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HANNOVER (awp international) - Der weltweit drittgrösste Rückversicherer Hannover Rück fürchtet trotz der verheerenden Überschwemmungen in Australien nicht um seine Gewinnziele. "Das ist kein Schadenereignis, das zu Änderungen in den Zielen führen wird", sagte Vorstandschef Ulrich Wallin nach der Vertragserneuerung in der Schaden-Rückversicherung in Hannover. Obwohl die Konditionen in vielen Geschäftsfeldern unter Druck stehen, konnte die Hannover Rück ihre Preise zum 1. Januar im Schnitt fast stabil halten.
Im laufenden Jahr soll der Gewinn deshalb wie geplant 650 Millionen Euro erreichen. Für 2010 stehen dank eines günstigen Steuerurteils sogar mehr als 700 Millionen auf dem Zettel. Einen Gewinnrekord schloss der Vorstand dabei erneut nicht aus - im bisher besten Jahr 2009 hatte die Hannover Rück 731 Millionen Euro verdient. Als Dividende will der Vorstand auch weiterhin zwischen 35 und 40 Prozent des Jahresgewinns ausschütten.
POLITISCHE UNRUHEN IN TUNESIEN UND ÄGYPTEN BEREITEN KEINE SORGEN
Für Überraschungen könnte die Australien-Flut in der Jahresbilanz des MDax-Konzerns sorgen. Einen Teil der Schäden müsse das Unternehmen im vierten Quartal 2010 verbuchen, sagte Wallin. Die Wassermassen strömten in zeitlichem Abstand über die Regionen Queensland, Brisbane und Victoria - teilweise vor, teilweise nach dem Jahreswechsel. Für brauchbare Schaden-Schätzungen ist es laut Wallin zu früh. Derzeit seien bei den Versicherern rund 30.000 Schaden-Meldungen eingegangen, noch immer kämen weitere hinzu. Analysten hatten den Marktschaden bereits auf rund 4,5 Milliarden Euro beziffert. Bei Überschwemmungen werden die Schäden üblicherweise erst erkennbar, wenn das Wasser weitgehend abgeflossen ist.
Die politischen Unruhen in Tunesien und Ägypten machen der Hannover Rück unterdessen keine Sorgen. Das Unternehmen muss etwa dafür geradestehen, wenn politische Gewalt zu Sachschäden führt. Gleiches gilt, falls Regierungen Unternehmen enteignen oder verhindern, dass Vertragspartner bestehende Verträge erfüllen, wie das für das Spezialversicherungsgeschäft zuständige Vorstandsmitglied Jürgen Gräber erläuterte. "Wir schätzen die Lage so ein, dass solche Ereignisse nicht im grösseren Masse auftreten werden."
2010 DRITTSCHWERSTES JAHR
Bei der Verhandlung der Rückversicherungsverträge machte sich die Australien-Flut bereits bemerkbar. Im Geschäft mit Grosskunden seien die Rückversicherungspreise für die betroffenen Regionen um 50 Prozent in die Höhe gesprungen, sagte Gräber. In der klassischen Rückversicherung erwartet Gräber den Preisanstieg erst zur Jahresmitte, wenn der Grossteil der Verträge für das Australiengeschäft zur Erneuerung ansteht.
Wallin zufolge war das abgelaufene Jahr für die Rückversicherer das drittschwerste ihrer Geschichte - nach 2005 mit den Wirbelstürmen Katrina, Wilma und Rita und 2001 mit den Anschlägen vom 11. September. Trotz der Erdbeben in Chile, Neuseeland und Haiti sowie der Ölpest im Golf von Mexiko sei die grosse Katastrophe 2010 ausgeblieben, sagte der Manager. Nur eine solche hätte auf breiter Front zu höheren Preise geführt.
NUR IN TEILBEREICHEN HÖHERER PRÄMIEN
Zum 1. Januar konnte die Hannover Rück bei ihren Kunden nur in Teilbereichen höhere Prämien durchsetzen. Vorstand Gräber hatte allerdings mit Schlimmerem gerechnet: "Unsere Befürchtungen haben sich nicht ganz erfüllt.? Zwei Drittel der Verträge in der Schaden-Versicherung des Konzerns standen zur Erneuerung an. Zwar wurde dem Volumen nach jeder zehnte Vertrag nicht erneuert, dafür zeichnete die Hannover Rück den Angaben zufolge so viel zusätzliches Geschäft, dass die Prämien um zwei Prozent auf 3,35 Milliarden Euro kletterten.
Die Kredit- und Kautionsversicherung verlor für die Hannoveraner einen Teil ihrer Magnetwirkung. Um elf Prozent strichen sie das Prämienvolumen zusammen. Manche Mitbewerber gingen mit Kampfpreisen an den Markt, doch die Prämien waren noch immer 50 Prozent höher als vor der Krise. Verstärkt zeichnete das Unternehmen hingegen Versicherungsverträge in der Luft- und Seefahrt.
AKTIENQUOTE SOLL WIEDER STEIGEN
Angesichts der niedrigen Zinsen an den Finanzmärkten will die Hannover Rück wieder mehr Aktien kaufen. Hatte der Rückversicherer zuletzt rund zwei Prozent seines Anlagevolumens in Aktien angelegt, so will Wallin die Quote bis zum Jahresende auf 3,5 bis 5 Prozent steigern. Die niedrigen Zinsen haben aus Sicht seines Vorstandskollegen Gräber auch ihr Gutes: Sie zwingen zur Disziplin. "Das Allheilmittel zum Abdecken von Versicherungsverlusten - die Zinsen - xistIert nicht mehr?, sagte er. Dies werde etwa den Preisverfall auf dem Erstversicherungsmarkt in den USA beenden.
Unterdessen will die Hannover Rück ihre Anfälligkeit für Naturkatastrophen und andere grosse Schadenereignisse senken. Dazu soll der Anteil der Personen-Rückversicherung im Konzern weiter wachsen ? bei den Nettoprämien in diesem Jahr um 10 bis 12 Prozent. Die Schaden-Rückversicherung soll hingegen um höchstens 3 Prozent zulegen. Die Lebens-Rückversicherung sorge für Stabilität bei den Gewinnen, sagte Wallin. Im laufenden Jahr soll die Sparte bereits ein Drittel zur Profitabilität beitragen./stw/he

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