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Argentinische Stimmen zum Papst "Der richtige Mann zur richtigen Zeit"

Für argentinische Kirchenmänner öffnet Papst Franziskus einen neuen Weg für die Kirche.

(Keystone)

Aufrufe zur Hilfe an die Benachteiligten und für eine partizipative Kirche: Argentinische Kirchenmänner, die swissinfo.ch befragt hat, sind überzeugt, dass "ihr" Papst Franziskus neue Wege geht. Für viele Gläubige bedeute die Wahl, dass sie sich wieder der Kirche zuwenden würden.

"Ich bin sicher, dass sich seine Mission nicht auf die Kirche beschränken wird und dass seine Worte Auswirkungen weit über diese hinaus haben werden", sagt Pater Bernardo Blanchaud, Nachkomme von ausgewanderten Schwiezern aus dem Kanton Wallis und "spiritueller Enkel" von Papst Jorge Bergoglio.

Pater Bernardo, in Esperanza aufgewachsen, einer der ersten Schweizer Kolonien in Argentinien, und heute Priester der Kirchgemeinde Humboldt in der Provinz Santa Fe, besucht regelmässig Orsières im Kanton Wallis, um sich um eine Kirchgemeinde in den Tälern Val Ferret und Val d'Entremont sowie des Dorfes St. Nicolas zu kümmern.

"Eine Spur hinterlassen"

"Ich denke, dass er im Laufe der Zeit auch eine Spur auf der internationalen Bühne hinterlassen wird, was Wirtschaft, Politik und den Frieden betrifft", so Blanchaud. "Franziskus pflegt einen von Fakten gestützten Diskurs. Er ist glaubwürdig, hat Autorität."

Der Priester betont gegenüber seinen Schweizer Freunden immer wieder, "Franziskus ist so, wie wir ihn sehen." Blanchaud ist überzeugt, dass der neue Papst den modernen Menschen die Kirche wieder näherbringt.

Er stützt sich dabei zum Beispiel auf die Erklärung des Papstes, wonach Abfall den Armen gestohlene Nahrung sei, oder seine Anspielungen gegen Mafias und Ausbeutung aller Art. "Das sind kleine Worte, die aber die Probleme der Welt direkt ansprechen, und nicht nur jene der Kirche", schätzt er.

Seit er Papst sei, habe Bergoglio sein Engagement für die Ärmsten in Argentinien noch verstärkt, betont Pater Bernardo. Um ein Beispiel zu geben, habe der Papst beim Besuch der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärt, in dieser Zeit der Krise "sorgt man sich sehr um die Banken, aber kaum um die Armen".

Der Pater erinnert auch an die Rede des Papstes für eine ethische Finanzreform und zur Hilfe an die Ärmsten. "Menschen werden heute wie Konsumgüter betrachtet, die benutzt und weggeworfen werden können", habe der Papst bei einem Treffen mit Botschaftern am 13. Mai erklärt.

(swissinfo.ch)

Ein Diener der Kirche

"Während seiner ersten hundert Tage scheint es mir, dass Franziskus bereits wichtige Weichen gestellt hat in Richtung einer Kirche mit mehr Beteiligung", sagt José María di Paola.

Der Kirchenmann lebt und arbeitet in den ärmsten Quartieren, wo er gegen die Drogen kämpft. Er hat während Jahren zusammen mit dem späteren Papst gearbeitet.

swissinfo.ch trifft ihn in seiner Kirchgemeinde von La Cárcova, einer der ärmsten Gegenden des Grossraums Buenos Aires, wo er eher bekannt ist unter dem Namen "Pater Pepe". Er versichert, dass der Aufstieg von Jorge Bergoglio auf den Heiligen Stuhl viele Katholiken wieder in die Kirche zurückbringe.

"Dieser Tage gibt es enorm viele Leute, die mir sagen, sie hätten sich wieder der Kirche zugewendet, dem Katechismus, dem Glauben… Ich denke, das ist Franziskus am wichtigsten: den Menschen Gott näher zu bringen und das Vertrauen von vielen wieder zu gewinnen", sagt er.

