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Heiss begehrte schwarze Liste

Beim ägyptischen Flugzeug wurden in der Schweiz Mängel festgestellt.

(Keystone)

Nach dem Absturz der Flash-Airlines-Maschine machen Konsumenten und Reisebüros Druck: Es soll öffentlich werden, welche Airlines in der Schweiz Überflugverbot haben.

Das zuständige Amt ist nicht dagegen, doch internationale Vereinbarungen verunmöglichten diese Transparenz, heisst es.

Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) hatte bei zwei Kontrollen im Jahr 2002 die beiden Jets der Flash Airlines für fluguntauglich erklärt. Sie wurden mit einer Flugsperre für das Schweizer Hoheitsgebiet belegt.

Am Dienstag wurde bekannt, dass weitere 23 mangelhafte Flugzeuge auf der schwarzen Liste des BAZL stehen und die Schweiz nicht anfliegen dürfen. Gerne wüssten die Konsumenten, um welche Gesellschaften es sich handelt.

Obwohl der Druck der Öffentlichkeit in der Schweiz steigt, die Namen der betroffenen Gesellschaften zu veröffentlichen, da dies der Sicherheit der Konsumenten diene, dürfen die Daten nicht veröffentlicht werden. Ein "gentlemen's agreement" in Europa verhindert dies.

Im Rahmen einer europäischen Vereinbarung werden die Resultate solcher Inspektionen zwar den Partnerländern in der gemeinsamen Datenbank "Joint Aviation Authorities" mitgeteilt.

Die Regeln dieses Abkommens sagen aber auch, dass das BAZL die Flugsperren der Öffentlichkeit nicht bekannt geben darf.

Konsumentenschutz will Offenheit

Gegen diese Bestimmung läuft nun die Schweizer Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) Sturm. Sie fordert von Verkehrsminister Moritz Leuenberger Aufklärung.

Eine "skrupellose und menschenverachtende" Vereinbarung verhindere die Veröffentlichung der Namen der Airlines, welche mangelhafte Flugzeuge einsetzten, schreibt die SKS in einer Mitteilung. Damit würden bewusst Menschenleben aufs Spiel gesetzt.

Leuenberger wird in einem Brief aufgefordert, einzuschreiten. Flugpassagiere sollen sich vor dem Abflug ein Bild machen können über die Sicherheit der Airlines. "Das BAZL soll die Liste der Airlines veröffentlichen, welche gesperrte Maschinen besitzen", so die SKS.

Leuenberger: keine Rückschlüsse

Das Flugverbot in der Schweiz gegen Flash Airlines lasse keinerlei Schlüsse über die Ursachen des Unglückes vom 3. Januar zu, betonte Leuenberger in einem Kondolenz-Schreiben an seine Amtskollegen in Paris und Kairo.

Darin steht weiter, dass die Schweizer Bevölkerung und der Bundesrat tief bestürzt seien über das Unglück vor der ägyptischen Küste mit 148 Toten.

Zugleich informierte Leuenberger die beiden Amtskollegen über das Anflug- und Überflugverbot, das die Schweiz im Oktober 2002 gegen die Chartergesellschaft Flash Airlines verhängt hatte.

BAZL: nicht möglich - Grossbritannien veröffentlicht Liste

Die Vereinbarung, die Namen nicht zu veröffentlichen, werde von der Europäischen Zivilluftfahrkonferenz (ECAC) angewendet und könne nicht einseitig von der Schweiz aufgehoben werden, sagte Celestine Perissinotto, Sprecherin des BAZL, gegenüber swissinfo. Die Daten der Airlines stünden unter Datenschutz.

Auf die Frage, ob dabei nicht Menschenleben gefährdet würden, sagt Perissinotto, dass die Schweiz, würde sie das Abkommen brechen, nicht mehr Mitglied der ECAC sein könnte und damit auch von den Daten der Organisation ausgeschlossen wäre.

Das BAZL wäre aber mit einer Änderung der gelten Regelung einverstanden, sagte die Sprecherin.

