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Heidi und sein Alpennirvana

Heidi - ein Schweizer Mythos in der japanischen Version.

(swissinfo.ch)

Kein japanischer Tourist würde auf seiner ersten Europareise die Schweiz auslassen. Sie ist so etwas wie ein Mythos. Schuld daran ist vor allem Heidi.

Die Schweiz hat im japanischen Dupont-Reiseführer keine so hervorragende Hauptstadt wie Paris oder London zu verzeichnen. Auch keinen so romantischen Ort wie Venedig.

Einmalig ist sie dagegen, weil sie einen Mythos anbieten kann: Heidi und seine Alpen.

Heidi contra Nintendo

Fast ein Jahrhundert nach dem Tod seiner Autorin Johanna Spyri ist das Buch von "Heidi" in seiner japanischen Übersetzung noch immer präsent und feiert Jahr für Jahr Erfolge.

Die Beschreibung der Schweizer Landschaften und der Hirtenidylle in den Alpen bringt ganze Generationen von japanischen Schülerinnen und Schülern zum Träumen.

"Heidi hat zwar Konkurrenz bekommen von Nintendos Super Mario und anderen nicht weniger mythischen Figuren", meint der Journalist Koichi Ishiyama. "Aber", fügt er bei, "wenn die Japaner in die Schweiz reisen wollen, dann, weil dieser Mythos aus ihrer Kindheit nach wie vor weiterlebt."

TV-Comic

Den Beweis, dass die kleine Schweizerin im kollektiven japanischen Gedächtnis einen unauslöschlichen Eindruck hinterlassen hat, liefert Hayao Miyazaki mit dem Comic, den er vor zehn Jahren geschaffen hat. Das japanische Fernsehen strahlt ihn regelmässig aus. Und verzeichnet jedes Mal hohe Einschaltquoten.

"Die Schweiz ist eine Gegend, die Japanern und Japanerinnen gefällt. Das heisst nicht, dass sie da leben möchten. Denn sie ahnen, dass der Mythos Heidi und das Alpennirvana mit dem Schweizer Alltag wenig zu tun hat, und dass sie enttäuscht wären", erklärt Miyazaki, der inzwischen für seinen Zeichentrickfilm "Die Reise von Chihiro" den Goldenen Bären von Berlin erhalten hat.

Finanzplatz Schweiz

Aber die Schweiz ist in Japan nicht nur wegen Heidi beliebt. Sie hat in den Augen der nüchternen und pragmatischen Japaner noch weitere Anziehungspunkte. Ihr Finanzplatz zieht die grössten Unternehmen des Reichs der aufgehenden Sonne an.

Diese haben in Zürich oder Genf diskrete Filialen eröffnet. Finanz-Gesellschaften, welche die Profite verwalten, die in ganz Europa erwirtschaftet werden. Dann wird aufgrund von Steuervorteilen entschieden, wie viel davon nach Japan zurückgeführt wird.

Und schliesslich sind es auch Organisationen wie die UNO in Genf oder die Bank für internationalen Zahlungsausgleich in Basel, wegen denen die japanische Diplomatie und hohe Vertreter der Bank von Japan regelmässig in die Schweiz kommen.

Georges Baumgartner

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