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HANNOVER (awp international) - Der weltweit drittgrösste Rückversicherer Hannover Rück fürchtet trotz der verheerenden Überschwemmungen in Australien nicht um seine Gewinnziele. "Das ist kein Schadenereignis, das zu Änderungen in den Zielen führen wird", sagte Vorstandschef Ulrich Wallin am Mittwoch nach der Vertragserneuerung in der Schaden-Rückversicherung in Hannover. Insgesamt könnten die Fluten die Hannover Rück einen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag kosten. Derweil konnte das Unternehmen seine Preise zum 1. Januar im Schnitt weitgehend stabil halten, obwohl die Konditionen in vielen Geschäftsfeldern unter Druck stehen.
Im laufenden Jahr soll der Gewinn deshalb wie geplant 650 Millionen Euro erreichen. Für 2010 stehen dank eines günstigen Steuerurteils sogar mehr als 700 Millionen auf dem Zettel. Einen Gewinnrekord schloss der Vorstand dabei erneut nicht aus - im bisher besten Jahr 2009 hatte die Hannover Rück 731 Millionen Euro verdient. Als Dividende will der Vorstand auch weiterhin zwischen 35 und 40 Prozent des Jahresgewinns ausschütten.
AKTIEN LEGEN ZU
Die Aktien des MDax-Konzerns reagierten mit einem Kurssprung auf die Nachrichten und schlossen am Abend auf Xetra mit 0,82 Prozent im Plus bei 42,24 Euro. Analyst Fabrizio Croce von Kepler Capital Markets sprach von einem guten Start der Erneuerungsrunde. Es gebe wenig, was der Rückversicherer hätte besser machen können.
Für Überraschungen könnten 2011 die Überschwemmungen in Australien sorgen. Die Wassermassen waren in zeitlichem Abstand über die Regionen Queensland, Brisbane und Victoria geströmt - teils vor, teils nach dem Jahreswechsel. Die Flut in Queensland werde die Hannover Rück im vierten Quartal 2010 mit 16 Millionen Euro belasten, sagte Vorstandschef Wallin. Die Flut in der Region Brisbane im Januar dürfte den Rückversicherer im laufenden Jahr hingegen 40 bis 100 Millionen Euro kosten. Die Schätzungen seien noch sehr unsicher, sagte Wallin.
30.000 SCHADEN-MELDUNGEN
Wallin zufolge seien bei den Versicherern in Australien rund 30.000 Schaden-Meldungen eingegangen, noch immer kämen weitere hinzu. Analysten hatten den Marktschaden auf rund 4,5 Milliarden Euro beziffert. Bei Überschwemmungen werden die Schäden üblicherweise erst erkennbar, wenn das Wasser weitgehend abgeflossen ist.
Die politischen Unruhen in Tunesien und Ägypten machen der Hannover Rück unterdessen keine Sorgen. Das Unternehmen muss etwa dafür geradestehen, wenn politisch motivierte Gewalt zu Sachschäden führt. Gleiches gilt, falls Regierungen Unternehmen enteignen oder verhindern, dass Geschäftspartner bestehende Verträge erfüllen, wie das für das Spezialversicherungsgeschäft zuständige Vorstandsmitglied Jürgen Gräber erläuterte. "Wir schätzen die Lage so ein, dass solche Ereignisse nicht im grösseren Masse auftreten werden."
2010 DRITTSCHWERSTES JAHR
Bei der Verhandlung der Rückversicherungsverträge machte sich die Australien-Flut bereits bemerkbar. Im Geschäft mit Grosskunden seien die Rückversicherungspreise für die betroffenen Regionen um 50 Prozent in die Höhe gesprungen, sagte Gräber. In der klassischen Rückversicherung mit den Erstversicherern erwartet er den Preisanstieg erst zur Jahresmitte, wenn der Grossteil der Verträge für das Australiengeschäft zur Erneuerung ansteht.
Wallin zufolge war das abgelaufene Jahr für die Rückversicherer das drittschwerste ihrer Geschichte - nach 2005 mit den Wirbelstürmen Katrina, Wilma und Rita und 2001 mit den Anschlägen vom 11. September. Trotz der Erdbeben in Chile, Neuseeland und Haiti sowie der Ölpest im Golf von Mexiko sei die eine grosse Katastrophe 2010 ausgeblieben, sagte der Hannover-Rück-Chef. Nur eine solche hätte auf breiter Front zu höheren Preisen geführt.
NUR IN TEILBEREICHEN HÖHERE PRÄMIEN
Zum 1. Januar konnte die Hannover Rück bei ihren Kunden nur in Teilbereichen höhere Prämien durchsetzen. Vorstand Gräber hatte allerdings mit Schlimmerem gerechnet: "Unsere Befürchtungen haben sich nicht ganz erfüllt.? Zwei Drittel der Verträge in der Schaden-Versicherung des Konzerns standen zur Erneuerung an. Zwar wurde dem Volumen nach jeder zehnte Vertrag nicht erneuert, dafür zeichnete die Hannover Rück den Angaben zufolge so viel zusätzliches Geschäft, dass die Prämien um zwei Prozent auf 3,35 Milliarden Euro kletterten.
Die Kredit- und Kautionsversicherung verlor für die Hannoveraner einen Teil ihrer Anziehungskraft. Um elf Prozent strichen sie das Prämienvolumen zusammen. Manche Mitbewerber gingen mit Kampfpreisen an den Markt, sagte Gräber. Doch die Prämien seien noch immer um 50 Prozent höher als vor der Krise. Verstärkt zeichnete das Unternehmen unterdessen Versicherungsverträge in der Luft- und Seefahrt.
AKTIENQUOTE SOLL WIEDER STEIGEN
Angesichts der niedrigen Zinsen an den Finanzmärkten will die Hannover Rück wieder mehr Aktien kaufen. Hatte der Rückversicherer zuletzt rund zwei Prozent seines Anlagevolumens in Aktien angelegt, so will Wallin die Quote bis zum Jahresende auf 3,5 bis 5 Prozent steigern.
Unterdessen will die Hannover Rück ihre Anfälligkeit für Naturkatastrophen und andere grosse Schadenereignisse senken. Dazu soll der Anteil der Personen-Rückversicherung im Konzern weiter wachsen ? bei den Nettoprämien in diesem Jahr um 10 bis 12 Prozent. Die Schaden-Rückversicherung soll hingegen um höchstens 3 Prozent zulegen. Die Lebens-Rückversicherung sorge für Stabilität bei den Gewinnen, sagte Wallin. Im laufenden Jahr soll die Sparte bereits ein Drittel zur Profitabilität beitragen./stw/wiz/he

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