Grosser Bahnhof für Marathon-Läufer Röthlin

Keystone

Eine Woche nach seinem Sieg am Marathon in Tokio ist Viktor Röthlin am Sonntag in die Schweiz zurückgekehrt. swissinfo hat mit ihm über die Hürden gesprochen, die er bis zum Sieg überwinden musste.

Dieser Inhalt wurde am 25. Februar 2008 - 11:54 publiziert

Der Schweizer Leichtathlet bereitet sich nun auf die Olympischen Spiele in Peking vor, wo er am 24. August eine Medaille gewinnen will.

Rund 70 Fans mit Treicheln fanden sich bei der Rückkehr am Flughafen Zürich-Kloten ein. Der 33-jährige Obwaldner freute sich riesig und sorgte mit einer Treichel gleich selber für die richtige Musik.

Lange in der Schweiz bleibt er allerdings nicht: Bereits am 1. März reist er für zwei Wochen in ein Trainingslager nach Spanien.

swissinfo: Wie fühlen Sie sich nach ihrem Sieg in Tokio?

Viktor Röthlin: Hinter diesem Erfolg steckt eine vertrackte Geschichte. Die Vorbereitungen liefen nicht optimal. Ende November wurde ich krank und musste mehr als zwei Wochen im Bett bleiben.

Später musste ich das Trainingslager in Kenia wegen den Unruhen abbrechen. Doch am Schluss habe ich einen der grössten Marathons gewonnen und das in einem Land, wo die Leute wirklich verrückt sind nach dieser Sportart.

swissinfo: Was passierte genau in Kenia?

V.R.: Wir kamen am Wahltag dort an. Zuerst war es ruhig, doch nach der Ankündigung des Wahlsiegs von Mwai Kibaki, fing der Ärger an. In der Region, wo ich untergebracht war, lebt ein Kibaki feindlich gesinnter Stamm.

Die Leute begannen, Häuser anzünden. Es gab Tote. Ich war nie in Gefahr, aber an der Tankstelle hatte es fast keinen Treibstoff mehr. Wir waren 350 Kilometer vom Flughafen Nairobi entfernt und wussten nicht, ob und wann wir den Ort verlassen können.

Deshalb haben wir uns entschieden, früh genug abzureisen. Es hatte noch genügend Benzin.

swissinfo: Fühlten Sie sich vor dem Rennen trotz aller Widrigkeiten in Form?

V.R.: Ich hatte nichts zu verlieren, da ich meine Qualifikation für die Olympischen Spiele bereits hatte. Vielleicht fühlte ich mich deshalb frei. Ich konnte etwas riskieren. Das Rennen verlief perfekt.

Ich habe mit mehr als einer Minute Vorsprung gewonnen. Es war unglaublich! Ich habe sogar meinen eigenen Rekord um 57 Sekunden unterboten.

swissinfo: Gehen Sie also zuversichtlich nach Peking?

V.R.: Tokio ist der grösste Erfolg in meiner Karriere. Mit diesem Wissen im Kopf gehe ich natürlich mit grosser Freude nach Peking.

Doch der Druck wird gross sein. 20 oder 25 Läufer sind in der Lage, eine Medaille zu gewinnen. Ich hoffe also auf einen guten Tag, viel Glück und einen kühlen Kopf.

swissinfo: Sie waren soeben für ein paar Tage in Peking. Wie waren Ihre Eindrücke?

V.R.: Für mich war es sehr wichtig, die Vorbereitungen auf die Spiele zu beginnen. Jetzt weiss ich, worauf ich achten muss und kann mich mental besser vorbereiten.

Die Bahn ist flach und einfach angelegt. Es hat nicht zu viele Ecken, die Strassen sind gerade. Die Luftverschmutzung ist an gewissen Tagen so gross, dass es beim Gehen weh tut. Es gibt aber auch Tage ohne Luftverschmutzung. Das heisst: Ich muss mich auf beide Situationen einstellen.

Ich hoffe auf möglichst gute Luft. Im Winter ist die Verschmutzung wegen den Heizungen höher als im Sommer. Jetzt kenne ich die Situation im Winter.

swissinfo: Marathon ist eine anspruchsvolle Disziplin. Welche Qualitäten braucht man dafür?

V.R.: Eine grosse Ausdauer. Aber in einem Rennen arbeitet nicht nur der Körper, sondern auch der Geist. Das macht es so interessant.

swissinfo: Sie müssen also auch gegen sich selbst kämpfen?

V.R.: Sie müssen am Anfang wissen, zu welchem Tempo Sie im Endspurt fähig sind. Zu Beginn fühlt man, dass man schneller rennen könnte. Aber Sie müssen ja bis zum Schluss aushalten.

Am Anfang fühle ich mich wie ein junger Mann, am Ende schon eher wie ein alter Mann. Es braucht sehr viel Kopfarbeit, um zu Beginn nicht zu schnell zu rennen, cool zu bleiben und das Rennen in einer guten Position zu beenden.

swissinfo-Interview: Isobel Leybold-Johnson, Flughafen Zürich-Kloten

Viktor Röthlin

Der 33-Jährige lebt in Kerns (Kanton Obwalden).

Seit 2006 ist der ausgebildete Physiotherapeut Profisportler.

Seine Bestleistung erzielte er am Tokio-Marathon 2008 mit 2:07:23.

In der aktuellen Weltrangliste ist Röthlin auf dem dritten Platz, hinter dem Weltrekordhalter Haile Gebrselassie (Äthiopien) und dem Kenianer Wanjohi Macharia.

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