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Linke oder rechte Spur? Auf dem Weg zum Roboter-Auto

(Keystone)

Das Auto fährt von alleine und ruhig auf der Autobahn, die Person auf dem Fahrersitz schaut zum Fenster raus oder liest ihre E-Mails. Während Google und Autohersteller die fahrerlose Technologie vorantreiben, kann die europäische Gesetzgebung nicht Schritt halten.

Sergey Brin, Mitgründer des Internetkonzerns Google hat im vergangenen Jahr gesagt, die Roboterautos würden in fünf Jahren für die Allgemeinheit verfügbar sein.

Google hat mit seinen selbstfahrenden Autos, bei denen es sich zumeist um umgerüstete Modelle des japanischen Herstellers Toyota handelt, fast 500'000 Testkilometer zurückgelegt.

Forscherteams der Universitäten von Oxford, Berlin und Parma haben ihre eigenen selbstfahrenden Roboter entwickelt. Autohersteller wie BMW, Audi, Mercedes, Volvo und Nissan bauen immer mehr autonome Funktionen in ihren Fahrzeugen ein: automatische Abstands-Tempomaten, Spurhalte-Assistenten oder Parkier-Automaten.

Ungelöste Frage der Haftpflicht

Die Technologie ist zwar vorhanden, aber es fehlt an klaren gesetzlichen Regulierungen und ungelöste Haftpflichtfragen stehen der Entwicklung im Weg.

Bisher erlauben lediglich die drei US-Staaten Nevada, Florida und Kalifornien fahrerlose Autos. In Europa gibt es weder eine Gesetzgebung für Roboterautos, noch Pläne dafür.

Dafür wäre eine Änderung der Wiener Konvention zum Strassenverkehr nötig, wie der Präsident der europäischen Kommission für Transport, Siim Kallas, sagt. Artikel 8 dieser UNO-Konvention legt fest, dass "jedes Fahrzeug oder die Kombination von Fahrzeugen einen Fahrer" haben muss.

Wandel liegt in der Luft

Auch in der Schweiz gibt es keine Regeln für fahrerlose Autos. Laut Guido Bielmann, dem Sprecher des Bundesamtes für Strassen, ist der Artikel 8 der Wiener Konvention "ein Grundsatz der schweizerischen Gesetzgebung".

Rudolf Blessing vom Verband der Autoimporteure hat grosse Zweifel, dass Roboterautos in den kommenden Jahren auf Schweizer Strassen eine Rolle spielen werden. "Das Problem liegt nicht in der Technologie, sondern in der Gesetzgebung. Die Schweiz wird die europäische Entwicklung abwarten müssen."

Doch ein Wandel könnte in der Luft liegen: Kallas sagte im vergangenen Oktober vor dem Europäischen Parlament, dass erste Gespräche zu diesem Thema innerhalb der Verkehrssicherheits-Kommission der UNO stattgefunden hätten.

Tests in Lausanne

Die ETH Lausanne testet auf ihrem Campus seit einiger Zeit ein führerloses Fahrzeug der französischen Marke Induct. "Navia – so heisst das Fahrzeug – ist mit einem Laser-Entfernungsmessgerät, GPS, 3D-Kameras und Sensoren ausgestattet und kann bis zu 8 Personen mit einer Maximalgeschwindigkeit von 20 Kilometern pro Stunde transportieren.

"Bis zu einer Entfernung von 50 Metern unterscheidet der Computer zwischen unbeweglichen und sich bewegenden Hindernissen, im zweiten Fall errechnet er deren Geschwindigkeit und auch die voraussichtliche Bewegungsroute" sagt der CEO von Induct, Pierre Levèvre. Wenn das Fahrzeug mit plötzlich auftauchenden Hindernissen konfrontiert wird, stoppt es automatisch.

Die ETH Lausanne hofft, dass es ihr gelingen wird, auf ihrem Campus und bis ins nahegelegene St. Sulpice ein fahrerloses Transportsystem aufzubauen. Dieses soll aus sechs Fahrzeugen bestehen. Die Bewilligung des Bundesamtes für Strassen steht noch aus.

Automobilsalon Genf

Der 83. Salon findet vom 7. bis 17. März statt. Erwartet werden mehr als 700'000 Besucherinnen und Besucher.

Rund 130 Welt- und Europapremieren sind angekündigt. Die 260 Aussteller kommen aus 30 Ländern.

Rund 45% der Besucher kommen von ausserhalb der Schweiz, viele davon aus den Nachbarländern Deutschland, Frankreich und Italien.

Der Autosalon Genf gehört zusammen mit Frankfurt, Paris, Detroit, Paris und Tokio zu den grössten Leistungsschauen der internationalen Automobilindustrie.

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Bis zum Boden durchdrücken

Laut Google haben fahrerlose Autos "die Kraft, Leben zu verändern". Das Unternehmen glaubt daran, dass Roboterautos dereinst sicher unterwegs sein werden, sicherer als Autos, die von Menschen gefahren werden und damit auch die Anzahl der Verkehrsopfer drastisch reduzieren werden.

Der Verkehrsfluss werde flüssiger werden, so Google, und auch Leute, die bisher kein Auto hätten, Behinderte oder Ältere, könnten Autobesitzer werden.

Die Frage ist, ob die Autos je voll autonom werden. Gewisse Autohersteller sind der Meinung, dass der Fahrer dennoch eine gewisse Kontrolle behalten müsse, auch wenn die Auto-Roboter ihm die meisten Entscheide abnehmen werden. Die Frage ist, ob ein Roboter auch dann richtig zu reagieren imstande ist, wenn etwa ein Ball auf die Strasse fällt und ein Kind dem Ball hinterher rennt.

Und: Werden wir nicht so simple Freuden vermissen, wie das Gaspedal bis zum Boden durchzudrücken?


(Übersetzung aus dem Englischen: Andreas Keiser), swissinfo.ch


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