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Gildemeister rutscht in die Verlustzone - Hoffen auf Wende (AF)

Dieser Inhalt wurde am 05. November 2009 - 15:10 publiziert

BIELEFELD (awp international) - Der Werkzeugmaschinen-Hersteller Gildemeister muss der Wirtschaftskrise Tribut zollen. Im dritten Quartal schrieb das Unternehmen erstmals seit Jahren rote Zahlen. Im schlimmsten Falle kommt es nun zu einem weiteren Stellenabbau. "Wir haben noch 300 Mitarbeiter zu viel an Bord", sagte Konzernchef Rüdiger Kapitza am Donnerstag der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Auf grosse Entlassungen will er aber vorerst verzichten. "Es ist schwer, wieder hochqualifizierte Leute zu finden, wenn das Geschäft anzieht."
Und danach sieht es im Moment aus. Im laufenden Schlussquartal kalkuliert Kapitza mit neuen Aufträgen im Wert von bis zu 400 Millionen Euro - das wäre beinahe soviel wie zu Boomzeiten. Kapitzas Zuversicht rührt vor allem von Erfolgen auf der wichtigen Werkzeugmaschinen-Messe EMO her. Zudem rechnet er mit mehreren grossen Bestellungen für seine Solar-Nachführanlagen. Nachdem der Kurs am Morgen noch gefallen war, überwog am Nachmittag die Hoffnung. Das Papier kletterte gut 3 Prozent.
SPARPROGRAMM GREIFT
"Im Schlussquartal werden wir einen minimalen Gewinn schreiben", sagte Kapitza. "Das Sparprogramm hat gegriffen." Gildemeister versucht mit Kooperationen, Kurzarbeit und Entlassungen die Krise abzufedern. Die Zahl der Mitarbeiter soll bis zum Jahresende um 1.000 auf 5.500 sinken. Eigentlich reiche die Arbeit derzeit aber nur für 5.200 Menschen, sagte Kapitza. Über weitergehende Massnahmen will er Ende des Jahres gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern entscheiden.
Im dritten Quartal war Gildemeister mit 5,2 Millionen Euro in die Verlustzone gerutscht. Damit kam das Unternehmen allerdings glimpflicher davon als Analysten erwartet hatten. Vor einem Jahr hatte der Konzern noch 23,8 Millionen Euro verdient. Über die Quartale hinweg war der Gewinn aber immer weiter abgeschmolzen. "Manche Wettbewerber kämpfen ums Überleben", verdeutlichte Kapitza die Situation.
PROGNOSE GESENKT
Bei Gildemeister fielen Auftragseingang und Umsatz von Juli bis September jeweils um rund die Hälfte auf 238 beziehungsweise 235 Millionen Euro. Daraufhin senkte das Unternehmen zum wiederholten Male seine Jahresprognose. Beide Werte sollen nun bei rund 1,2 Milliarden Euro herauskommen. Im letzten Boomjahr 2008 hatte das Unternehmen noch jeweils 1,9 Milliarden Euro eingefahren. Konzernchef Kapitza will trotz Krise im Gesamtjahr auf jeden Fall schwarze Zahlen schreiben.
Die Flaute hatte die Werkzeugmaschinen-Hersteller hart getroffen. Gildemeister geht es dabei noch vergleichsweise gut. "Wir sind nicht so tief gefallen wie andere und werden auch schneller wieder aufsteigen", sagte Kapitza. Branchenweit sank der Auftragseingang von Juli bis September verglichen zum Vorjahreszeitraum um 64 Prozent, wie der Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW) parallel mitteilte. Der Tiefpunkt sei jedoch erreicht, zeigte sich VDW-Geschäftsführer Wilfried Schäfer gewiss. Besonders aus dem Ausland gebe es verstärkt neue Bestellungen.
PREISKAMPF BELASTET
Auch Gildemeister-Chef Kapitza sieht Auftragseingang und Umsatz im kommenden Jahr wieder steigen. Seine Hoffnungen ruhen dabei vor allem auf dem Service- und Solargeschäft. Wie sich das Ergebnis entwickele, sei derzeit noch nicht abzuschätzen, sagte er. "Im Sommer hat ein Preiskampf eingesetzt." Für Maschinen sei heute ein Zehntel weniger zu bekommen als vor der Krise. Neben dem Sparprogramm bringt allerdings eine Kooperation mit einem grossen japanischen Wettbewerber etwas Erleichterung. "Mori Seiki und wir arbeiten sehr gut zusammen."/das/dct/wiz

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