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ULM/KÖLN (awp international) - Mit dem Verkauf des Ulmer Generikaherstellers Ratiopharm hat der Alleinerbe der Merckle-Gruppe Ludwig Merckle nach einem monatelangen Bieterwettkampf die Familienehre gerettet. Zugleich konnte er die von seinem Vater angehäuften Schulden tilgen. Der Firmenpatriarch Adolf Merckle hatte seine Gruppe in der Finanzkrise mit Wetten auf Volkswagen-Aktien an den Rand des Zusammenbruchs gebracht und sich aus Ohnmacht schliesslich umgebracht. Nun übernimmt der weltweite Marktführer von Nachahmerprodukten Teva Pharmaceutical (Israel) das Merckle-Unternehmen für 3,625 Milliarden Euro inklusive Schulden. Mit der Übernahme wird Teva die Nummer eins am europäischen Generikamarkt und nach der zu Novartis gehörenden Sandoz die Nummer zwei in Deutschland, dem zweitgrössten Markt für Nachahmermedikamente.
Der Alleinerbe des Merckle-Imperiums, Ludwig Merckle, hörte sich nicht an, was auf der Pressekonferenz zum Verkauf des Herzstücks aus dem Merckle-Imperium gesagt wurde. "Die Trennung von Ratiopharm ist ein schmerzvoller Schnitt für uns als Gründerfamilie. Auch wenn dies unumgänglich war, so bin ich dennoch zuversichtlich, dass dies eine gute Lösung ist. Ich glaube, dass der Zusammenschluss mit dem grössten Generikahersteller weltweit es Ratiopharm ermöglichen wird, weiter zu wachsen und erfolgreich zu sein", liess er sich lediglich per Mitteilung zitieren. Für die Familie ist Ratiopharm unter all den Beteiligungen, die Ludwigs Vater Adolf zu einem riesigen Konglomerat aufgebaut hat, immer etwas Besonders gewesen.
Beteiligte Banker und Berater zollten ihm deshalb für seine Leistung Respekt, da er mit dem Verkauf das geschafft hat, was ihm viele Ende 2008 nicht zugetraut haben: Die Entschuldung der Ratiopharm-Eignerin VEM Holding. "Ludwig Merckle hat den Verkauf entscheidend vorangetrieben. Er kann stolz auf sich sein und wird heute Nacht wahrscheinlich richtig gut schlafen", sagte ein beteiligter Banker. Mit dem Verkauf habe die Vermögensverwaltung VEM auf einen Schlag ihre Schulden getilgt.
Auch die Verbindlichkeiten der VEM beim zur Merckle-Gruppe gehörenden Pharmagrosshändler Phoenix seien damit vom Tisch, erklärte Hans-Joachim Ziems, der als Geschäftsführer der bisherigen Ratiopharm-Eignerin VEM den Verkaufsprozess leitete. Auf dem Höhepunkt der Finanzschwierigkeiten der Dachgesellschaften VEM und Spohn Cement hatten sich Schulden von rund fünf Milliarden Euro angesammelt.
Für die Mitarbeiter in Ulm endet damit eine mehr als ein Jahr lang dauernde Zitterpartie. Denn Teva will Ulm zu seiner Deutschlandzentrale machen. "Für uns ist klar, dass Ratiopharm die Drehscheibe unserer europäischen Wachstumsstrategie wird", sagte der Europa-Chef von Teva, Gerard van Odijk, am Donnerstag. Ausserdem sicherte Teva-Chef Shlomo Yanai zu, dass die deutschen Ratiopharm- Standorte künftig weiter expandieren werden. Auch Ziems sagte: "Ich gehe nicht davon aus, dass durch die Übernahme Arbeitsplätze gefährdet sind." Er rechne eher mit dem Gegenteil.
Die Merckle-Gruppe war Ende 2008 in eine finanzielle Schieflage geraten. Adolf Merckle hatte sich mit VW-Aktien verzockt. Sein Firmenimperium zu dem auch der Baustoffkonzern HeidelbergCement gehört, war auf Schulden gebaut. In der Finanzkrise wollten dann die mehr als 30 Gläubigerbanken Merckle nur noch einen Kredit gewähren, wenn er sich von einigen Firmenteilen trennt - darunter Ratiopharm. Merckle unterzeichnete nach zähen Verhandlungen eine Kreditstundung. Aber das Gefühl der Ohnmacht, nicht mehr die Kontrolle über sein Firmengeflecht zu haben, war wohl stärker als die Hoffnung auf Rettung. Anfang 2009 beging Adolf Merckle unweit seines Heimatortes Blaubeuren Selbstmord. Mit seinem Freitod auf den Bahngleisen wurden schicksalhafte Aspekte der Finanzkrise deutlich./bs/ep/DP/fn
--- Von Berit Schmidt, dpa und Elke Pfeifer, dpa-AFX ---

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