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Gentechnologie: Nutzen oder Schaden?

Mais gehört zu den mit Vorliebe gentechnisch veränderten Produkten (Bild: EKAH-Bericht).

Es bleibt unklar, ob die Gentechnik für Entwicklungsländer Nutzen oder Schaden bringt. Sie könnte die Lebensmittel-Produktion erhöhen, schadet aber der Biodiversität.

Die Ethikkommission für Biotechnologie hat zum Thema einen Bericht veröffentlicht, ohne sich jedoch in der Haltung festzulegen.

Die Auswirkungen der sogenannten grünen Gentechnik auf die Entwicklungs- und Schwellenländer sind gemäss der Eidgenössischen Ethikkommission für die Biotechnologie im Ausserhumanbereich (EKAH) kaum abschätzbar.

"Der Vorstellung, die Gentechnik könne die Nahrungssicherung dereinst fundamental verbessern, liegt eine Vereinfachung der Sachlage zu Grunde", schreibt die EKAH in einer Mitteilung.

Die Kommission möchte mit ihrem Bericht "Gentechnik und Entwicklungsländer" zur Debatte über Gentechnik beitragen und Schweizer Politiker sowie die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) beraten. Ausserdem sind im Parlament Änderungen im Patentgesetz zu entscheiden.

Im Juni hatte die UNO-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft einen Report über die Auswirkung genetisch veränderten Saatsguts veröffentlicht.

Erforschung der Risiken und der Alternativen

Die EKAH fordert eine Intensivierung und bessere Koordination der öffentlichen Forschung. Besonders gelte dies für die Risikoforschung, welche die Rahmenbedingungen der Gentechnik untersucht.

Gleichzeitig müsse aber auch die Forschung im Bereich anderer Lösungsansätze intensiviert werden. "Forschungsgelder einseitig zu Gunsten der Gentechnologie einzusetzen ist nicht akzeptabel", schreibt die EKAH weiter. Dies umso mehr, als andere Ansätze bisher teils effizientere und bessere Resultate erbracht hätten.

Die Entwicklungsländer müssten im Hinblick auf die Stärkung ihrer Eigenständigkeit insbesondere beim Aufbau eigener Beurteilungs- und Bewilligungsverfahren unterstützt werden.

Mit Blick auf die Sicherung der weltweiten Lebensgrundlagen seien alle Bestrebungen, die zum Ziel hätten, den freien Austausch genetischer Ressourcen für die Züchtung und die Forschung zu gewährleisten, zu unterstützen.

Keine Frage des Angebots, sondern des Zugangs

Tatsächlich seien die aktuellen Probleme der Nahrungssicherung aber weniger eine Frage des unter Umständen technisch verbesserbaren Nahrungsangebots als vielmehr eine Frage des Zugangs zur Nahrung.

Die Menschen des Südens hätten gleich wie die Menschen des Nordens ein Recht auf Zugang zu gesunder und ausreichender Ernährung. Menschen hätten zudem ein Recht, über die Art und Weise ihrer Ernährung selbst zu bestimmen.

Furcht vor Abbau der Biodiversität

Deshalb müssten die Auswirkungen gentechnisch veränderter Nutzpflanzen auf die Biodiversität in Entwicklungsländern untersucht und in die Beurteilung einbezogen werden.

Die Biologin Florianne Koechlin von der schweizerischen Arbeitsgruppe Gentechnologie weist darauf hin, dass eine Mehrheit der EKAH befürchte, dass Gentechnik unter den heutigen Rahmenbedingungen im Süden zum Abbau der Biodiversität beitrage.

Eine Minderheit halte diese Frage derzeit nicht für beantwortbar. In den Herkunftszentren der Kulturpflanzen sowie in ökologisch sensiblen Gebieten sollten aber laut den Empfehlungen der EKAH keine gentechnisch veränderten Organismen freigesetzt werden.

Alle Bestrebungen sollten jedoch unterstützt werden, die den freien Austausch genetischer Ressourcen für Züchtung und Forschung ermöglichten.

Sozialer Frieden als Voraussetzung guter Ernährung

Schliesslich sei sowohl auf innerstaatlicher Stufe wie auch im internationalen Kontext die Erhaltung des sozialen Friedens unabdingbare Voraussetzung für den Kampf gegen Hunger und Mangelernährung.

Christoph Stückelberger, Zentralsekretär des Hilfswerks "Brot für Alle", wies darauf hin, dass in Entwicklungs- und Schwellenländern der Zugang zu Informationen für breite Teile der Bevölkerung viel schwieriger ist als in Ländern des Nordens.

Die Landwirtschaft sei in vielen Entwicklungsländern zudem nicht einfach Wirtschaft des Bodens, sondern Agri-Kultur, die in religiösen, mythischen und kulturellen Weltbildern und Werten verankert sei.

Darauf müssten technologische Erneuerungen Rücksicht nehmen, weil sonst kulturell-religöse Spannungen erzeugt werden könnten, die den sozialen Frieden gefährdeten.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Die EKAH wurde im April 1998 durch eine Verfügung des Bundesrats ins Leben gerufen.

Die 12 Mitglieder sind verwaltungsexterne Expertinnen und Experten aus verschiedenen Fachbereichen.

Sie beraten den Bundesrat und die Behörden bei Gesetzgebung und Vollzug im Bereich der ausserhumanen Bio- und Gentechnologie.

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Fakten

2003 sind in 18 Ländern gentechnisch veränderte Organismen (GVO) auf mehr als 65 Mio. Hektaren gesät worden.
Rund 7 Mio. Landwirte kultivieren GVO.
Kaum ein Drittel dieses Saatguts wird in den Entwicklungsländern selbst produziert.
Die gentechnisch veränderten Produkte werden auf dem Weltmarkt intensiv gehandelt.
Zum Beispiel Soja, Mais, Baumwolle und Raps.

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