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Globalisierung: Nur eine Minderheit profitiert

Hernando De Soto, Gründer und Präsident des Instituts für Freiheit und Demokratie.

(uncommonknowledge.org)

Warum scheint die Globalisierung für Länder wie die Schweiz zu klappen, während eine Mehrheit der Weltbevölkerung kaum profitiert?

Der renommierte Ökonom Hernando de Soto, eine Schlüsselfigur am diesjährigen Weltwirtschaftsforum in Davos, nimmt zu diesem Thema Stellung.

Über vier Milliarden Menschen werde der Zugang zur Weltwirtschaft nicht nur verweigert, sie seien auch von ihren eigenen nationalen Märkten ausgeschlossen, sagt De Soto.

In einem Interview mit swissinfo bringt er seine Sympathie gegenüber den Globalisierungskritikern zum Ausdruck, sagt aber auch, dass ihre Forderungen im Vergleich zu den Bedürfnissen mit den Menschen in Entwicklungsländern irrelevant seien.

De Soto, der in Genf aufgewachsen ist und dort arbeitete, bevor er in sein Heimatland Peru zurückkehrte, ist der Gründer des Instituts für Freiheit und Demokratie, welches vom Magazin "The Economist" als einer der weltweit wichtigsten Think Tanks eingestuft wird.

swissinfo: Die Schweiz war einst ein armes Land, Peru ist noch immer arm. Wieso?

Hernando de Soto: Vieles hat mit dem Justizsystem zu tun. Als wir in Peru mit unseren Forschungen begannen, fanden wir heraus, dass es 289 Tage brauchte, um ein Nähatelier zu registrieren. In Ägypten braucht man gar 549 Tage für die Eröffnung einer Bäckerei. Würde es in der Schweiz so lange dauern, gäbe es keine Bäckereien.

Die Kosten, um Geschäfte zu tätigen, um auf den Markt zu gelangen, Produkte zu verkaufen und Marken einzutragen, sind in vielen Entwicklungsländern astronomisch. Zudem gibt es in diesen Wirtschaftssystemen keine grundlegende Rechtssicherheit. Wir dürfen nicht vergessen, dass die meisten Europäer und Amerikaner ihre Kredite auf der Basis ihrer Wohnsituation und Besitzverhältnisse erhalten.

swissinfo: Wie sieht es in Bezug auf die politischen Unterschiede aus – welche Rolle spielen die?

H.D.S.: Wenn ich in die Schweiz komme, um Geschäfte zu tätigen, werde ich als erstes gefragt: Wie gut läuft Ihr Geschäft? Wenn ich in Peru hingegen sagen wir im Energie-Business tätig bin, frage ich: Wer ist der Energieminister? Diese Unterschiede haben viel mit Dezentralisierung und Demokratie zu tun. Deshalb bin ich in vielen Aspekten ein Bewunderer des schweizerischen Polit-Systems.

swissinfo: Zurück zu Davos: Wie lautet Ihre wichtigste Botschaft an die Teilnehmer des WEF und an das Gegenforum in Porto Alegre?

H.D.S.: Ich werde in Davos wiederholen, dass die Marktwirtschaft in meinem Teil der Welt extrem eingeschränkt ist, dass nur eine winzige Minderheit zu den Gewinnern gehört und das dies auf längere Zeit nicht aufrechtzuerhalten ist.

Was Porto Alegre betrifft: Es tönt vielleicht merkwürdig, aber ich denke, es ist nicht relevant. Noch nie habe ich Lima oder Caracas oder Mexico City eine Anti-Globalisierungs-Kundgebung erlebt.

Tatsache ist, dass die Armen hier nicht mal am eigenen System teilhaben können, geschweige denn an eurem. Die meisten Menschen in meiner Region der Welt sind Unternehmer und möchten sehr gerne international wirken.

Angesichts der mächtigen Multis werden sie nicht einmal wagen, daran zu denken.

swissinfo-interview: Chris Lewis
(Übertragung aus dem Englischen: Gaby Ochsenbein)

In Kürze

De Soto sagt, dass 4 Milliarden Leute aus der Weltwirtschaft ausgeschlossen sind.

Sie sind gezwungen, ausserhalb des gesetzlichen Regelwerks zu agieren, ohne Verwaltungsidentität, Kredit- oder Kapitalzugang.

Ihre Position würde sich auch dann nicht ändern, wenn die Welthandels-Barrieren von heute auf morgen nieder gerissen würden.

Laut De Soto ist das Fehlen einer grundlegenden Rechtssicherheit einer der Hauptgründe für die Armut weltweit.

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Fakten

De Soto wuchs in Genf auf, wo er mehrere Führungspositionen inne hatte.
Dann kehrte er nach Peru zurück, wo er Präsident Fujimori beriet.
Der Gründer des international geschätzten Instituts für Freiheit und Demokratie (ILD) wird vom US-Magazin Time als einer der hundert weltweit einflussreichsten Männer bezeichnet.
De Soto gab zwei Bestseller heraus: The Other Path (Der andere Weg) und The Mystery of Capital (Das Geheimnis des Kapitals).

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