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50 Jahre WWF - und immer noch nicht überflüssig



WWF-Gründer Luc Hoffmann - von einer Gesprächs- zu einer Aktions-Gruppe.

WWF-Gründer Luc Hoffmann - von einer Gesprächs- zu einer Aktions-Gruppe.

(swissinfo.ch)

Vor einem halben Jahrhundert wurde der WWF am Genfersee geboren. Mitbegründer: der Schweizer Luc Hoffmann. Noch heute glaubt der 88-jährige Mäzen des Naturschutzes an die Notwendigkeit der Organisation, die zu den einflussreichsten dieses Planeten gehört.

29. April 1961. Der Tag, der als Gründungsdatum der NGO mit dem Pandabären als Symbol in die Geschichte eingeht. Ein entscheidender Moment für Luc Hoffmann, der von Beginn weg mit dabei war und mit dem World Wildlife Fund WWF die letzten 50 Jahre "eng zusammengearbeitet" hat. Lange Zeit war er dessen Vizepräsident.

Auch wenn er keine offizielle Position mehr belegt, finanziert der Schweizer, der zwischen dem Waadtland und der französischen Camarque lebt, über eine Stiftung weiterhin gewisse Projekte des WWF mit "beträchtlichen Mitteln".

swissinfo.ch: Sie waren an der Gründung der Organisation beteiligt. Wie genau?

Luc Hoffmann: Ich engagierte mich bereits zusammen mit der IUCN, der Weltnaturschutz-Union, für Anliegen des Naturschutzes. Die IUCN machte eine gute Arbeit, indem sie jedes Jahr ihre Mitglieder versammelte und die Probleme im Zusammenhang mit dem Schutz der Natur auflistete.

Einige innerhalb der IUCN bedauerten jedoch, dass dieser Ansatz nicht zu konkreten Taten führte. Deshalb beschlossen wir, eine Organisation zu schaffen, die eng mit der IUCN zusammenarbeitet, die Resultate der Gespräche aber in Aktionsprogramme umsetzt.

swissinfo.ch: Welches war die erste grosse Aktion des WWF?

L.H.: Das warCoto Doñana in Spanien. Ich arbeitete mit einem spanischen Freund, Dr. Valverde, für die Rettung dieses Gebiets. Wir hatten etwas Geld gesammelt. Dann wurde ich von Dr. Max Nicholson und Peter Scott aus Grossbritannien kontaktiert.

Sie erzählten mir von ihrem Projekt, eine internationale Organisation zu gründen, die sich für den Schutz der Natur einsetzt und mit der IUCN zusammenarbeitet. Sie schlugen mir vor mitzumachen. Wir hatten bereits eine gewisse Summe zusammengebracht. Mit Dr. Nicholson und Peter Scott einigten wir uns darauf, dass Coto Doñana das erste grosse Projekt des WWF würde.

swissinfo.ch: Existierte zu dieser Zeit in der Schweiz und weltweit bereits die Sorge um den Schutz der Umwelt?

L.H.: Ja, aber nur eine kleine Elite war besorgt. Einzelpersonen und kleine Organisationen engagierten sich, was bei der breiten Bevölkerung wenig bekannt war.

swissinfo.ch: Welchen Einfluss hatte der WWF in den letzten 50 Jahren weltweit?

L.H.: Zu Beginn ging es darum, Land zu kaufen, um Schutzgebiete zu errichten, wie in Coto Doñana, Kenia oder Peru. Später dann waren jene Projekte am wirkungsvollsten, wo man versuchte, Entscheide zu beeinflussen.

In jüngster Zeit appellierte der WWF auch an verschiedene Regierungen, um sie dazu zu bewegen, Projekte zu realisieren, zum Beispiel Naturschutzgebiete oder Nationalparks. Denn es gibt verschiedene Formen des Naturschutzes.

Der WWF glaubt nicht mehr, er könne mit dem Kauf von Boden am meisten Einfluss nehmen, sondern indem er die Regierungen zum Handeln auffordert.

swissinfo.ch: Die Schweiz und der WWF haben ein ähnliches Vorgehen bei Problemen, rational und besonnen. Ein Zufall?

L.H.: Ja, das ist ein Zufall. Die IUCN, die zum WWF geführt hat, wurde in Belgien gegründet. In der Zeit der Entkolonialisierung wurde sie in die Schweiz, nach Gland, verlegt. Denn Belgien als Kolonialmacht hätte in den Augen der Mitglieder suspekt erscheinen können. Die Schweiz hingegen war neutral und am Kolonialismus nicht beteiligt.

swissinfo.ch: Geht es dem Planeten 50 Jahre nach der Gründung des WWF besser?

