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Laut Swissmedic entsprechen viele der mit diesen Fälschungen verbundenen Versprechen nicht der Wahrheit.

Die Einfuhr illegaler Medikamente und Fälschungen in die Schweiz ist im ersten Halbjahr 2010 um 75% gewachsen. Dies macht den Gesundheitsbehörden zu schaffen.

Zu den populärsten illegal eingeführten Medikamenten gehört Viagra. Doch auch Schlankmacher, einige davon gesundheitsgefährdend, sind vermehrt im Ausland bestellt worden.

Die Heilmittelbehörde Swissmedic publizierte am Mittwoch Zahlen, wonach sie in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres von den Zollbehörden 992 Berichte über verdächtige, potenziell illegale Einfuhren von Medikamenten erhalten hat. Bei den meisten handelte es sich um deklarationspflichtige Produkte.

Das entspreche einer Zunahme von 75% gegenüber 2009.

"Es handelt sich um eine weltweite Erscheinung, die alarmierend ist, weil diese illegalen und kopierten Produkte der Gesundheit schaden können", sagt Ruth Mosimann, Chefin der Kontrolle illegal eingeführter Medizin gegenüber swissinfo.ch.

Allein letztes Jahr wuchs die Einfuhr illegaler Arzneimittel-Imitate ("Fakes") um 68%. Schätzungsweise 50'000 solcher Produkte finden jährlich ihren Weg in die Schweiz.

"Es handelt sich um einen Trend", so Mosimann. "Immer mehr Spam-Mail wird von den illegalen Webseiten aus gesandt. Die Zunahme des Angebots bewirkt auch eine Zunahme der Nachfrage. Dazu kommt, dass die Schweizer Zollbehörden aufmerksamer nach solchen Produkten Ausschau halten. Viel ist dank ihrer Arbeit aufgedeckt worden."

Geld gespart?

Zu den hauptsächlichen Motiven, solche unsicheren Imitate online zu kaufen, gehören das Einsparen von Geld und manchmal auch Verlegenheit.

Mosimann selbst ist aber erstaunt über die weiteren Gründe: "Wir haben auch heute noch Reaktionen von Leuten, denen wir Arzneien beschlagnahmt haben. Sie zeigen sich überrascht, dass die Produkte gefährlich sein sollen." Sie hätten von nichts gewusst, sondern einfach gesehen, dass sie billiger und ein gutes Produkt seien.

"Ausserdem sind die Leute oft überrascht, dass diese Einkäufe verboten seien. Das Schweizerische Gesetz ist so ausgestaltet, dass es die Einfuhr grosser Mengen an Arzneien verbietet, um die Bevölkerung von verdächtigen Produkten zu schützen."

In den vergangenen sechs Monaten wuchs vor allem die Einfuhr von Schlankheitsmitteln, speziell von LiDa Daidaihua, vor dem Swissmedic bereits gewarnt hat.

LiDa sei nicht vollständig pflanzlich hergestellt, wie das auf der schön gestalteten Website stehe, sondern enthalte eine deklarationspflichtige Substanz, Sibutramin, die weder in der EU noch in der Schweiz zugelassen sei.

Sibutramin könne Nebeneffekte bewirken, die von Herzrasen bis zu erhöhtem Blutdruck reichten, so Mosimann. Für Menschen mit Herzproblemen könne die Einnahme sogar lebensgefährlich werden.

Gerissene Kriminelle

Die Expertin sagt, es sei sehr schwer für die Behörden, die sich hinter solchen medizinischen Webseiten versteckenden Kriminellen zu fangen.

Swissmedic ist in internationalen Gruppen vertreten. So hat die Behörde vergangenen April ein Arznei-Abkommen unterzeichnet. Dieses gilt als erstes internationales Instrument, um das Imitieren von Heilmitteln und ähnliche Delikte zu kriminalisieren.

Einige Erfolge habe es auch in der Zusammenarbeit mit anderen Ländern gegeben. Schweizer und österreichische Behörden hätten auf diese Weise einem österreichischen Arzt das Handwerk gelegt, der online Verordnungen unterzeichnete, was nicht erlaubt sei.

Die Sache flog auf, weil Pakete in Richtung Schweiz aufgedeckt worden waren. Der Arzt wurde verhaftet und seine Website geschlossen.

Es würde auch helfen, so Mosimann, wenn die Strafen in diesem Bereich verschärft würden, und zwar international wie im Land selbst.

Zur Zeit ist Indien das vornehmliche Ursprungsland beschlagnahmter Arzneimittel. 45% aller illegalen Heilmittel stammen aus Indien.

Medizinische Bedenken

Grosse Bedenken bezüglich der Wachstumsraten dieser Art von Importen hegt auch Gert Printzen, Artz am Lausanner Kantonsspital, und Vorstandsmitglied der Vereinigung der Schweizer Ärzte FMH.

"Es macht mir als Arzt grosse Bedenken, wenn die Leute lieber am Laptop den Knopf drücken und sich solche Arzneien nach Hause liefern lassen", sagt er gegenüber swissinfo.ch. "Und wenn sie solcher Werbung glauben ohne sich Gedanken über die Konsequenzen zu machen."

Printzen rät, medizinisch Ausgebildete aufzusuchen, um ein ganzes Behandlungspaket zu erhalten, inklusive Änderungen von Essgewohnheiten und Lebensstil und, wenn nötig, eine entsprechende Medizin dazu.

Denn die Kriminellen hinter diesen Websites verkaufen zum Beispiel die Schlankheitsmittel wie Träume. "Es ist sehr gefährlich und unfair, weil die Leute in ihrem Bedürfnis nach Hilfe missbraucht werden."

"Vielleicht ist es auch ein Anstoss für uns Ärztinnen und Ärzte, dass wir Lifestyle-Probleme etwas seriöser nehmen sollten als wir es zur Zeit noch tun", fügt er selbstkritisch bei.

Isobel Leybold-Johnson, swissinfo.ch
(Übertragung aus dem Englischen: Alexander Künzle)

Beschlagnahmte Produkte

Zu den am häufigsten beschlagnahmten Arzneien/Pharmaprodukten/Fakes gehören:

Erektionsstimulierende Produkte: 31%

Schlankheitsprodukte: 26%

Deklarationspflichtige Haarwuchsmittel: 6%

Muskelbildende Produkte: 5%

Mögliche suchterzeugende Medizin und Schlafpillen: 5%

(Source: Swissmedic)

Ursprungsländer

Ursprungsländer der vom Schweizer Zoll beschlagnahmten Produkte:

Indien: 45%

Westeuropa (Deutschland, Grossbritannien, Griechenland, etc.): 35%

Asien ohne Indien (Thailand, China, Pakistan, etc.): 6%

Tropische Inselstaaten(Vanuatu, Seychellen): 3%

Osteuropa: 3%

(Quelle: Swissmedic)


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