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Schweizer Alltag "Hat vielleicht Ihre Frau damit eingekauft?"

"Seit dem Erlebnis mit der Geschenkkarte habe ich mich nicht mehr in der Coop-Filiale blicken lassen", schreibt ein in die Tage gekommener Journalist von swissinfo.ch über seine Erfahrungen mit der grössten Krankenkasse. Er war aus sonderbaren Gründen ins Visier von Helsana geraten, die mit eigentümlichen Mitteln Jagd auf günstige Risiken machte.

Das war wieder sehr naiv, mich auf dieses Angebot einzulassen. "Wir durchleuchten Ihre Krankenkassen-Police", hatte mir die Helsana-Versicherung geschrieben, obwohl ich bei der KPT versichert bin.

 

(Noch-)Nicht-Schweizer sollten wissen, dass hier erstens eine Krankenversicherung für alle obligatorisch ist und zweitens unter den privaten Krankenversicherern – auch Krankenkassen genannt – Wettbewerb herrscht. Deshalb buhlen die Kassen um die Gunst der günstigen Versicherten, d.h. vor allem um junge, gesunde Männer.

 

"Wir prüfen, ob Ihre Versicherungslösung noch zu Ihnen passt und erstellen für Sie Ihre persönliche Vergleichsofferte", hatte mir die Helsana angeboten. Dass sich eine Krankenkasse für einen Ü-50er zu interessieren schien, war für mich schon ein wenig überraschend, aber auch schmeichelhaft. Schliesslich erfülle ich immerhin zwei von drei wichtigen Kriterien: männlich und gesund.

 

Warum also nicht? Zu verlieren hatte ich nichts, im Gegenteil: Den ersten 1000 Teilnehmenden versprach die wetteifernde Krankenkasse zusätzlich ein Geschenk im Wert von 20 Franken.

 

Wenige Tage später liess mich die Helsana wissen, dass sie mir keine bessere Vergleichsofferte machen könne, was wohl so viel hiess wie, "Sie sind uns zu alt". Aber der Trostpreis, eine Geschenkkarte des Grossverteilers Coop im Wert von 20 Franken, war mir sicher.

 

... und klein beigeben!

 

Damit wollte ich ein paar Tage später frohgemut einen Teil meiner Einkäufe begleichen. Aber die Kassiererin in der Coop-Filiale erklärte nach der elektronischen Prüfung, die Karte sei leer.

 

"Wie leer?", fragte ich unbeholfen zurück. "Total leer. Da ist kein Geldbetrag drauf", präzisierte sie in merklich erhöhter Stimmlage.

 

Als ich abermals zu widersprechen wagte mit dem Hinweis, dass es sich um eine Coop-Geschenkkarte von Helsana im Wert von 20 Franken handle, mischte sich die vorderste Kundin in der sich bildenden Schlange hinter mir ein und belehrte mich lauthals: "Wenn nichts drauf ist, ist nichts drauf, nun bezahlen Sie endlich!“

 

Leer schlucken, durchatmen und… klein beigeben!

 

"Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul“, ging es mir durch den Kopf. Trotzdem rief ich bei Helsana an, um über meine peinliche Erfahrung zu berichten.

 

"Ihr Problem?"

 

Nach minutenlangen, automatisierten "Wir-bitten-Sie-um-Geduld-leider-sind-zur-Zeit-alle-Leitungen-besetzt-Mitteilungen" meldete sich ein gut gelaunter Gianluca G., der mich an den "für Ihr Problem" zuständigen Daniel K. weiterleiten wollte, allerdings nicht ohne vorher noch die Frage zu deponieren, ob denn nicht allenfalls meine Frau bereits mit der Geschenkkarte bezahlt hätte. Eine Frage mit der Wirkung einer eventualvorsätzlichen Unterstellung, die, wenn man ihr nachgehen würde, beim Empfänger auch zu einem Ehestreit ausarten könnte - was aber mit Gewissheit allein dessen Problem wäre.

 

Herr Daniel K. war dann aber sehr schnell mit einer wohltuenden Entschuldigung zur Hand, zumal ich offenbar nicht der einzige Pechvogel unter den Beschenkten der Helsana zu sein schien.

 

Seit ein paar Tagen bin ich nun im Besitz einer weiteren Coop-Helsana Geschenkkarte. Ob diese auch wirklich 20 Franken Wert hat, weiss ich noch nicht. Seit dem erwähnten Einkaufserlebnis habe ich nicht mehr gewagt, mich in der Coop-Filiale zu zeigen.  

Stellungnahme der Helsana

Der grösste Krankenversicherer lässt sich nicht lumpen

 

Vielen Dank, Herr Siegenthaler, dass Sie den Lapsus mit uns derart charmant und amüsant zu erzählen wissen. Man könnte fast sagen, wäre alles reibungslos vonstattengegangen, gäbe es diesen Eintrag nicht, und das wäre wirklich fast ein bisschen schade drum.

 

Und vielen Dank auch, dass Sie unsere erste Entschuldigung angenommen haben und uns hiermit noch die Gelegenheit zu einer schriftlichen Antwort geben.

 

Als Erstes möchten wir Ihnen sagen: Sie sind uns nicht zu alt! Das, was wir Ihnen geschrieben haben, meinen wir aufrichtig so. Wir konnten Ihnen tatsächlich keine günstigere Offerte anbieten. Die Berechnung Ihrer Prämien hat Daniel K.(es gibt ihn wirklich!) schön archiviert. Sie sind jederzeit herzlich bei uns willkommen, um sich persönlich davon zu überzeugen.

 

Und jetzt zur Coop-Geschenkkarte. Wir haben ca. 900 solcher Karten verschickt – gemäss unserem Wissen alle mit 20 Franken Guthaben aufgeladen. Sowohl in Ihrem wie auch in einem zweiten Fall hat Daniel K. überprüfen lassen, ob die Freischaltung des Guthabens auch tatsächlich erfolgt war. Ja, sie war, sagte man uns. Aber trotzdem hatten Sie diese peinliche Situation an der Kasse. Also war die Karte wohl doch nicht geladen. Und das ist in der Tat peinlich. Auch für uns.

 

Wir hoffen, dass Sie sich inzwischen mit der zweiten Karte in eine Coop-Filiale getraut und sich etwas Süsses gegönnt haben. Zucker ist zwar nicht gesund, aber tut manchmal der Seele gut.

 

Und sollten Sie trotz alledem Lust haben, zu Helsana zu wechseln, weil wir ehrlich zu unseren Kunden sind und auch ein wenig Spass verstehen, dann sind Sie jederzeit herzlich willkommen. Ein Anruf genügt.

 

Übrigens, ich bin im selben Alter wie Sie – offenbar auch noch nicht zu alt für Helsana.

 

Claudia Wyss, Leiterin Medien & Information

Infobox Ende

swissinfo.ch


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