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"So erlebe ich mein Bern in dieser Zeit" - Teil 6

zVg

"Permanenter Corona-Medienkonsum ist nicht gut fürs Gemüt. Und doch kann ich es – wie viele andere – nicht lassen", sagt Gaby Ochsenbein. Die frühpensionierte ehemalige Redaktorin von swissinfo.ch schreibt in dieser beispiellosen Zeit über ihre Beobachtungen – aus persönlicher Sicht.

Dieser Inhalt wurde am 08. April 2020 - 15:30 publiziert

Die Affichen und Zeitungen in den Kiosken der Berner Innenstadt kennen nur ein Thema: Corona! Auch Schweizer Radio und Fernsehen widmen sich fast ausschliesslich den Auswirkungen dieser toxischen Mikrobe, die unser Leben aus den Fugen hebt.

In wenigen Wochen hat die Pandemie mit ihren Begleiterscheinungen und Kollateralschäden fast alle anderen Ereignisse aus den Schlagzeilen verdrängt. Die Berichterstattung über die bedrohliche Seuche ist omnipräsent - man kann ihr nicht entkommen. "Too big to ignore...".

Zuviel ist ungesund

"Ich bin ständig dran, lese über die neusten Fallzahlen, höre die Nachrichten, schaue die Tagesschau", sagt ein Nachbar. Zum Selbstschutz  zwinge er sich immer mal wieder, etwas anderes zu tun, z.B. einen Krimi zu lesen. "Aber ich kann mich nicht konzentrieren und sitze eine halbe Stunde später schon wieder am Computer."

"Ich habe mich anfänglich sehr gezielt mit der Pandemie beschäftigt, viel gelesen und Radio gehört. Als Psychiaterin musste ich mich informieren und meine Haltung in dieser Krise finden", erzählt eine Bekannte.

"Zu Beginn habe ich stündlich Nachrichten gehört. Jetzt aber habe ich mir quasi eine Medien-Diät verordnet, um nicht ständig deprimiert zu sein", so eine Freundin.

Eine andere Bekannte hört täglich den Podcast des deutschen Virologen Christian Drosten. "Ich bin aber am Zurückfahren und lese frühmorgens prinzipiell keine Corona-News mehr. Denn sonst habe ich keinen guten Start in den Tag."

Er sei zwar über die weltweite Krise informiert, konsumiere aber bewusst weniger Medien als üblich, sagt ein Verwandter. "Denn ich will und muss meine Seele vor einer Überflutung bewahren."

Wie viele andere in meinem Berner Lockdown-Umfeld verspüre auch ich langsam eine gewisse Corona-Sättigung, gehe aber noch immer mehrmals am Tag ins Internet, lese Zeitungen, höre Nachrichten, checke und vergleiche die neuesten Zahlen von Infizierten und Verstorbenen, was irgendwie etwas Sensationslüsternes hat. Das muss ich mir abgewöhnen.

Und das Klima? Die Flüchtlinge?

Wie lange dieses mehr oder weniger monothematische Medienangebot noch dauert, wissen wir nicht. Irgendwann, so hoffe ich, wird unser Interesse für andere relevante Themen, die im Moment im Abseits sind, wieder erwachen. Etwa für die ungelöste Beziehung zwischen der Schweiz und der EU, für die Klimakrise, die umstrittene Energiestrategie, die Gletscherinitiative, die Begrenzungsinitiative oder die bevorstehende Spargelernte, für den US-Wahlkampf, die Kriege in Syrien und Jemen oder die Flüchtlingskrise.

Und wer jetzt bereits eine Auszeit von Corona braucht, kann sich den Klassiker "Die Pest" von Albert Camus zu Gemüte führen. Dieser, wen wundert’s, feiert gerade eine Renaissance.

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Der Medienkonsum in der Coronazeit hat in der Schweiz zu beispiellos hohen Leserzahlen und Einschaltquoten geführt. Trotzdem geht es den Medienhäusern schlecht, denn die Werbeeinnahmen sind infolge der Krise massiv eingebrochen.

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