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Tod einer Legende Kurt Felix – Star einer vergangenen Epoche

Mit 71 dem Krebs erlegen: Kurt Felix

Mit 71 dem Krebs erlegen: Kurt Felix

(Keystone)

Für die NZZ verkörpert er eine "vergangene Ära" und für den Blick war er ein "Idol". Die Deutschschweizer Presse beschäftigt sich ausführlich mit dem Tod des legendären TV-Unterhalters Kurt Felix.

Kurt Felix ist im deutschsprachigen Raum eine Legende der Fernsehunterhaltung. Vor allem die Sendung "Verstehen Sie Spass?" mit der versteckten Kamera machte ihn zum Star.

Berühmt wurde er in der Schweiz jedoch bereits in den 1970er-Jahren mit der Spielshow "Teleboy". Die Ausgabe vom 13. September 1975 erreichte mit mehr als 2 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern die höchste in der Schweiz je gemessene Zuschauerzahl.

Zu Beginn der 1980er-Jahre fasste der Unterhalter auch in Deutschland Fuss. Für die ARD entwickelte er die Sendung "Verstehen Sie Spass?", die er anschliessend während zehn Jahren selber moderierte. Wiederum mit grossem Erfolg: Die Sendung mit der versteckten Kamera wurde mit Zuschauerzahlen bis zu 2,7 Millionen zur erfolgreichsten TV-Show der Dekade.

Ein in die Matterhorn-Nordwand gehängter Zeitungskiosk für Bergsteiger Reinhold Messner war der Lieblingsgag von Kurt Felix: "Er hat sich darüber furchtbar aufgeregt." Ab 1983 stand dem Moderator in den TV-Sendungen seine Gattin Paola zur Seite, die er 1980 geheiratet hatte.

Heile Welt

Für den Tages-Anzeiger vertraten Kurt und Paola Felix "die heile Welt" und das "perfekt". Felix, der sich 1991 an seinem 50. Geburtstag in die Frühpensionierung zurückgezogen habe, habe als Fernsehunterhalter "immer anständig bleiben wollen", schreibt der Tages-Anzeiger.

"Rechtzeitiger hätte sich Kurt Felix nicht vom Fernsehmachen zurückziehen können. Seine Sendekonzepte hätte sich in der zynischen Welt des Reality-TV's und der Castingshows wahrscheinlich nur noch als nostalgische Raritäten und nicht mehr als die überwältigenden Quotenhits halten können", so der Tagi.

Graues Rauschen

Felix, der ausgebildete Lehrer, "war ein Lehrmeister  in Sachen Liebenswürdigkeit", schreibt der Sonntags Blick: "Seine Ehe mit Paola war eine Vorzeigeliebe. Warm, sanft. Und er hat uns teilhaben lassen. Er war einer von uns."

Nun, da Felix tot sei. Zeige der "Fernseher graues Rauschen. Schon lange gab es hier keine Menschen mehr wie ihn. Alles ist schrill. Laut, Leer".

Die Nachricht vom Tode von Kurz Felix werfe "ein Blitzlicht auf eine vergangene Fernsehepoche", schreibt die Neue Zürcher Zeitung. "Damals beherrschte das öffentliche Fernsehen noch grösstenteils die Bildschirme. Die Programmauswahl war beschränkt."

Bescheidene Wesensart

Einschaltquoten seien damals noch weniger zentral gewesen. "Entsprechend gesitteter war der Wettbewerb. Ungezügelter Voyeurismus und derber Zynismus, wie ihn inzwischen zahlreiche TV-Unterhaltungskünstler pflegen, war zu Felix' Zeiten verpönt."

Die Streiche mit der versteckten Kamera hätten "manchmal einen erhellenden, aber nie einen bösen Blick auf menschliche Unzulänglichkeiten freigegeben".

Das Scheinwerferlicht habe nicht zu "Eitelkeit", Abgebrühtheit, Überheblichkeit oder gar Zynismus" verführt, so die NZZ: "Höflich-korrektes Auftreten war sein Markenzeichen. Seine bescheiden wirkende Wesensart liess ihn aber auch bieder-naiv erscheinen. Der leicht schalkhafte Blick setzte allerdings einen Gegenakzent.

Kurt Felix

Mit "Verstehen Sie Spass?" hat er Millionen von Zuschauern zum Lachen gebracht - am Mittwoch ist TV-Entertainer Kurt Felix im Kantonsspital St. Gallen seinem langjährigen Krebsleiden erlegen.

Ihr Mann sei "mit einem Lächeln im Gesicht" von dieser Welt gegangen, teilte seine Witwe Paola dem Medienportal "persoenlich.com" am Samstag mit. Er habe auf ein erfülltes und glückliches Leben zurückblicken können.

In einer Umfrage wurden die Eheleute Felix 1988 zum beliebtesten Moderatoren-Paar der damaligen Bundesrepublik Deutschland gewählt. Die gutbürgerliche Zweisamkeit trug den beiden immer wieder sanften Spott ein.

In einem Interview mit dem "Magazin", das vor gut einem Jahr zu seinem 70. Geburtstag erschien, sagte Felix zu seiner Ehe: "Sie werden kein Haar in der Suppe finden." Man könne nicht dreissig Jahre etwas vorspielen. "Nein, bei uns ist alles echt, wir kommen einfach sehr gut miteinander aus."

Auf dem Höhepunkt ihres Ruhms verabschiedeten sich die beiden 1990 von der grossen Bühne, um auch im Privaten über mehr Zeit zu zweit zu verfügen. Während einiger Jahre war Felix dann vor allem als TV-Berater, Show-Entwickler und Kolumnist tätig. 2003 erkrankte er an Krebs und zog sich aus der Öffentlichkeit zurück.

Die Bestattung hat auf Wunsch des Verstorbenen am Samstag im engsten Familienkreis stattgefunden. Eine Abschiedsfeier ist in St. Gallen geplant, der Zeitpunkt ist noch offen.

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swissinfo.ch


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