiessen, hiess es darin. Am Morgen durften zunächst drei Frauen und ein Kind das Hotel verlassen.

Geiselnehmer in der Türkei bekannt

Anführer der Geiselnehmer war offenbar Muhammed Tokcan. Der gebürtige Tschetschene mit türkischem Pass hatte 1996 eine Schwarzmeerfähre gekapert und mehr als 200 Geiseln genommen. Tokcan wurde später von der türkischen Polizei festgenommen. Er soll auf Grund eines Amnestiegesetzes wieder auf freiem Fuss sein. Der Sprecher des russischen Aussenministeriums, Alexander Jakowenko, verurteilte den `barbarischen Akt" und erklärte, unter den Geiseln seien auch drei russische Staatsbürger.

Der Kampf der Tschetschenen gegen die russische Armee findet in der Türkei grosse Zustimmung. Rund fünf Millionen Türken sollen ihre Wurzeln in der Kaukasusregion haben, zu der auch Tschetschenien gehört. Rund 25.000 Tschetschenen leben in Istanbul und dem Westen der Türkei. Im März hatten Tschetschenen ein russisches Flugzeug mit mehr als hundert Geiseln nach Saudi-Arabien entführt. Bei der Erstürmung des Flugzeugs wurden drei Menschen getötet.

Swissôtel vor Verkauf

Das Swissôtel gehört zur Zeit noch dem schwer verschuldeten Schweizer Luftfahrtkonzern SAirGroup. Wie ebenfalls am Montag (23.04.) bekannt wurde, geht die ganze Swissôtel-Gruppe per Ende Mai für 410 Mio. Franken an die Luxushotel-Kette Raffles mit Sitz in Singapur über.

swissinfo und Agenturen

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