Der Kirchenmann ist überzeugt, dass "der Heilige Geist ihm eine unglaubliche Kraft gegeben hat. Er wollte eigentlich mit 70 Jahren in den Ruhestand treten, und plötzlich, mit 76, muss er eine derart schwere Herausforderung übernehmen, in einem derart speziellen Moment; er ist wirklich mit einer enormen spirituellen Grösse gesegnet. Ich habe ihn erstarkt gesehen, mit Kraft, mit Lust."

Für Pater Pepe ist Franziskus daran zu zeigen, dass "jener, der in den Vatikan geht, nicht ein Prinz ist, sondern ein Diener der Kirche". Er betont, Bergoglio habe während seiner Messen erklärt, dass man die Armen nicht nur als jemand betrachten sollte, der Hilfe braucht, sondern als jemand, von dem man lernen könne auf dem Pfad der Strenge und Einfachheit.

Für ihn ist klar: "Das ist es, was die Kirche braucht. Wie die Fragen gelöst werden, ob Priester heiraten oder religiöse Personen die Messe lesen dürfen, wird die Zeit zeigen. Das Wichtigste sind diese Zeichen, die Wertschätzung des Glaubens, die Wertschätzung der Armenhilfe. Franziskus ist daran, die Weichen zu stellen. Er wird einiges unternehmen und andere Dinge seinem Nachfolger überlassen."

Papst Franziskus in Kürze

Jorge Bergoglio wird am 17. Dezember 1936 in Buenos Aires in einer bescheidenen Familie mit italienischen Wurzeln geboren.

Nach dem Diplom eines Chemietechnikers tritt er in den Jesuitenorden ein, studiert Geisteswissenschaften und erhält ein Lizenziat in Philosophie. Er hat auch einen Doktortitel der Universität Freiburg im Breisgau.

1969 wird er zum Priester berufen. Weniger als vier Jahre später wird er Provinzial des argentinischen Jesuitenordens. Während der Militärdiktatur (1976-1983) unternimmt er alles, um die Politisierung der Jesuiten Argentiniens zu verhindern.

Nachdem er wieder als einfacher Pfarrer in der Stadt Cordoba tätig war, wird er 1992 in Buenos Aires zum Hilfsbischof und 2001 zum Kardinal ernannt.

Am 13. März 2013 wird er zum Papst ernannt. Er ist der erste jesuitische Papst und der erste, der nicht aus Europa oder dem Mittelmeerraum stammt.

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"Seinen Armen" helfen

"1969 war ich der Zeremonienmeister seiner ersten Messe, und er war während neun Jahren mein Lehrer", sagt Pater Jorge Sarsotti stolz. "Ich denke, er ist der richtige Mann zur richtigen Zeit. Kaum war seine Wahl bekannt, habe ich geweint und die Glocken der Kirche geläutet. Er ist mein Freund, mein Vater, mein älterer Bruder… Ich war überzeugt, dass er gewählt wird."

Sarsotti lacht, wenn er Anekdoten erzählt. Ausser, dass er sehr scharfsinnig und nahbar gewesen sei, habe Bergoglio als Lehrer auch sehr hohe Ansprüche gestellt: "Er wollte, dass wir das Beste geben, sei es die Aufmerksamkeit gegenüber den Armen wie auch gegenüber unseren Studien."

Pater Jorge erinnert daran, dass Bergoglio auch als Kardinal vielen Menschen direkt geholfen habe. Zu einer gewissen Zeit hatte dieser seinen Freund damit beauftragt, sich um jene zu kümmern, die er "seine Armen" nannte.

Jorge Sarsotti besuchte sie daher und stellte sicher, dass es ihnen gut ging, überprüfte ihre Speisekammer. Jede Woche musste der Pater ihnen eine gewisse Menge Mehl, Zucker, Reis und Öl geben. "Die Leute hatten eine Begeisterung, wie ich sie in meinem Leben noch nie gesehen habe. Viele haben mir anvertraut, dass Papst Franziskus sie motoviert hat. Das ist toll!"


(Übertragen aus dem Französischen: Christian Raaflaub), swissinfo.ch


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