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HIV-Test für Asylbewerber?

Flüchtlingsempfangsstelle in Chiasso.

(Keystone)

Das Bundesamt für Gesundheit will in den fünf Asyl-Empfangsstellen des Bundes HIV-Tests einführen.

Verschiedene Seiten, so auch die Aids-Hilfe Schweiz, reagieren mit Skepsis auf das Vorhaben des BAG.

Roger Staub, Leiter Sektion Aids im Bundesamt für Gesundheit (BAG), bestätigte in einem Bericht der "NZZ am Sonntag", dass sich künftig alle ankommenden Asylbewerber einem HIV-Test unterziehen sollten.

Gemäss dem so genannten "Opt-Out-Modell" des BAG soll der Test nur dann nicht durchgeführt werden, wenn ein Asylbewerber ihn ablehnt.

Laut dem Aids-Spezialisten im BAG sieht das Modell ein systematisches Angebot des HIV-Tests vor, begleitet von einer umfassenden Beratung.

Wichtig sei dabei, mit den Leuten in ihrer Sprache zu kommunizieren. Ob das "Opt-Out-Modell" eingeführt wird, entscheidet das BAG im Februar.

Mehr positive Tests

Staub begründete die geforderte Massnahme mit der seit zwei Jahren wieder stark zunehmenden Zahl von positiven HIV-Tests in der Schweiz.

Seit 1991 hat die Zahl der Neuansteckungen in der Schweiz stetig abgenommen, bis sie im Jahr 2001 wieder auf 632 positive HIV-Tests anstieg.

Ein Jahr später lag sie bereits bei 792 und nahm im 2003 wieder auf 677 ab. Betroffen sind vor allem Personen aus Ländern mit hoher Aidsrate, wie aus afrikanischen Ländern südlich der Sahara.

Mit einem Anteil von 27% an den neu gemeldeten HIV-Infizierten sind Menschen aus dieser Region deutlich übervertreten, machen sie doch lediglich 0,4% der in der Schweiz lebenden Personen aus.

Skeptische Stimmen, aber nicht nur

Skeptisch gegenüber den Plänen des BAG äusserte sich die Aids-Hilfe Schweiz: Ein HIV-Test müsse freiwillig sein. Zudem brauche es individuelle Beratung, betonte Christoph Schlatter von der Aids-Hilfe.

Für SP-Nationalrat Mario Fehr kommen HIV-Tests für Asylsuchende nur in Frage, wenn sichergestellt ist, dass das Testresultat keinen Einfluss auf den Ausgang des Asylverfahrens haben.

SVP-Nationalrat Ulrich Schlüer ist da anderer Meinung: Er will Asylsuchende mit einem positivem Testergebnis in ihre Heimat zurückschicken.

Schwerpunkt Prävention

Im November 2003 hatte der Bundesrat angekündigt, das "Nationale HIV/Aidsprogramm 2004-2008" des BAG zu genehmigen.

Dieses kostet den Bund pro Jahr 10 Mio. Franken. 8 Mio. davon gehen in die Prävention, eines der drei Kernfelder des Programms.

Das zweite Kernfeld betrifft die interdisziplinäre Therapie und Beratung bei einer HIV-Infektion und Aids-Erkrankung mit dem Ziel, die Lebensqualität zu fördern.

Im dritten Kernfeld geht es um die Solidarität mit Betroffenen - als Aspekt der Förderung der Menschenrechte.

swissinfo und Agenturen

Fakten

Positive HIV-Tests:

1991: 2144
2000: 586
2001: 632
2002: 791
2003: 677

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In Kürze

Rund 27% der positiven HIV-Tests 2002 entfallen auf Personen aus Schwarzafrika. An der Schweizer Bevölkerung machen sie lediglich 0,4% aus. In Schwarzafrika leben 25 Millionen Träger des HI-Virus. Das sind rund 2/3 aller Infizierten weltweit. 2003 starben 2,3 Millionen Schwarzafrikaner an Aids.

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