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Gewerkschafter treffen sich nach den gescheiterten Verhandlungen im Baugewerbe

Mit einem Ja zu einem zäh ausgehandelten Kompromiss hätten die Delegierten des Baumeisterverbandes Ruhe in die Branche bringen können. Doch sie sagten Nein zu mehr Lohn für die rund 100'000 Bauarbeiter. Nun fällt der Gesamtarbeitsvertrag.

Dieser Inhalt wurde am 19. Januar 2000 - 17:11 publiziert

Mit einem Ja zu einem zäh ausgehandelten Kompromiss hätten die Delegierten des Baumeisterverbandes Ruhe in die Branche bringen können. Doch sie sagten Nein zu mehr Lohn für die rund 100'000 Bauarbeiter. Dabei befürworteten sowohl die Branchenkonferenz, das Parlament der Gewerkschaften, wie die Führung des SBV den Vorschlag, der 100 Fr. mehr pro Monat für alle gebracht hätte. Nun fällt der Gesamtarbeitsvertrag. "Streik ist ein Thema", warnt Gewerkschaftssprecher Rolf Beyeler.

Streik und höhere Forderung zu erwarten

Eine erste Beurteilung nahmen am Mittwochnachmittag (19.01.) Jean Kunz von der Gewerkschaft Bau und Industrie (GBI) und Peter Scola von der Gewerkschaft Syna vor. Genaueres werde am Montag besprochen und an einer Medienkonferenz am nächsten Dienstag bekanntgegeben, sagt GBI-Sprecher Rolf Beyeler, "Streik wird sicher ein Thema sein", sagt Beyeler. Die vorsorglich auf 1. April 2000 eingereichte Kündigung des Gesamtarbeitsvertrages werde nun wirksam. "Damit sind wir von der absoluten Friedenspflicht entbunden und können auch zu Streiks als Mittel im Lohnkonflikt greifen", betont Beyeler.

Komme es zu neuen Lohnverhandlungen, dürfte mehr als 100 Fr. Erhöhung gefordert werden, erwartet Beyeler. Zum einen habe die Teuerung seit den ersten Verhandlungen zugenommen. Zum andern bringe die anziehende Baukonjunktur wieder mehr Spielraum. Gute Bauleute würden bereits wieder Mangelware.

Ideologische Grabenkämpfe

Für Bernard Koechlin, als Präsident der Genfer Baugruppe Zschokke Vertreter der Grossen der Baubranche, ist das Nein des SBV "unverständlich und kurzsichtig". Doch auch viele kleinere Unternehmer haben laut Beyeler der GBI von sich aus zugesichert, die strittigen 100 Fr. Lohnerhöhung für alle ab Anfang 2000 einzuführen.

"Individuell" ist nicht einklagbar

Die Patrons beharren mit ihrem Nein auf der vom Gewerkschaftsparlament abgelehnten individuellen Komponente. Sie wandelten die 100 Fr. für alle um in 80 Fr. für jeden Beschäftigten eines Unternehmens und weitere 30 Franken, die aber mit der Anzahl Beschäftigten multipliziert und dann individuell verteilt würden. Ob diese Summe auch wirklich individuell verteilt werde, lasse sich erst im Nachhinein überprüfen, erläutert Scola weiter. Doch da keine Verbandsklage möglich sei, könne der Anspruch nicht durchgesetzt werden. Und Beyleler weiss aus Erfahrung, dass aus individuellen Erhöhungen vor allem "die Kader und die Wohlfährigen Nutzen ziehen".

Erste Gespräche zwischen GBI und Syna

Am Mittwochnachmittag besprachen die Gewerkschaften das weitere Vorgehen. Die Verhandlungsleiter Peter Scola von Syna und Jean Kunz von der Gewerkschaft Bau und Industrie (GBI) trafen sich zu ersten Verhandlungen. Ein Thema war die Frage nach einem möglichen Streik. Über die Inhalte der Entschlüsse der SBV-Delegierten sei dagegen schwierig zu reden, da die Patrons bisher nicht informiert hätten, sagt ein von seinen Verhandlungspartnern enttäuschter Scola.

Bei den Baumeistern ist laut Sprecher René Müller noch "alles offen". Konkrete Schritte müssten die Delegierten Anfang April entscheiden.

SRI und Agenturen

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