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Gletscherleichen "Für die Schweizer Gletscher ist es zu spät"

Aufnahme eines Gletschers, im Hintergrund Wolken und blauer Himmel.

Wie viele Vermisste liegen noch unter den Eismassen unserer Gletscher? Die Erderwärmung trägt dazu bei, das Geheimnis langsam aber sicher zu lüften.

(Keystone)

Ob verwitterte Kleider, Bergschuhe oder eine mumifizierte Hand: Die Gletscher geben diesen Sommer die sterblichen Überreste von Vermissten frei. Sie schmelzen rasant. Bis in 80 Jahren wird es sie in der Schweiz wohl kaum mehr geben.

Die Gletscher ziehen sich seit mehr als 160 Jahren zurück – und geben immer mehr Vermisste frei. In den letzten Wochen sorgten gleich drei Funde, zwei in der Schweiz und einer in Frankreich, für Schlagzeilen:

Auf dem Tsanfleuron-Gletscher werden zwei leblose Körper gefunden. Es handelt sich um ein seit 1942 vermisstes Ehepaars. Der Mann und die Frau waren von Chandolin bei Savièse aus zu Fuss aufgebrochen, um das Vieh auf der Alp im Kanton Bern zu füttern und kamen nie zurück.​​​​​​​

Der Fund einer menschlichen Hand und eines Oberschenkels am Bossons-Gletscher am Mont Blanc steht möglicherweise im Zusammenhang mit zwei Flugzeugabstürzen in der Region in den Jahren 1966 und 1950. Die französische Polizei lässt die Überreste gerichtsmedizinisch untersuchen.

Zwei Alpinisten finden beim Aufstieg auf das Lagginhorn im Kanton Wallis die sterblichen Überreste eines deutschen Wanderers, der vor 30 Jahren verschwand. Eine Hand und zwei Schuhe ragten aus dem Eis am Gletscher nahe an der italienischen Grenze.

Die Schweizer Gletscher erreichten ihre grösste Ausdehnung während der kleinen Eiszeit um das Jahr 1850. Die gesamte Gletscherfläche betrug damals 1735 Quadratkilometer. Innerhalb von 166 Jahren schmolz die Hälfte der Gletscherfläche, heute sind es noch 890 Quadratkilometer.

"Selbst eine Verlangsamung der Erderwärmung kommt für die Schweizer Gletscher zu spät", sagt Glaziologe Matthias Huss vom Schweizer Gletschermessnetz Glamos im Tages-Anzeiger. Die Schweizer Gletscher könne man nicht mehr retten, auch wenn die Treibhausgase in den nächsten Jahrzehnten massiv reduziert würden. Bis ins Jahr 2100 gehen laut Huss 80 bis 90 Prozent der Eismassen verloren.

Die Gletscherschmelze hat weitreichende Folgen für die Schweiz:

Die meisten Stauseen zur Gewinnung von Energie aus Wasserkraft beziehen ihr Wasser bis jetzt aus Gletschern.

Die Gletscher sind ein Tourismusmagnet und gehören zur "Identität" des Landes.

Die Landschaft verändert sich durch den Rückzug der Eismassen, es drohen Naturgefahren wie das Abrutschen von Hängen.

Die grossen Flüsse Europas entspringen in den Alpen und werden im Sommer von den Gletscher mit Wasser versorgt.

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