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Kaufkraft Mittelstand steht dank Doppelverdienst besser da

(Keystone)

Der Mittelstand in der Schweiz ist in jüngster Zeit Gegenstand verschiedener Studien. Die Forscher sind sich einig, dass viele Haushalte finanziell unter Druck stehen, doch die Einkommen der Frauen haben die Situation verbessert.

Das Jahreseinkommen eines durchschnittlichen Mittelstand-Haushaltes ist heute bedeutend höher als im Jahr 1990. Dennoch hat die Mittelklasse im Vergleich mit höheren Einkommensklassen an Kaufkraft verloren.

Obschon der Schweizer Mittelstand von der globalen Finanzkrise verschont worden ist, weisen Beobachter auf eine gewisse Verunsicherung und Unzufriedenheit hin. Das ist genau das Klima, das die Voraussetzung schafft für die jüngste politische Diskussion, die Zuwanderung aus der EU zu begrenzen.

In der Studie "Der strapazierte Mittelstand" kommt der liberale Think Tank Avenir Suisse zum Schluss, dass die Saläre des Mittelstandes zwischen 1994 und 2010 weniger stark zugenommen haben, als jene der besser, aber auch jener der schlechter Verdienenden.

Feminisierung

Als Folge des Nachholbedarfs haben die Löhne der Frauen stärker zugenommen, in gewissen Fällen gar um doppelt so viel wie jene der Männer. Gleichzeitig hat der Anteil der Frauen in der Arbeitswelt signifikant zugenommen. Heute arbeiten 77% der Frauen, davon mehr als die Hälfte Vollzeit.

"Die beiden Effekte haben dazu geführt, was wir die Feminisierung des Mittelstandes nennen. Das hat ihn vielleicht nicht gerettet, ihm aber viel geholfen", sagt Ko-Autor Patrick Schellenberger gegenüber swissinfo.ch.

Schwierige Abgrenzung

Doch dieser Vorteil ist in Gefahr, wie Sara Carnazzi Weber, Ökonomin bei der Grossbank Credit Suisse ausführt, denn es gibt Faktoren, welche einige Frauen davon abhalten, mehr zu arbeiten: "Es gibt Fälle, in denen das zusätzliche Einkommen der Frauen zu einer höheren Steuerprogression führt. Das zusätzliche Einkommen kann zusammen mit den Mehrausgaben für die Kinderbetreuung dazu führen, dass sich die finanzielle Situation einer Familie trotz zweitem Einkommen verschlechtert."

Es gehe um mehr, als um Geld, sagt Schellenberger: "Was wir gesehen haben ist, dass es für viele Leute des Mittelstandes schwierig geworden ist, sich von den unteren Einkommensklassen abzugrenzen. Historiker sagen, es sei für die Mittelklasse sehr wichtig, sich abzugrenzen, denn das gehöre zu ihrem Selbstbild, das sei ein Teil des Lohnes für ihr Tun."

Weitgefasste Definition

Trotz hoher Bildung, gutem Einkommen und gutem Job kann es auch zu einer gewissen Frustration kommen. Matthias Kuert von der Gewerkschaft Travail.Suisse zeigt dafür Verständnis. "Leute mit einem mittleren Einkommen, die mit ihrem Geld knapp durchkommen, sehen, wie ihre Nachbarn staatliche Unterstützung erhalten, beispielsweise Subventionen an die Krankenkassenprämien. Das stört sie."

Dazu komme, dass, wer es früher in den Mittelstand geschafft habe, in dieser Klasse geblieben sei. "Das gab Sicherheit. Jetzt ist diese verschwunden", so Kuert weiter. Krankheiten, Scheidung oder Jobverlust könnten alles gefährden.

Zum Mittelstand gehört, wer ein Jahres-Einkommen zwischen 60'000 und 200'000 Franken hat. Das ist ein breites Lohnspektrum.

Internationaler Vergleich

Vermögen setzen sich zusammen aus den Geldwerten plus den Realwerten (prinzipiell: Immobilien). Davon werden allfällige Schulden einer Person abgezogen.

Laut der Liste des Credit Suisse Global Wealth Report – mit Vermögen erwachsener Personen von mehr als 100'000 Dollar – sind die reichsten Länder in Nordamerika, Westeuropa, Asien und im mittleren Osten zu finden.

Die Schweiz liegt dabei mit 470'000 Dollar an der Spitze, ein Level, das bedeutend höher ist als dasjenige von Australien (350'000 Dollar) oder Norwegen (330'000 Dollar) .

Japan liegt mit einem Durchschnitts-Vermögen von 270'000 Dollar auf dem fünften Platz. Die USA finden sich mit 260'000 auf dem siebten Platz,

Frankreich, Schweden, Belgien, Dänemark und Italien weisen je ein Durchschnitts-Vermögen von rund 200'000 Dollar auf.

(Quelle: Credit Suisse Global Wealth Report 2012)

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Steigende Wohnungspreise

Laut dem CS-Vermögensbericht beträgt das Durchschnittsvermögen in der Schweiz 470'000 Franken pro erwachsene Person. Doch ein Viertel der Steuerzahler hat ausser der Pensionskasse kein Vermögen.

Mit welchen Rechnungen wird ein durchschnittlich verdienender Schweizer konfrontiert? Laut dem Bundesamt für Statistik belaufen sich die obligatorischen Abzüge für Pensionskasse, Steuern, soziale Sicherheit und Krankenkasse auf 29% des Einkommens.

Wohnen und Energie sind die grössten Ausgabeposten. Sie machen einen Fünftel des Einkommens aus. Hier gibt es beträchtliche Unterschiede zwischen Alteigesessenen, die schon lange in ihrer Wohnung oder ihrem Haus wohnen, und Neulingen auf dem Markt, die sich mit dramatischen Preissteigerungen auf dem Wohnungsmarkt konfrontiert sehen.

Daniel Müller Jentsch, ein weiterer Ko-Autor der Avenir-Suisse-Studie, weist darauf hin, dass die hohen Immobilienpreise in Boom-Regionen wie Zürich oder Genf für viele Leute eine Belastung darstellten. "In gewissen Teilen der Schweiz, besonders in den Kantonen mit etwas tieferen Löhnen, sind die Lebenskosten stärker angestiegen, was zu einer Verminderung der Kaufkraft geführt hat."


(Übersetzung aus dem Englischen: Andreas Keiser), swissinfo.ch


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