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Gotthard minus 0: Die Mauer ist gefallen!

In der versammelten Menge im Unterstand herrscht religiöse Ruhe. Man hört nur das Dröhnen der Fräse, welche die letzten Centimeter durchbohrt. Die Erde erzittert. Mein Abenteuer ist zu Ende.

Alle Augen sind auf die Felswand gerichtet. Man sucht die ersten Risse, die ersten Bruchstücke, die sich lösen. Das Herz schlägt schnell: was für eine Emotion.

Meine Gefühle überwältigen mich. Ich hatte nie gedacht, dass mich eine Baustelle derart berühren würde. Dann, plötzlich bricht die Wand zusammen. Ein Aufschrei, die Leute applaudieren.

Auf der anderen Seite der Fräse, hinter der beeindruckenden Metallscheibe, ertönen die Freudenschreie der Mineure. Eine Trompete stimmt die Aida an. Der Berg ist besiegt.

Die Umarmungen zwischen den Mineuren sind berührend. Dann die Flaggen, der Champagner und die Feuerwerke. Müde und verschwitzt suche ich mir eine Ecke, wo ich meine Eindrücke niederschreiben kann. Sofort. "Nicht einmal für Sie war es leicht", sagt mir ein lachender Andreas Meyer, Direktor der Schweizerischen Bundesbahnen SBB.

Ich bin seit sieben Stunden im Tunnel, aber die Zeit ist im Nu vergangen. Es ist schon Zeit, auf den kleinen Zug aufzuspringen, der mich wieder ans Tageslicht bringt. Für mich ist das aber kein Adieu. In sieben Jahren, wenn der Basistunnel in Betrieb genommen wird, will ich einer der ersten sein, der ihn durchquert. Wenn mich jemand begleiten wird, kann ich ihm stolz sagen: Ich war auch dabei.

Luigi Jorio, Sedrun, 15. Oktober 2010

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