Heimspiel für UNO-Befürworter

Aussenminister Deiss hatte es in Davos leicht, von den Vorzügen eines UNO-Beitritts zu berichten. swissinfo.ch

"UNO von innen" lautete das Thema des diesjährigen Auslandschweizer-Kongresses. Mehrere Referenten plädierten für eine UNO-Vollmitgliedschaft der Schweiz, am deutlichsten fiel das Votum von Aussenminister Deiss aus. Ob diese Werbung allerdings nötig war, ist fraglich. Denn die meisten Auslandschweizer befürworten bereits einen UNO-Beitritt.

Dieser Inhalt wurde am 19. August 2001 - 14:06 publiziert

Bundesrat Joseph Deiss erklärte am Samstag (19.08.) mit deutlichen Worten, dass es für einen UNO-Beitritt höchste Zeit sei: "Inzwischen ist nämlich auch das vor zwei Jahren erwähnte Tuvalu als zweitletzt verbliebener Staat der UNO beigetreten - und jetzt fehlt, vom Sonderfall Vatikan abgesehen, wirklich nur noch die Schweiz!"

Er sei bei seinem Ferien-Aufenthalt auf Tonga, einer Inselgruppe im Pazifik, schon ab und zu neidisch geworden, sagte Deiss gegenüber swissinfo. "Ich musste mir bei jeder Insel sagen: Die sind schon in der UNO."

Vorteile gebe es viele, Nachteile keine, meinte Deiss am Kongress. Als Vollmitglied der UNO könne sich die Schweiz noch besser für ihre Werte und Anliegen einsetzen: "An einem intakten, ja vorzüglichen Image unseres Landes dürften Sie als Schweizerinnen und Schweizer im Ausland ein besonderes Interesse haben."

Kein Reduit für die Neutralität

Auch die anderen zwei Referenten strichen die Vorzüge eines UNO-Beitrittes hervor. Professor Curt Gasteyger der Universität Genf: "Es gibt kein sicheres nationales Reduit mehr, die Neutralität muss überdacht und angepasst werden." Das forderte auch Botschafter Erwin H. Hofer: "Unsere historisch gewachsene Neutralität ist mit einer Mitgliedschaft in den Vereinten Nationen vollumfänglich vereinbar." So würden beispielsweise keinesfalls Auslandschweizer zu friedenserhaltenden Massnahmen eingezogen.

Echo aus dem Ausland

Einem Kongressteilnehmer sprach der Botschafter aus dem Herzen: Walter Hürzeler, seit 40 Jahren Italien-Schweizer. "Die Rede war konkret, präzis und hat pünktlich aufgehört", freute er sich. "Ich finde keinen positiven Punkt an einem UNO-Nein." Auch der siebzehnjährige Andrey Hladnik aus Slowenien spricht sich für einen UNO-Beitritt aus: "Zeitweise war ich skeptisch, aber insgesamt wäre ich froh über eine Schweiz in der UNO."

Nicht alle Auslandschweizerinnen und -schweizer wollten den Vereinten Nationen beitreten, berichtet der Präsident der Auslandschweizer-Organisation (ASO), Georg Stucky. Aber: "Nach meiner Erfahrung ist eine Mehrheit für einen Beitritt."

Dass sich die Meinung der Auslandschweizer auch bei kleineren Problemen nicht immer mit derjenigen der Mit-Eidgenossen deckt, bestätigt Hans Hoffmann, Präsident des Schweizerclubs Berlin. Dessen Mitglieder können die Aufruhr um den Schweizer Botschafter Thomas Borer nicht verstehen: "Was die Schweizer Presse über den Botschafter schreibt, stösst bei uns auf totales Unverständnis. Wie er die Schweiz nach vorne gepeitscht hat, dafür erntet er von uns nur Applaus." Und Ursula Glagau-Lutz ergänzt: "Er hat die Schweiz endlich vom Heidi-Image weggebracht."

Rebecca Vermot und Philippe Kropf, Davos

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