Kirchenglocken für Kopenhagen

Die Glocken dieser Kirche in Lützelfluh bei Bern werden für die Klimagerechtigkeit läuten. swissinfo.ch

Um auf das Anliegen der Klimagerechtigkeit aufmerksam zu machen, sollen weltweit die Glocken vieler Kirchen am Sonntag läuten. Doch viele Glocken in der Schweiz dürften stumm bleiben.

Dieser Inhalt wurde am 12. Dezember 2009 - 10:20 publiziert

Für den Ökumenischen Rat der Kirchen (WCC) in Genf ist der Klimawandel nicht nur ein Problem von Politik und Wissenschaft, sondern auch eines von Ethik und Geist. Der Rat plant deshalb für den 13. Dezember ein weltweites Glockenläuten, das die Leute für das Klimaanliegen wachläuten soll. Von den Landeskirchen der Schweiz wird die Idee zwar unterstützt, von gewissen regionalen reformierten Kirchenorganisationen wird sie jedoch aus politischen Gründen abgelehnt.

Nach der ersten Hälfte des UNO-Klimagipfels in Kopenhagen, so der WCC, sollen "die Kirchen rund um die Welt ihre Glocken, Trommeln, Gongs, kurz all ihr traditionelles Gebetsaufruf-Instrumentarium aufbieten, um die Leute in Sachen Klimawandel aufzurütteln."

In der gleichen Stellungnahme jedoch gibt der WCC zu bedenken, dass dieser Aufruf auch ein Misserfolg werden könnte: "In einigen Ländern kam die Frage auf, ob die Kirchen überhaupt das Recht haben, ihre Glocken für ein Anliegen läuten zu lassen, das auch als politische Kampagne verstanden werden könnte", sagt Guillermo Kerber, Klimawandel-Verantwortlicher bei WCC.

Das denken sich auch die drei grössten reformierten Kirchengruppen, die die meisten Gemeinden in der Nord- und Nordwestschweiz repräsentieren. "Wir sind uns der Wichtigkeit der Klimakonferenz voll bewusst", sagt Thomas Gehrig von den reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn, gegenüber swissinfo.ch.

"Doch glauben wir auch, dass ein entsprechendes Glockengeläute in erster Linie ein Werbegag wäre."

Stumme Glocken

Obschon "reformierte Landeskirchen in den Kantonen" wie jene von Bern-Jura-Solothurn nur Empfehlungen aussprechen können, werden sie von den meisten protestantischen Gemeinden beherzigt. Somit dürften deren Kirchen-Glocken stumm bleiben.

Die Schweizerische Bischofskonferenz sieht das anders und sagt gegenüber swissinfo.ch, sie selbst trage zwar nichts zur Unterstützung der Kampagne durch die Katholiken bei. Doch habe sie ihren Wohltätigkeits-Stiftungen wie dem Fastenopfer und Caritas Schweiz erlaubt, entsprechende Appelle zu lancieren.

Patrick Frei vom Fastenopfer schätzt, dass mindestens 240 katholische Kirchen an der Glockenläut-Aktion teilnehmen werden, er sei "mehr als erfreut" mit diesem Resultat.

Die laufende Kampagne habe mehr Unterstützung durch die Kirchgemeinden gefunden als jene im Vorjahr, als es darum ging, weisse Flaggen zu hissen, als Zeichen der Solidarität mit den UNO-Millenniums-Entwicklungszielen.

Katholische wie protestantische Hilfswerke stehen auch hinter dem Vorschlag, für Klimagerechtigkeit zu beten - was auch von den Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn unterstützt wird.

Klima-Gebet

Gemäss Text sollen Christen in der ganzen Schweiz am 13. Dezember für ein Übereinkommen in Kopenhagen beten, damit "das bedrohte Leben auf dem Planeten Erde erleichtert aufatmen kann".

Wenn die kirchlichen Führer auch geteilter Meinung sind, wie das Klimabewusstsein am besten wachgeläutet werden sollte, sind sie doch einer Meinung, wenn es um die Dringlichkeit dieses Anliegens geht.

"Was zur Zeit in Kopenhagen verhandelt wird, gehört wirklich zu den grossen Problemen der Menschheit, besonders was die Zukunft der ärmeren Teile der Welt betrifft", sagt Beat Dietschy von der reformierten Organisation Brot für alle gegenüber swissinfo.ch.

"Der Klimawandel ist nicht nur ein Thema der Ökologie, sondern auch ein Entwicklungsproblem, in den ärmsten Ländern. Wie sehen ja bereits die Auswirkungen auf die Ernten, besonders in Afrika. Es gibt Schätzungen, die von einem Einbruch um bis zur Hälfte rechnen, bis zum Jahr 2020. Dies dürfte die Nahrungsmittel-Krise verstärken."

Doch auch Thomas Gehrig zweifelt, ob Kopenhagen die richtigen Antworten darauf hat: "Es gab zahlreiche Konferenzen in diesem Bereich, die erste fand in Rio de Janeiro vor siebzehn Jahren statt."

"Kopenhagen wird wohl keine Lösungen für das Klima bereit stellen. Es ist einfach eine Konferenz, und im kommenden Jahr folgt die nächste. Dabei können wir nicht jedes Mal unsere Glocken läuten lassen, sonst verhallen diese immer ungehörter."

Dale Bechtel, swissinfo.ch
(Übertragung aus dem Englischen: Alexander Künzle)

Glockenläuten fürs Klima

Der Ökumenische Rat der Kirchen (WCC), der weltweit 350 Kirchen vertritt, will am 13. Dezember Kirchenglocken in aller Welt 350 mal läuten lassen.

Die 350 beziehen sich auf die 350 ppm (Teilchen pro Million), die nach Ansicht vieler Wissenschaftler die Höchstgrenze für eine ungefährliche CO2-Konzentration in der Atmosphäre ist.

Tun sich die Christen aus aller Welt zusammen, können sie - so der WCC - mehr erreichen und der Zerstörung von Gottes Schöpfung und menschlicher Lebensgrundlagen wirksamer Einhalt gebieten.

Kirchen in anderen Ländern, die keine Glockentürme haben, sollen ihre traditionellen Instrumente wie Trommeln, Muschelhörner oder Gongs benutzen.

Eine Kette von Gebeten und Glockenschlägen sollen auf den Fidschi-Inseln im Südpazifik beginnen, sich über Nordeuropa fortsetzen und sich schliesslich um den ganzen Erdball erstrecken.

Die Landeskirchen der Schweiz unterstützen die Kampagne zumindest, was das Gebet betrifft.

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