Grossbritannien brach diese Regelung am Donnerstag und veröffentlichte eine Liste mit Namen von Airlines, die vom britischen Luftraum verbannt sind. Für die Schweiz ändere sich damit vorerst nichts, hiess es gleichentags beim BAZL.

Die Schweiz stellte aber einen raschen Entscheid über die Publikation der von einem Flugverbot betroffenen Airlines in Aussicht. Man überprüfe zur Zeit die Vor- und Nachteile der bisherigen Praxis. Es handle sich um eine Güterabwägung zwischen Transparenzforderungen und Sicherheitsfragen, erklärte der Sprecher des Verkehrsdepartements.

IATA: doch

Dem gegenüber findet der Internationale Luftfahrtverband (IATA), die Öffentlichkeit habe ein Recht darauf zu erfahren, welche Airlines betroffen seien.

Dies aber nur bei gravierenden Mängeln, präzisierte IATA-Direktor William Gaillard: Bei Fällen wie Flash Airlines habe die Öffentlichkeit das Recht, informiert zu werden.

Gaillard präzisierte gegenüber swissinfo, dass erst einmal die Konsumenten von den Reiseveranstaltern darüber informiert werden sollten, mit welcher Airline sie fliegen werden.

Dann sollten die Reiseveranstalter von der Fluggesellschaft, mit der sie zusammenarbeiten wollen, ein Sicherheits-Zertifikat verlangen dürfen. Werde dies nicht ausgehändigt, könne der Veranstalter auf eine Zusammenarbeit verzichten.

Generell, so Gaillard, seien allerdings die Inspektions-Daten der Untersuchungsbehörden sehr technischer Natur und von Reisebüros und Tour-Operators schwierig zu interpretieren.

Reisebüros kennen Liste nicht

Der Schweizer Konsumentenschutz fordert denn auch, dass nicht nur das BAZL, sondern auch die Reisebüros handeln sollen.

Den Reisebüros seien jedoch die 23 Flugzeuge, welche die Schweiz nicht anfliegen dürfen, auch nicht bekannt, sagte der Geschäftsführer des Schweizerischen Reisebüro-Verbandes, Walter Kunz.

Generell sei aber eine Beurteilung der Sicherheit von Flugzeugen schwierig. "Die Kriterien müssten aufgezeigt werden", sagte Kunz.

Er zeigt Verständnis, dass die Daten der Öffentlichkeit nicht zur Verfügung stehen. Ist aber dafür, dass sie den "Profis" kommuniziert werden.

Deshalb werde der Reisebüro-Verband an das BAZL gelangen, damit die Reiseveranstalter Kenntnis von der Liste bekommen. "Für die Tour-Operators ist das entscheidend, wenn sie wissen, ob sie mit einer Gesellschaft zusammenarbeiten, die auf der schwarzen Liste des BAZL steht", sagt Kunz.

Flugschreiber entdeckt

Französische Taucher entdeckten derweil vor der Küste von Scharm el Scheich die beiden Flugdatenschreiber der abgestürzten Maschine.

Nach Angaben der ägyptischen Nachrichtenagentur MENA konnten das Wrack und die "Black Boxes" durch Signale geortet werden.

Die Daten des Flugschreibers sollen Aufschluss über die Absturzursache geben. Die ägyptischen Behörden schliessen übrigens einen Anschlag aus.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Ein Charterflugzeug mit 148 Menschen an Bord stürzte am Samstag, 3. Januar, kurz nach dem Start im ägyptischen Badeort Scharm el Scheich ins Rote Meer.

Bei den Passagieren handelte es sich nach Angaben des Flughafens in Kairo um französische Touristen und sechs Ägypter, ausserdem befanden sich sechs Besatzungsmitglieder an Bord.

Zwei Tage nach dem Flugzeugabsturz begann ein Streit zwischen Experten um die Sicherheit der ägyptischen Chartergesellschaft Flash Airlines.

Während der französische Verkehrsminister dem Carrier einen "guten Ruf" bescheinigte, hatte die Gesellschaft in der Schweiz Landeverbot.

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