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Mode-Verschmelzung Die Philosophie des Kimono-Tragens vermitteln



"Seide verkörpert das Wesen der Couture", sagt Designerin Kazu Huggler.

"Seide verkörpert das Wesen der Couture", sagt Designerin Kazu Huggler.

(swissinfo.ch)

Asiatisch inspirierte Mode ist international im Trend. Aber eine Zürcher Designerin kombiniert seit Jahren japanische Ästhetik mit europäischer Eleganz.

Kazu Hugglers Eckladen und Atelier in Hottingen bei Zürich ist farbenfroh und heiter, hat Parkettboden und auserlesene Kronleuchter. Ein Schneidetisch und zahlreiche Stoffballen belegen eine Ecke, und ein weisser Kimono mit einem Blumenmuster steckt an der Wand.

Die Fabrikationen werden von einem halben Dutzend Schneiderinnen ausgeführt. Während des Besuchs von swissinfo.ch arbeiten zwei von ihnen an einer Kundenbestellung.

Kazu Huggler versucht nicht im Trend zu liegen. Sie hat japanische Kunst und Ästhetik studiert und interessiert sich viel mehr für die Kreation von Kleidern, die sowohl schön wie praktisch sind.

"Mir geht es darum, wie sich die Philosophie des Kimono-Tragens vermitteln lässt", sagt Kazu Huggler. Die Bemerkung, traditionelle Kimonos seien nicht bequem, weist sie zurück. "Tatsächlich sind sie sehr komfortabel, wenn man den eigenen Körper gut kennt und weiss, wie viel Freiraum man braucht, um darin gehen zu können", wobei sie hervorhebt, dass man darin nicht hasten darf. Aber einen Kimono zu tragen, um sich damit auf Schweizer Strassen zu zeigen, würde sie trotzdem nicht wagen.

Für das Label "KAZU" verwertet sie oft den Stoff von alten für neue Kleider und Gewänder. Diese können Flecken oder andere Zeichen natürlicher Abnutzung aufweisen – und müssen sorgfältig gewaschen werden. Vorsicht ist geboten beim Verkauf dieser Kleider.

"Wenn es sich nicht um ein Familien-Erbstück handelt, tragen Japanerinnen nicht gerne die alten Kimonos anderer Leute. Obwohl die Leute hier nichts gegen Second-Hand haben, frage ich immer, woher diese kommen und ob sie von jemandem getragen wurden, der krank war."

Einige Kunden bringen ihren eigenen Kimono her, den sie als Souvenir gekauft haben und bitten Huggler, das Kleid bequemer zu machen. "Das ist ein sympathischer persönlicher Zugang", findet die Designerin.

Aktuelle Trends

Bevor sie 2002 "KAZU" ins Leben rief, arbeitete Huggler über zehn Jahre lang an den geläufigen Laufsteg-Trends, zum Beispiel an Frühlingskollektionen globaler Labels wie Etro, Prada und Emilio Pucci, die Seidenabdrucke typisch asiatischer Motive aufweisen, vor allem Blüten.

Inzwischen tauchen Kimono und Samurai-Elemente auch in den jüngsten Designs des Belgiers Haider Ackermann und Brit Gareth Pugh auf (Ackermann war der Gewinner des Schweizer Textil-Awards 2004; Pugh wurde 2007 für den Award nominiert).

Weil sie nicht auf Massenware ausgerichtet ist, braucht sich Kazu Huggler nicht darum zu kümmern, ob Kleidungsstücke mit japanischem Flair im Trend bleiben werden. Was populär ist, scheint sie nicht sehr zu interessieren. Als sie in am Saint Martins College in London Mode studierte, wurde ihr gesagt, dass sich alles, was zu neu oder zu ausgefallen sei, nicht verkaufen liesse. "Aber man darf keine Angst haben, wenn man etwas kreiert", rät Kazu Huggler.

Im Unterschied zu Japan, sei die Schweiz kein "Mode-Land". "In Japan ist die Jugend dominanter – dort gibt es eine verspielte Jugendkultur. Die Japaner sind vielleicht etwas reserviert, was das Verbale betrifft, aber ihre Kleider sind wild". Die bi-nationale Designerin mag die europäische Eleganz kombiniert mit der Reinheit japanischer Ästhetik.

Kazu Huggler

Die 1970 in Tokio geborene Tochter einer japanischen Mutter und eines Schweizer Vaters ist in beiden Herkunftsländern ihrer Eltern aufgewachsen. Sie studierte an der Keio Universität in Tokyo, an der Zürcher Hochschule der Künste sowie am Saint Martins College für Kunst und Design in London.

Sie arbeitete für den Seidenfabrikanten Fabric Frontline in Zürich und machte eine Lehre als Designerin bei Vivienne Westwood. 2002 gründete sie ihr eigenes Label "KAZU".

Nach dem Tsunami und der Reaktorkatastrophe von Fukushima im März 2011, startete Kaza Huggler zwei Projekte in der Region von Rikuzen Takata – die sehr stark betroffen war. Sie schenkte der lokalen Hochschule Bernina-Nähmaschinen und half älteren Frauen Produkte wie Tragtaschen herzustellen und zu vermarkten.

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Einfache Formen

Für eine Boutique, die auf massgeschneiderte Kleidung spezialisiert ist, hat "KAZU" ein ziemlich breites Kleidersortiment im Angebot: Tunika, Röcke, Foulards. Viele präsentieren Abdrucke, die Kazu Huggler gestaltet hat. Die Designerin entwickelt ihre Inspirationen aus alten Mustern, Familien Wappen und natürlichen Motiven wie Hanf, Bambus, Kraniche oder andere Tiere. Einige ihrer geläufigen Werke zeigen aus Symbolen abgeleitete Samt-Applikationen, welche von Japans indigenem Ainu-Volk verwendet werden, um böse Geister fernzuhalten.

"Im Unterschied zum Abdruck ist der Schnitt ziemlich schlicht. "Für die Gewänder ist es wichtig, dass sie einfache Formen und Schnitte haben, damit die Textilien zum Tragen kommen", sagt Huggler und weist auf die Dominanz der Muster und Farben auf vielen ihrer Werke hin.

Für jede Kollektion kreiert sie zwei oder drei Abdrucke, die sie mit Hilfe des Schweizer Siebdruckers Mitloedi und japanischen Firma Seiren entwickelte, die auch für Tintenstrahler spezialisiert ist.

Auch alltagstaugliche Kleider

Was das Material anbelangt, bevorzugt Kazu Huggler Seide. "Für mich verkörpert Seide das Wesen der Couture, ob es sich um einen Kimono oder eine Abendrobe handelt." Aber Kazu Huggler arbeitet auch mit Baumwolle und hochwertigem Polyester.

Die Mutter zweier kleiner Jungs ist oft auf Geschäftsreisen, wo sie die Tragbarkeit ihrer Kleidungsstücke testet. So schön die bodenlangen Kreationen auch sein mögen, Frauen benötigen auch alltagstaugliche Kleider. Dessen ist sich Kazu Huggler bewusst.


(Übertragung aus dem Englischen: Peter Siegenthaler), swissinfo.ch


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