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Grosser Preis geht an "Justiça" von Maria Ramos

Szene aus "Justiça" von Maria Ramos. (Bild: Selfmade Films).

Am 10. Dokumentarfilm-Festival "Visions du réel" hat der in den Niederlanden produzierte Film "Justiça" den Grossen Preis geholt. Auch drei Schweizer Produktionen wurden ausgezeichnet.

Das Festival in Nyon, das sich als Ort des Widerstands gegen die Bilderflut versteht, ist weit über die Landesgrenze hinweg bekannt.

Der mit 15'000 Franken dotierte Grosse Preis geht in diesem Jahr an "Justiça" von Maria Ramos. Der in den Niederlanden produzierte Film verfolgt einen Prozess an einem Gericht in Rio de Janeiro. Mit ihren distanzierten Beobachtungen gelingt es der Regisseurin, die Mechanismen der Justiz in Brasilien darzulegen.

Im Internationalen Wettbewerb standen auch zwei Schweizer Produktionen: "Namibia Crossings – Spirits an Limits", ein Roadmovie von Peter Liechti, und "Que sera?" des Berner Filmautors Dieter Fahrer.

Fahrer erhielt für sein einfühlsames Werk über das Leben von alten Menschen, die in einem Altersheim leben – unter dem gleichen Dach mit einer Kinderkrippe – den mit 10'000 Franken dotierten Prix Suissimage für den besten Schweizer Film sowie eine spezielle Erwähnung der internationalen Jury.

Sorgfältiges Schweizer Handwerk

Der Preis des Westschweizer Fernsehens ging an die Walliserin Emmanuelle de Riedmatten für ihren Film "Blandine et les siens". Sie schildert darin das Schicksal einer jungen Frau, die dem Genozid in Ruanda entkommen ist.

Erstmals wurde in Nyon auch ein mit 5000 Franken dotierter Preis für Filme vergeben, die sich mit Verbrechen beschäftigen. Dieser ging an den Nidwaldner Theo Stich für "Vollenweider". Er thematisiert das letzte in der Schweiz ausgesprochene Todesurteil im Jahr 1940.



Wie Festivaldirektor Jean Perret gegenüber swissinfo betonte, kommt immer mindestens ein Schweizer Film in den Internationalen Wettbewerb, wenn möglich zwei. "Das ist unsere Verpflichtung, damit wir die Schweizer Filme mit der internationalen Produktion vergleichen können."

Laut Perret zeichnen sich die Schweizer Dokumentarfilme durch eine exzellente Qualität aus: "Sie sind unglaublich sorgfältig gemacht. Da der Dokfilm in der Schweiz finanziell gut unterstützt wird, können die Filme mit viel Aufwand und Zeit produziert werden."

Während sieben Tagen wurden in Nyon 120 kurze oder lange Dokumentarfilme aus rund 30 Ländern gezeigt. 80 Regisseure waren in der welschen Kleinstadt am Genfersee anwesend. Rund 25'000 Zuschauerinnen und Zuschauer besuchten das "Visions du réel" - das sind ungefähr gleich viele wie im Vorjahr.

Widerstand gegen Bilderflut

"Visions du réel" hat sich in den letzten Jahren zu einem der wichtigsten Dokumentarfilm-Festivals auf internationaler Ebene gemausert – und zu einem Ort der Begegnung. Für Jean Perret kommt das Festival einer Geschichte gleich:

"Wir bauen während einer Woche ganz bescheiden einen Film auf. Dazu gehören gute Filme, die Filmemacher, die Künstler und für jeden Film eine Debatte."

In Nyon seien die Filme keine Produkte mehr. Nyon sei kein Supermarkt, sondern ein Ort, wo man sich Zeit für die Filme nehme. "Wir in Nyon wollen Zeit verlieren, wir möchten Verspätung haben in der heutigen Zeit, die so schnell vorübergeht."

Nyon-taugliche Filme sind für den Festivaldirektor unabhängige Autorenfilme, die "in der Flut der audiovisuellen Information Widerstand leisten". "Cinéma du réel" sei das Kino des Gedächtnisses, der Gedanken, der Überprüfungen, der Analyse. "Alles, was sich Mainstream-Bilder nicht mehr leisten können."

swissinfo, Gaby Ochsenbein

Fakten

Das Filmfestival "Visions du réel" feiert 2004 sein 10. Jubiläum.
Gezeigt wurden 120 Filme aus rund 30 Ländern.
2 der 19 Filme im internationalen Wettbewerb stammten aus der Schweiz.
25'000 Personen besuchten in diesem Jahr das Festival.

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In Kürze

Der Grosse Preis (15'000 Franken) geht an "Justiça" von Maria Ramos (Niederlande).
"Que sera?" des Schweizers Dieter Fahrer erhält eine spezielle Erwähnung der internationalen Jury sowie den Prix Suissimage (10'000 Franken).
Der Prix TSR des Westschweizer Fernsehens (7000 Franken) geht an "Blandine et les siens" von Emanuelle de Riedmatten.
Theo Stich wird für "Vollenweider" mit dem Preis für Filme über Verbrechen ausgezeichnet ((5000 Franken).

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