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Graue Panther im Süden gefragt

Ein Senior-Experte im Einsatz in einer Bäckerei in der Nähe von Nischni, Russland. (Foto: swisscontact.org)

Wissen und Erfahrung an Schwächere weitergeben: Das ist das Credo des Seniorencorps der Schweizer Stiftung für technische Zusammenarbeit Swisscontact.

Seit 25 Jahren setzt das Senior Expert Corps pensionierte Fachleute für die Entwicklungs-Zusammenarbeit ein.

"Nur auf dem Balkon sitzen und schauen, wie das Gras wächst - das ist nichts für mich", sagt der pensionierte Hotelier Michel Hirsch aus Pully (VD). Nach einer internationalen Karriere in der Hotellerie und Gastronomie erfuhr er über einen Nachbarn vom Senior Expert Corps (SEC) von Swisscontact.

Als Fachmann berät und unterstützt Hirsch heute das Hotel-Management in Ländern wie Russland, Rumänien, Bulgarien oder Nicaragua. Der Gastgewerbe-Experte hilft den Betrieben vor Ort, ihre Dienstleistungen an internationale Standards und die Bedürfnisse von Gästen aus dem Westen anzupassen. Zurzeit befindet sich Hirsch auf einem Einsatz in Sri Lanka.

Direkter Know-how-Transfer

Der zentrale Nutzen des SEC liege "in der direkten Weitergabe von praktischem Wissen und langjähriger Erfahrung", betont Swisscontact-Geschäftsführer Urs Egger. Die pensionierten Fachleute arbeiten ehrenamtlich für Klein- und Mittelbetriebe (KMU) sowie Bildungsorganisationen, die sich eine professionelle Beratung sonst nicht leisten könnten.

Das SEC feiert diese Woche seinen 25. Geburtstag und hat in den letzten Jahren enorm an Bedeutung gewonnen. Die Menschen in der Schweiz bilden sich immer länger aus bei ständig kürzeren Lebensarbeitszeiten, zudem ist die Lebenserwartung stetig gestiegen.

Soziologen sprechen von einer "soziokulturellen Verjüngung des Alters": Viele der heutigen 70-Jährigen sind wie die 50-Jährigen vor 20 Jahren - sie erfreuen sich bester geistiger und körperlicher Gesundheit. Diese "jungen Alten" bilden ein grosses Potenzial an hoch qualifiziertem Fachwissen.

Immer mehr Expertinnen

Der Frauenanteil beim SEC ist noch relativ klein, hat sich in den letzten Jahren aber auf neun Prozent verdoppelt.

Eine dieser Expertinnen ist Edith Blaser aus Gümligen (BE). Sie ist pensionierte Leiterin einer Diplommittelschule. Als SEC-Expertin hat sie Bildungseinrichtungen in der Mongolei und in Indonesien beraten.

Neben der Gewissheit um eine sinnvolle Tätigkeit schätzt sie an ihren Einsätzen die wertvollen menschlichen Kontakte. "Die Leute sind extrem freundlich und respektvoll."

Ähnliche Erfahrungen hat auch der Hotelfachmann Michel Hirsch gemacht. Die Menschen am Einsatzort wüssten, dass er nicht als hoch bezahlter Profi, sondern als ehrenamtlicher Freiwilliger komme. "Die Begegnungen sind deshalb viel intensiver, mit vielen dieser Menschen habe ich noch Jahre nach dem Einsatz Kontakt."

Auch habe er festgestellt, dass er als älterer Mensch mehr respektiert und geschätzt werde als in der Schweiz, wo man sich eher wie auf dem "Abstellgleis" fühle.

Arbeitsplätze in KMU

"Schon wenige Monate nach meiner Anfrage beim SEC stand der Senior-Experte Gabriel Gachoud bei mir in der Backstube", schreibt Ana Delmy de Jimenez, Besitzerin einer Bäckerei in El Salvador, in der Jubiläumsschrift. Sie wollte das Angebot ihres Kleinbetriebes mit 17 Angestellten mit Confiserie-Artikeln erweitern.

"Ich freute mich sehr, für die Einführung meiner neuen Produkte einen richtigen Profi mit grosser Erfahrung und enormem Fachwissen zur Seite zu haben."

Die Confiserie-Artikel brachten Delmy de Jimenez den Auftrag einer Warenhauskette. Das erlaubte ihr die Schaffung von fünf weiteren Arbeitsplätzen.

swissinfo, Reto Aschwanden (InfoSüd)

Fakten

Gründung SEC: 1979

Seit 1979 über 1300 Einsätze in 55 Ländern

2003: 145 Beratungen in Entwicklungsländern und Osteuropa

2004: Über 600 Fachleute beim SEC eingeschrieben

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In Kürze

Das Senior Expert Corps (SEC) von Swisscontact wurde vor 25 Jahren gegründet und setzt pensionierte Fachkräfte für die Entwicklungs-Zusammenarbeit ein. Es finanziert sich durch Spenden und Beiträge des Bundes.

Die Einsatzbereiche umfassen Hotellerie und Tourismus, Nahrungsmittelsektor, Technik und Handwerk sowie Management und Berufsbildung.

Das Durchschnittsalter der eingesetzten Fachleute liegt bei 65 Jahren, der Frauenanteil steigt stetig und beträgt heute neun Prozent.

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