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Henri Matisse, in voller Farbenpracht

Odalisque au fauteuil turc, 1928, Musée d'Art Moderne Paris. (© 2006 Succession H. Matisse/ProLitteris, Zürich)

Die Fondation Beyeler in Riehen bei Basel zeigt die erste grosse Matisse-Ausstellung in der Schweiz seit über 20 Jahren.

Sie ist eine umfassende Retrospektive zum zentralen Thema des Künstlers: die - zumeist weibliche - Figur im Innenraum.

"Matisse hat die Sonne im Bauch", zitierte Ernst Beyeler bei der Präsentation der Ausstellung Picasso. Dies sei das Vermächtnis des Künstlers. Die Fondation Beyeler habe enorme Anstrengungen unternommen, um das Ausstellungsprojekt zum Erfolg zu führen. Dieses habe ihm besonders am Herzen gelegen.

Doch Beyeler beklagte sich auch: Wegen Garantien, Versicherungsfragen und anfallenden Gebühren sei es immer schwieriger, eine solche Ausstellung zusammenzustellen.

Das Resultat darf sich sehen lassen: Die Ausstellung "Henri Matisse Figur Farbe Raum" sei seit jener im Zürcher Kunsthaus von 1984 die erste grosse Werkschau, die dem neben Picasso grössten Künstler des 20. Jahrhunderts gewidmet sei. Sie sei zudem erst die Zweite überhaupt in der Schweiz, sagte Fondation-Direktor Christoph Vitali.

Ganzer Querschnitt

Gezeigt werden über 200 Werke, die aus namhaften Museen und Privatsammlungen in den USA und Europa zusammengetragen wurden. Insgesamt dürften gegen hundert Sammlungen mit Leihgaben vertreten sein. Das Publikum kann dabei Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen und Druckgrafik aus allen Schaffensperioden des Künstlers kennenlernen.

Matisse sei nicht eigentlich ein politischer Künster, sagte Kurator Philippe Büttner. "Seine Mission war einfach die Malerei und die Weiterentwicklung seiner Kunst." Diese habe darin bestanden, mit wenig Mitteln viel auszusagen.

Frau im Intérieur

Die Ausstellung beginnt mit den frühen, den dunklen Farben des 19. Jahrhunderts verhafteten Werken und geht über zu den farblichen Explosionen der fauvistischen Phase und den abstrakter werdenden Bildern der Zeit des Ersten Weltkriegs.

Die Odalisken-Sujets folgen, dann die Bilderreihen der 1930er- und 1940er-Jahre und zuletzt die Scherenschnitte der Spätzeit.

Die Bilder zeigen meistens Frauenfiguren in einem Innen- und mit Blick in einen Aussenraum: Die Ausstellungsmacher sprechen von einer Art "Versuchsanordnung", die der 1869 in der französischern Picardie geborene, später in Nizza und Vence lebende und 1954 gestorbene Matisse in seinem Leben immer wieder durchgespielt hatte.

Entwicklungsachsen

Die gemalten Modelle waren dabei weniger Individuen denn Figuren im Raum. Zuletzt reduzierte Matisse die Bildelemente immer mehr zu einem System von Zeichen bis hin zu den nicht mehr nach Modellen geschaffenen Scherenschnitten. Die Ausstellung folgt diesen von Brüchen nicht freien Entwicklungslinien und macht sie sichtbar.

Erarbeitet wurde die Schau zusammen mit der K20 Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf, wo sie in den vergangenen vier Monaten rund 290'000 Kunstinteressierte angezogen hatte.

Für Riehen betonten Vitali sowie die Kuratoren Ulf Küster und Philippe Büttner mehr das Spätwerk von Matisse: "Wir sind in der Lage, den ganzen Matisse zu zeigen", hielt Beyeler fest.

swissinfo

In Kürze

Die Ausstellung "Henri Matisse Figur Farbe Raum" in der Fondation Beyeler, Riehen bei Basel, dauert bis am 9. Juli 2006.

Zu sehen sind über 200 Werke, die aus namhaften Museen und Privatsammlungen in den USA und Europa stammen. Darunter sind auch Fotos von Cartier-Bresson oder Brassaï.

Im vergangenen Jahr verzeichnete die Fondation Beyeler dank der Ausstellungen über Magritte und Picasso mit 340'000 Eintritten einen Besucherrekord.

Das Privatmuseum des Basler Kunsthändlers Ernst Beyeler wurde 1997 vom italienischen Architekten Renzo Piano gebaut.

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Fakten

Henri Matisse wurde 1869 in Le Cateau-Cambrésis in der Picardie geboren.
1891 brach er seine Karriere als Jurist ab und war fortan Kunstmaler.
Mit ihren ungewohnten Farben sorgten Matisse, Dérain, de Vlaminik und Manguin an der Pariser Herbstausstellung 1905 für einen Skandal. Ein neuer Stil der "Verrückten" war geboren: der Fauvismus.
Dank der Vorfälle wurden die Gemälde von Matisse Anfang 20. Jahrhunderts in ganz Europa bekannt.
1917 weilte der Maler erstmals in Nizza, wo er später einen grossen Teil seines Lebens verbrachte.
Matisse starb 1954 in Cimiez.

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