Gewerkschaften wollen 3,5 Prozent mehr Lohn für alle

SGB-Sekretär Gaillard (r.) und SGB-Präsident Rechsteiner bei der Präsentation der Lohnforderungen. Keystone

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) fordert für das kommende Jahr eine generelle Lohnerhöhung von 3,5 Prozent: Alle Lohnabhängigen sollen in den Genuss des vollen Teuerungsausgleichs (2 Prozent) und einer Reallohnerhöhung (1,5 Prozent) kommen.

Dieser Inhalt wurde am 16. August 2000 - 12:56 publiziert

Der automatische Teuerungsausgleich müsse wieder zur Selbstverständlichkeit werden, sagte SGB-Präsident Paul Rechsteiner zum Auftakt der Lohn-Runde 2000 am Mittwoch (16.08.) an einer Medienorientierung in Bern. Darüber hinaus müssten mit einer Reallohnerhöhung alle Arbeitnehmenden vom Aufschwung profitieren.

Teuerungsausgleich prioritär

Die Lohnabhängigen mit tiefen und mittleren Einkommen litten noch immer unter der Krise der 90-er Jahre, sagte Rechsteiner am Mittwoch (16.08.) an einer Medienorientierung in Bern.

Der automatische Teuerungsausgleich als wichtige Errungenschaft sei vielerorts abgeschafft worden. Über angemessene Lohnerhöhungen könne erst verhandelt werden, wenn die Preissteigerung ausgeglichen sei, nicht zuletzt wegen der gestiegenen Lebenskosten.

Durchschnittlich Lohnerhöhung von 175 Franken

Angesichts der ausgezeichneten Wirtschaftslage in allen Branchen könne die erwartete Preissteigerung von 2 Prozent voll ausgeglichen werden, sagte SGB-Sekretär Serge Gaillard. Als Reallohnerhöhung sei von den einzelnen Verbänden eine Forderung von 1,5 Prozent zu erwarten. Die durchschnittliche Erhöhung müsse demnach aus 100 Franken Teuerungsausgleich und 75 Franken Reallohnerhöhung bestehen, was realistisch sei.

Höchste Zeit für Anpassung der Löhne

Die Lohnabschlüsse der letzten zwei Jahre seien trotz des seit 1997 bestehenden Aufschwungs mickrig gewesen, sagte Gaillard weiter. Für dieses Jahr sei sogar ein Reallohnverlust zu befürchten. Die Gewinne der Unternehmen hätten sich dagegen kontinuierlich verbessert. Nun sei es an der Zeit, dass auch die Löhne entsprechend angepasst würden.

Auch die Kaderlöhne müssten Teil der kollektiven Lohn-Verhandlungen werden, forderte SGB-Präsident Rechsteiner. Die Kadersaläre seien in den letzten Jahren förmlich explodiert. Verhindern will der SGB eine weitere Zersplitterung der Lohnverhandlungen auf die individuelle Ebene. Wie in den USA und Grossbritannien könnten sonst nur noch jene ihre Einkommen steigern, die auf dem Arbeitsmarkt rar seien.

Je nach Branche unterschiedliche Lohnforderungen

Da die Löhne in der Schweiz für die verschiedenen Branchen einzeln ausgehandelt werden, sind die Lohnforderungen der einzelnen Gewerkschaften unterschiedlich. Für die Beschäftigten der Bauwirtschaft wird 200 Franken mehr Lohn gefordert, wie GBI-Vizepräsident Hans Schäppi sagte. Die Mindestlöhne müssten um 250 Franken steigen. Dies entspreche einer Reallohnerhöhung von zwei bis 2,5 Prozent.

In der Chemie fordert die Gewerkschaft Bau und Industrie (GBI) real drei Prozent. Dies sei angesichts der ausgezeichneten Abschlüsse gerechtfertigt.

Für die Maschinenindustrie fordert der SMUV neben der Teuerung bis zu zwei Prozent real und einen Sockelbetrag von mindestens 100 Franken pro Beschäftigten.

Der VPOD verlangt für den öffentlichen Dienst eine Reallohnerhöhung von zwei Prozent und die Rücknahme der Sparmassnahmen. Ansonsten laufe dem Staat das Personal davon.

Mindestlohn von 3'000 Franken

Als weitere zentrale Forderung werden die Gewerkschaften in den Verhandlungen vom Herbst auf einen Mindestlohn von 3'000 netto in allen Branchen pochen. Dies betreffe vor allem das Gastgewerbe mit seinen skandalösen Löhnen sowie die Landarbeiter, sagte Schäppi. Im Detailhandel bestehe die Chance, dass wenigstens 3'000 brutto erreicht werde.

swissinfo und Agenturen

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