L.H.: Nein, es geht ihm nicht besser. Aber es geht ihm zweifellos besser, als wenn es den WWF nicht gegeben hätte.

swissinfo.ch: Braucht es den WWF heute also noch immer?

L.H.: Ja. Die wichtigste Herausforderung besteht darin, die Mentalität und Handlungsweise eines jeden zu ändern. Bezüglich Unternehmen und Regierungen konnten Fortschritte erzielt werden. Auf Seiten des Bürgers ist das Bewusstsein da, aber er zieht nicht wirklich die Konsequenzen für sein Handeln.

Die Ökologie in der Politik, der Zugang der Umweltschutzparteien, das ist interessant, besticht mich aber nicht. Die Sensibilität gegenüber der Natur müsste in allen Parteien und überall vorhanden sein. Es ist wahr, dass einige Parteien dem Umweltschutz näher stehen als andere. Das ist aber nicht der Weg, den wir gehen sollten.

swissinfo.ch: Kommt der Tag, an dem der WWF überflüssig wird, weil er sein Ziel erreicht hat?

L.H.: Das wünsche ich mir, glaube aber nicht wirklich daran. Ich denke, wenn wir – Unternehmen, Regierungen und Bevölkerung – so weiter machen wie jetzt, kommen wir nicht weiter. Wir handeln gegenüber der Biosphäre nicht nachhaltig.

Dennoch behalte ich einen gewissen Optimismus. Je mehr wir gegen die Mauer stossen, desto eher wird uns die Lage bewusst. Letztlich wird uns eine schlagkräftige Reaktion erlauben, damit zurecht zu kommen. Bis dann aber wird die Welt ärmer sein.

Der WWF

Schweiz. Der World Wide Fund For Nature (heute World Wildlife Fund) wurde am 29. April 1961 in Morges, Kanton Waadt, ins Leben gerufen und im September des gleichen Jahres in Zürich als Stiftung gegründet. Der WWF ist eine gemeinnützige Organisation nach Schweizer Recht. Sein internationaler Hauptsitz liegt in Gland am Genfersee.

Weltweit. Der WWF beschäftigt weltweit über 5400 Personen und leitet mehr als 1000 Projekte gleichzeitig in mehr als 100 Ländern – wissenschaftliche Studien, Naturschutz-Operationen, usw. Er hat in 50 Ländern nationale Zweig-Organisationen, darunter in der Schweiz (die drittälteste nationale WWF-Sektion).

Überall. In 50 Jahren hat sich der WWF zu einer der grössten Umweltorganisationen der Welt entwickelt. Er hat fünf Millionen Mitglieder und Sympathisanten, 230'000 allein in der Schweiz. Das Jahresbudget beläuft sich auf fast 450 Millionen Euro. Rund zwei Drittel davon stammen von Einzelpersonen.

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Luc Hoffmann

Geboren 1923 in Basel. Enkel des Gründers des Pharma-Konzerns Hoffmann-La Roche, wo er später Mitglied des Verwaltungsrates wird. Er studiert Biologie und Ornithologie, obwohl seine Familie wünschte, dass er eher Chemie studieren sollte.

Als Mäzen und Naturschützer kauft er 1947 das Domaine de la Tour du Valat, in der französischen Camargue. Das Gut mit einer Fläche von rund 3000 Hektaren ist seither zu einem biologischen Forschungszentrum zur Erhaltung der mediterranen Feuchtgebiete geworden.

Luc Hoffmann arbeitet mit dem Centre national de la recherche scientifique (CNRS), einer französischen Forschungs-Organisation, und der Weltnaturschutz-Union (IUCN )zusammen. 1961 gründet er in Morges den WWF Schweiz; bis 1988 ist er Vizepräsident der Organisation, die er mitfinanziert.

Hoffmann war auch bei der Gründung des Banc D'Arguin-Parks in Mauretanien und der Ramsar Konvention zum Schutz der Feuchtzonen (1971) dabei. Die Konvention war eines der ersten internationalen juristischen Instrumente zum Schutz der Umwelt.

Luc Hoffmann hat viele Auszeichnungen erhalten, darunter: Mitglied der französischen Ehrenlegion, die Medaille des Fürsten von Edinburgh in Grossbritannien und der Verdienstorden in Griechenland. Die Universität Oxford hat sogar einen Lehrstuhl "Luc Hoffmann" in Ornithologie.

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(Übertragung aus dem Französischen: Gaby Ochsenbein) , swissinfo.ch


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