Glück und Beharrlichkeit führen zum Nobelpreis

Wir seien im Allgemeinen nicht klug genug, um die wirklich wichtigen Fragen zu stellen, sagt der Nobelpreisgewinner Rolf Zinkernagel . Keystone Archive

Wenn kommende Woche in Schweden die Nobelpreise verliehen werden, gewinnen die Empfänger plötzlich internationale Anerkennung weit über ihr Gebiet hinaus. Professor Rolf Zinkernagel von der Universität Zürich kennt das Gefühl gut - vor fünf Jahren, 1996, gewann er gemeinsam mit einem Kollegen den Nobelpreis für Medizin.

Dieser Inhalt wurde am 05. Oktober 2001 - 14:56 publiziert

"In der Wahrnehmung der Öffentlichkeit werden Sie damit zu einer anderen Person", sagte Zinkernagel, der seit 22 Jahren am Institut für experimentelle Immunologie der Universität Zürich arbeitet.

"Das eröffnet neue Möglichkeiten, um über die Wissenschaft zu sprechen und die besonderen Eigenschaften der Wissenschaft einem grösseren Publikum nahe zu bringen. Sie werden zu einer öffentlichen Figur, und die Leute hören nun eher auf Sie. Ich nutzte die Gelegenheit zum Beispiel, um in der Boulevardzeitung "Blick" Artikel zu schreiben."

Zinkernagel erhielt den Preis zusammen mit dem Australier Peter Doherty für die Immunologieforschung, welche sie von 1973 bis 1975 zusammen durchführten. Die beiden entdeckten, wie das Immunsystem des Körpers von Viren infizierte Zellen erkennt.

In den vergangenen 25 Jahren haben Wissenschaftler auf der Grundlage dieser Forschungsresultate unser Verständnis für den Aufbau und das Funktionieren des Immunsystems verbessert.

Unerwartetes Resultat

Die bahnbrechende Entdeckung geschah fast per Zufall, wie Zinkernagel gegenüber swissinfo ausführte. "Doherty und ich planten dieses Experiment aus ganz anderen Gründen. Wir hatten eine genaue Idee, die wir testen wollten."

"Während der Tests wurden wir mit zwei Datensätzen konfrontiert, die überhaupt nicht zusammenpassten und allen herkömmlichen Ideen über die Interaktion von T-Immun-Zellen mit Körperzellen, die von Viren infiziert sind, zuwiderliefen. Weil das so unerwartet war, war uns klar, dass uns soeben ganz zufällig etwas sehr Fundamentales in den Schoss gefallen war."

Glück und Beharrlichkeit gehören dazu, um aus einem Wissenschaftler einen Nobelpreisträger zu machen, meint Zinkernagel.

Wirksamere Impfstoffe

"Ich denke, es geht auch darum, dass man eine Situation so gut kennt, um, wenn etwas Unerwartetes herauskommt, dies nicht gleich unter den Teppich zu kehren, weil man denkt, es sei ein Fehler oder ein schlechtes Experiment."

"Ich glaube, wir sind im Allgemeinen nicht klug genug, die wirklich wichtigen Fragen zu stellen, und sehr oft ist es eine zufällige Beobachtung, welche uns wieder ein Stück weiter bringt."

Ein Vierteljahrhundert nach Zinkernagels und Dohertys Forschungserfolg versuchen Wissenschaftler auf der ganzen Welt noch immer, bei ihrer Suche nach wirksameren Impfstoffen deren Entdeckung zu nutzen.

"Wir versuchen herauszufinden, wie genau T-Zellen in Gang gesetzt werden, und wie sie eine Immunreaktion einleiten", sagt Zinkernagel.

"Würden wir das verstehen, wäre es vielleicht möglich, dieses Wissen zu nutzen, um gute Immunreaktionen gegen Tumoren wie Karzinome oder Sarkome auszulösen oder bessere Impfstoffe herzustellen. Doch diese sehr einfachen Regeln verstehen wir nach wie vor nicht sehr gut."

Vincent Landon

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

Diesen Artikel teilen